Ak­ti­en­märk­te sehr sta­bil

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTTLER,

Die Vo­la­ti­li­tät bleibt nied­rig. Kar­tell­vor­wür­fe tref­fen Au­to­mo­bil­sek­tor.

Die aus­ser­or­dent­li­che Sta­bi­li­tät der welt­wei­ten Ak­ti­en­märk­te hält an. Seit 1990 wies et­wa der US-Markt kei­ne so ge­rin­ge Schwan­kungs­brei­te auf wie heu­te. Der VIX-In­dex, der die im­pli­zi­te Vo­la­ti­li­tät an­hand von Op­tio­nen schätzt, fiel die­se Wo­che auf den his­to­ri­schen Tief­stand von 9,2 Punk­ten. Der letz­te Preis­aus­schlag von mehr als ei­nem Pro­zent liegt beim S&P 500 mitt­ler­wei­le über zwei Mo­na­te zu­rück.

Al­ler­dings gibt es trotz des sta­bi­len Ge­samt­ein­drucks durch­aus gros­se Un­ter­schie­de zwi­schen ein­zel­nen Ak­ti­en und Sek­to­ren. Wäh­rend Tech­no­lo­gie­fir­men die Per­for­mance-Ta­bel­le 2017 an­füh­ren (+24%), hat­ten An­le­ger in Tele­com­un­ter­neh­men (+2%) oder im Ener­gie­sek­tor (-8%) weit we­ni­ger Grund zur Freu­de.

Ei­nen klei­nen Dämp­fer er­litt der er­folg­rei­che IT-Sek­tor am Mon­tag­abend. Das Quar­tals­er­geb­nis des Goog­le-Mut­ter­kon­zerns Al­pha­bet ent­täusch­te die An­le­ger, und die Ak­tie ver­lor 2,6%. Die Ge­win­ne wur­den durch ei­ne EU-Straf­zah­lung in Hö­he von 2,4 Mrd. € arg be­las­tet; die EU-Wett­be­werbs­auf­sicht wirft Goog­le das Aus­nut­zen sei­ner Markt­macht vor.

Au­tos im Ram­pen­licht

An­le­ger be­fürch­ten nun, wei­te­re re­gu­la­to­ri­sche Mass­nah­men könn­ten das Ge­winn­wachs­tum des Un­ter­neh­mens be­gren­zen. Al­pha­bet-An­le­ger dürf­ten sich aber mit ei­nem nach wie vor sat­ten Ge­winn von rund 25% seit Jah­res­be­ginn über die­sen klei­nen Rück­schlag hin­weg­trös­ten.

Dies­seits des At­lan­tiks stand ein­mal mehr der deut­sche Au­to­mo­bil­sek­tor im Ram­pen­licht. Über Jah­re hin­weg sol­len sich die Gros­sen der Bran­che über Prei­se, Tech­no­lo­gie und Zu­lie­fe­rer ab­ge­spro­chen ha­ben. Soll­te sich das be­wahr­hei­ten, droht ne­ben Mil- li­ar­den­stra­fen ein im­men­ser Ima­gescha­den. In­mit­ten der Dis­kus­si­on um ma­ni­pu­lier­te Ab­gas­wer­te und Die­sel-Schad­stof­fe kommt die­se Mel­dung für die Au­to­bau­er zur Un­zeit. Am Mon­tag sack­ten die Ak­ti­en­prei­se ab, konn­ten sich im wei­te­ren Ver­lauf aber et­was er­ho­len. Den­noch steht seit Wo­chen­be­ginn ein Mi­nus zu Bu­che: BMW ver­lo­ren 2,9%, Daim­ler 2,5 und Volk­wa­gen 2,1%.

Ab­seits der Au­to­bran­che herrscht in der deut­schen In­dus­trie da­ge­gen sehr gu­te Stim­mung. Der am Di­ens­tag ver­öf­fent­lich­te Ifo-In­dex klet­ter­te auf ei­nen neu­en Re­kord­wert von 116 Punk­ten und un­ter­strich da­mit ein­drucks­voll den po­si­ti­ven Wirt­schafts­aus­blick. Und auch der vor­läu­fi­ge Ein­kaufs- ma­na­ger­index für die ge­sam­te Eu­ro­zo­ne be­stä­tig­te mit ei­nem Wert von 55,8 die ins­ge­samt gu­te wirt­schaft­li­che Ver­fas­sung.

Sie zeigt sich auch bei ei­nem Blick auf die Ent­wick­lung des Eu­ro­wech­sel­kur­ses über die ver­gan­ge­nen Wo­chen. Mit ei­nem Stand von 1.1690 ge­gen­über dem Dol­lar er­reich­te die Wäh­rung die­se Wo­che ih­re höchs­te No­tie­rung seit An­fang 2015. Seit Jah­res­be­ginn hat der Eu­ro ge­gen den Dol­lar um 10% auf­ge­wer­tet.

Star­ker Eu­ro

In­ter­es­san­ter­wei­se konn­te der Wech­sel­kurs ge­gen den Fran­ken nicht Schritt hal­ten. Mit 1.1070 no­tiert das Paar «nur» 3% hö­her als zu Jah­res­be­ginn. Zur Eu­ro­stär­ke trug zu­letzt wohl auch ei­ne ge­wis­se Dol­lar­schwä­che bei. Be­son­ders die an­hal­ten­den Dis­kus­sio­nen über die US-Ge­sund­heits­re­form in­ner­halb der re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei nähr­ten Zwei­fel an der Hand­lungs­fä­hig­keit des Prä­si­den­ten.

Der Fran­ken hin­ge­gen pro­fi­tiert wei­ter­hin von sei­nem Sta­tus als si­che­rer Ha­fen. An­ge­sichts der gu­ten welt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung, sei­ner teu­ren Be­wer­tung und der Ne­ga­tiv­zin­sen könn­te er in den nächs­ten Mo­na­ten doch un­ter Druck kom­men.

Selbst das «Sor­gen­kind» Grie­chen­land sorg­te zu­letzt für eher er­freu­li­che Nach­rich­ten. Das Land be­rei­tet sich auf sei­ne Rück­kehr an den An­lei­hen­markt vor. Noch die­se Wo­che soll ei­ne Ob­li­ga­ti­on mit fünf­jäh­ri­ger Lauf­zeit auf den Markt kom­men. Die letz­te Emis­si­on Grie­chen­lands liegt vier Jah­re zu­rück. Die Nach­fra­ge nach dem Pa­pier scheint gross zu sein; der Zins soll bei 4,75% lie­gen. Auch die Zin­sen auf Pe­ri­phe­rie­an­lei­hen ha­ben sich in den letz­ten Wo­chen deut­lich sta­bi­li­siert.

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