Halb­jah­res­zah­len set­zen Va­lo­ren un­ter Druck

Finanz und Wirtschaft - - LINDT & SPRÜN - DIE­TER WEISS­KOPF

Lindt & Sprüng­li hat im ers­ten Halb­jahr noch nicht zur ge­wohn­ten Wachs­tums­stär­ke zu­rück­ge­fun­den. Markt­er­war­tun­gen wur­den da­durch eben­so ent­täuscht wie durch die vor­sich­ti­ge­re Um­satz­pro­gno­se für das Ge­samt­jahr. Ent­spre­chend harsch fiel die ers­te Bör­sen­re­ak­ti­on aus. Im Han­dels­ver­lauf re­du­zier­te sich der Kurs­ver­lust.

Der Um­satz des Scho­ko­la­de­her­stel­lers stieg in den ers­ten sechs Mo­na­ten 3,1% auf knapp 1,55 Mrd. Fr. Un­er­war­tet schwach war da­bei das or­ga­ni­sche Wachs­tum, das 3,6% er­reich­te (nach 4,4% in der Ver­gleichs­pe­ri­ode des Vor­jah­res und 7% im zwei­ten Se­mes­ter 2016). Es ge­lang dem Un­ter­neh­men wei­ter­hin nicht, das Ge­schäft von Rus­sell Sto­ver in den USA an­zu­kur­beln. In Nord­ame­ri­ka re­sul­tier­te or­ga­nisch ein Mi­nus von 3% auf 558 Mio. Fr. Oh­ne Rus­sell Sto­ver wuchs Lindt im Kon­zern or­ga­nisch 6,6%.

Bes­ser lief es in Eu­ro­pa (Um­satz +6% auf 759,8 Mio. Fr.). Dort wuch­sen ein­zel­ne Märk­te wie Deutsch­land, En­g­land, Ös­ter­reich und Spa­ni­en hoch ein­stel­lig oder zwei­stel­lig. Auch in der Schweiz stie­gen die Ein­nah­men. Das Seg­ment «Rest der Welt» (+14% auf 230,8 Mio. Fr.) pro­fi­tier­te von der Ent­wick­lung in Bra­si­li­en, Chi­na und Ja­pan. Zwan­zig La­de­ner­öff­nun­gen wer­den fol­gen, so­dass das Ziel von dreis­sig neu­en Shops 2017 über­trof­fen wer­den wird.

Be­triebs­ge­winn und Ge­winn fie­len im ers­ten Se­mes­ter hö­her aus als in der Ver­gleichs­pe­ri­ode 2016 (vgl. Ta­bel­le). Die ope­ra­ti­ve Mar­ge wur­de um 20 Ba­sis­punk­te auf 6,8% aus­ge­wei­tet. In der zwei­ten Jah­res­hälf­te wird erst­mals der Rück­gang des Ka­kao­prei­ses das Re­sul­tat po­si­tiv be­ein­flus­sen.

We­gen der Um­satz­ent­wick­lung wird Lindt et­was vor­sich­ti­ger in der Jah­res- pro­gno­se. Zwar soll sich der Ge­schäfts­gang bis En­de Jahr be­schleu­ni­gen, doch dürf­te das Um­satz­wachs­tum «leicht un­ter dem Vor­jahr» lie­gen, als ein Plus von 6% er­ar­bei­tet wur­de. Bis­her war ei­ne Zu­nah­me in Vor­jah­res­hö­he er­war­tet wor­den. Un­ver­än­dert wird ei­ne hö­he­re Ebit-Mar­ge in Aus­sicht ge­stellt. Auch an den Mit­tel­frist­zie­len von jähr­lich 6 bis 8% Um­satz­wachs­tum und 20 bis 40 Bp mehr Ebit-Mar­ge wird nicht ge­rüt­telt.

Auf der Ba­sis des schwächs­ten Wachs­tums seit 2009 er­scheint das Jah­res­ziel sehr am­bi­tio­niert. FuW nimmt die Ge­winn­schät­zung von 195 auf 190 Fr. je PS (1900 Fr. je Na.) zu­rück. 2017 dürf­te der Tief­punkt aber er­reicht sein. Lang­fris­tig ist Lindt gut auf­ge­stellt, auch in den USA. Vor die­sem Hin­ter­grund und mit Blick auf die im Lang­zeit­ver­gleich nied­ri­ge Be­wer­tung müss­te sich die Ge­duld für An­le­ger aus­zah­len.

«Wir kön­nen mit Rus­sell Sto­ver über dem Markt wach­sen und in­ves­tie­ren über­durch­schnitt­lich.»

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