Ve­ne­zue­la am Rand des Ab­grunds

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - CA­THE­RI­NE REICHLIN,

Ve­ne­zue­la nä­hert sich dem Rand des Ab­grunds. Die von Prä­si­dent Ma­du­ro in­iti­ier­te Wahl vom 30. Ju­li könn­te der Span­nung bald ein En­de set­zen. Sie dient der Er­nen­nung ei­ner ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung und der Er­ar­bei­tung ei­ner neu­en Ver­fas­sung mit dem Ziel, dem Prä­si­den­ten mehr Macht zu ge­ben. Ve­ne­zue­la lei­det un­ter erns­tem Fi­nanz­stress und der zu­neh­men­den Schwie­rig­keit, neu­es Ka­pi­tal auf­zu­neh­men. Die De­vi­sen­re­ser­ven sind auf dem tiefs­ten Stand seit 15 Jah­ren, die Bin­nen­wirt­schaft ist ein­ge­bro­chen, und die ge­sun­ke­nen Öl­prei­se schmer­zen.

Das Land hat seit De­zem­ber 2016 nicht mehr ver­sucht, sich am in­ter­na­tio­na­len Markt zu fi­nan­zie­ren. Vor Ort hat sich der Kon­gress gera­de ge­wei­gert, neu­en Schul­den zu­zu­stim­men. Am Markt kur­sie­ren Ge­rüch­te über ei­ne Um­schul­dung. Die Zins­kur­ve ver­läuft jetzt in­vers – ein Zei­chen für er­heb­li­chen Stress. Die Ren­di­te bei ein­jäh­ri­ger Lauf­zeit be­trägt 50%, wäh­rend die 2038 fäl­li­gen An­lei­hen mit 18% ge­han­delt wer­den. Die CDS für fünf­jäh­ri­ge An­lei­hen nä­hern sich ei­ner schwin­del­er­re­gen­den Hö­he von 5000 Bp. Die ve­ne­zo­la­ni­schen An­lei­hen wer­den wei­ter­hin re­ge ge­han­delt. Der Han­del mit An­lei­hen des staat­li­chen Öl­kon­zerns PDVSA mach­te im Ju­ni 5% des im Tra­ce-Sys­tem re­gis­trier­ten Vo­lu­mens aus, und der Emit­tent kommt im Ener­gy EM Hard Cur­ren­cy In­dex von Bloom­berg auf fast 5%.

Im Ju­ni be­herrsch­ten in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren die Han­dels­strö­me, mit Fo­kus auf Lauf­zeit­ver­län­ge­rung. Mit dem Ver­kauf kurz­fris­ti­ger An­lei­hen und dem Kauf lang­fris­ti­ger set­zen sie auf ei­ne Um­schul­dung. Deut­sche Bank rech­net in die­sem Jahr nicht mit ei­ner Um­schul­dung, schliesst sie aber nicht aus. Sie schätzt die Rück­zah­lungs­quo­te auf 43% (35% bei PDVSA). Ei­ner­seits sind Hair­cuts (Ab­schlä­ge) und Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen nicht aus­zu­schlies­sen, an­de­rer­seits ist das recht­li­che Ri­si­ko nicht zu un­ter­schät­zen. Nach den Ana­ly­sen er­fah­re­ner Rechts­an­wäl­te hat­te kein Land seit Me­xi­ko in den Acht­zi­ger­jah­ren ei­nen so ho­hen Schul­den­an­teil, der US-ame­ri­ka­ni­schem Recht un­ter­stand. Das Ri­si­ko we­gen Gläu­bi­gern, die nicht der Mehr­heit fol­gen (Hol­dout Cre­di­tors), ist es­sen­zi­ell – der Fall Ar­gen­ti­ni­en ist noch gut in Er­in­ne­rung.

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