ABB und Gu­rit

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ROLAND VOGT

Kön­nen Sie sich vor­stel­len, wes­halb ei­ne Ak­tie, die so­eben noch auf Acht­jah­res­hoch ge­klet­tert ist, auf ei­nen Schlag 10% ver­liert? So rasch sin­ken­de Kur­se schaf­fen Er­klä­rungs­be­darf, und ei­ne gan­ze Bran­che lebt da­von, dies nach­träg­lich zu lie­fern. Je ra­scher die Wen­de, des­to grös­ser der Um­satz im Be­grün­dungs­markt.

Wo Nach­fra­ge be­steht, ist auch ein Lie­fe­rant – was er­klärt, wes­halb ei­ne Ver­kaufs­emp­feh­lung, die von den Markt­teil­neh­mern jetzt auf­ge­so­gen wür­de, Mit­te Mai noch auf Des­in­ter­es­se stiess. In der FuW vom 17. Mai (vgl. www.fuw.ch/260717-11) ha­ben wir es aus­führ­lich und im Vor­aus er­klärt. Soll noch je­mand sa­gen, dass die jüngs­te Ent­wick­lung voll­kom­men über­ra­schend ge­kom­men ist.

ABB im Mei­nungs­streit

ABB hat zwi­schen Ju­li 2016 und Mai 2017 das Mit­tel­seg­ment des aus dem Ja­nu­ar 2016 her­rüh­ren­den Pri­mär­trends durch­lau­fen. Man mag es im Nach­hin­ein als Zau­be­rei ab­tun, aber für die­ses Trend­stück liess sich vor­ab ein Preis­ziel von 25 Fr. er­mit­teln. Seit An­fang Ju­ni be­fin­det sich der Ti­tel in ei­nem Ab­wärts­trend vom Typ 4. Ve­he­menz und Schär­fe sind ge­ra­de­zu ty­pisch da­für. Im Ex­trem­fall könn­te die Kor­rek­tur noch bis 21 Fr. ge­hen.

Zum Glück gibt es nicht nur ei­nen Markt für pro­zy­kli­sche News und Ana­ly­sen, son­dern auch ei­nen Markt. Da zählt die Tat. Wer al­so gu­ten Her­zens – 1 Fr. vom mut­mass­li­chen Kor­rek­turziel ent­fernt – er­klä­ren kann, wes­halb man sich jetzt vom Ti­tel hät­te tren­nen müs- sen, soll über­le­gen, wel­che Mo­ti­ve der Käu­fer ge­habt ha­ben moch­te. War er viel­leicht nicht schon im Mai et­was raf­fi­nier­ter und scharf­sin­ni­ger als die Her­de ge­we­sen?

Gu­rits wun­der­sa­mer An­stieg

Gu­rit ist ein Traum. Die meis­ten Ak­ti­en sind schon lan­ge da­vor ge­stie­gen, Gu­rit hat sich das net­ter­wei­se für die Nach­züg­ler auf­ge­spart. Der stei­le An­stieg in den letz­ten drei Mo­na­ten hat nichts mit der Qua­li­tät des Ti­tels zu tun, son­dern mit der Trend­pha­se, in der der Ge­samt­markt steht und die für markt­en­ge­re Ak­ti­en meist zur Blü­te­zeit wird. Dass ein ge­stan­de­nes Un­ter­neh­men plötz­lich 25% wert­vol­ler sein soll als noch vor zehn Wo­chen und dass die Grün­de da­für so­eben erst of­fen­bar ge­wor­den sind, ist ei­ne ziem­lich küh­ne An­nah­me.

Gu­rit hat über die letz­ten drei Wo­chen ei­ne Wedge-Struk­tur auf­ge­baut – für mich ein Zei­chen, dass bald Er­nüch­te­rung ein­kehrt. Die Struk­tur ist zwar nicht son­der­lich gross und wird des­halb auch kei­nen To­tal­scha­den aus­lö­sen. Aus sol­chen Wed­ges her­aus kommt es aber oft zu be­son­ders scharf­kan­ti­gen und schwung­vol­len Kor­rek­tu­ren.

Wenn Gu­rit nur die Hälf­te des Dampfs ab­lässt, ist der Kurs wie­der bei 1000 Fr. an­ge­langt. Aber selbst bei 950 Fr. wä­re der zu­grun­de­lie­gen­de Pri­mär­trend noch in­takt. Die Ak­tie wä­re dann wie­der zu Prei­sen mit at­trak­ti­vem Ri­si­ko-Chan­cen-Pro­fil zu ha­ben. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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