Der Eu­ro kennt zum Fran­ken kein Hal­ten

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Der Eu­ro wird stär­ker und stär­ker. Am Frei­tag han­del­te die Ge­mein­schafts­wäh­rung kurz­zei­tig bei 1.14 Fr. Da­mit no­tiert sie so hoch wie nie seit der Auf­he­bung des Min­dest­kur­ses im Ja­nu­ar 2015 (vgl. Gra­fik). Seit Jah­res­be­ginn hat der Eu­ro da­mit zum Fran­ken 6% ge­won­nen – die Hälf­te da­von al­lein seit Di­ens­tag.

«Die Auf­wer­tung des Eu­ros dürf­te nach­hal­tig blei­ben», sagt De­vi­sen­ex­per­te Tho­mas Flu­ry von der UBS. Er ver­weist da­bei auf das gros­se In­ter­ven­ti­ons­vo­lu­men der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) im Vor­feld der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len. Weil sich die Ri­si­ken für den Eu­ro durch den Er­folg von Em­ma­nu­el Ma­cron deut­lich re­du­ziert hät­ten, sei ein er­heb­li­cher Teil der ein­ge­setz­ten Mit­tel der SNB über­schüs­sig. «Das be­ginnt erst jetzt lang­sam sicht­bar zu wer­den», sagt Flu­ry.

Hans Re­de­ker von Mor­gan St­an­ley bringt ein wei­te­res Ar­gu­ment ins Spiel. «Der Fran­ken dürf­te zur neu­en Fi­nan­zie­rungs­wäh­rung wer­den», schreibt der De­vi­sen­spe­zia­list. Bei so­ge­nann­ten Car­ry Tra­des ver­schul­den sich An­le­ger in ei­ner Wäh­rung mit nied­ri­gen Zin­sen und in­ves­tie­ren den Er­lös in Va­lu­ten, die hö­he­re Ren­di­ten ver­spre­chen. Da­durch wer­tet sich Ers­te­re ab und Letz­te­re auf.

Gut mög­lich, dass auch Schwei­zer An­le­ger auf die­sen Zug auf­sprin­gen. Seit der Finanzkrise scheu­en sich die­se, un­be­si­chert im Aus­land zu in­ves­tie­ren. Wie die jüngs­ten Zah­lungs­bi­lanz­da­ten zeig­ten, «war die SNB 2016 der ein­zi­ge Play­er, der im Aus­land ak­tiv war», schreibt Re­de­ker. Und wei­ter: «Seit mehr als neun Jah­ren re­zy­kliert die SNB den Leis­tungs­bi­lanz­über­schuss der Schweiz.» Will heis­sen: Weil hie­si­ge An­le­ger nicht im Aus­land in­ves­tier­ten, muss­te die SNB ein­sprin­gen und die ins Land strö­men­den Ex­port­er­lö­se mit frisch ge­druck­ten Fran­ken auf­kau­fen, um den Auf­wer­tungs­druck zu lin­dern.

Setzt sich tat­säch­lich die Er­kennt­nis durch, dass An­la­gen im Aus­land we­ni­ger ris­kant sind als auch schon, könn­te nun aber ein Ge­zei­ten­wech­sel an­ste­hen. Ne­ben den hö­he­ren An­lei­hen­ren­di­ten wink­te dem Schwei­zer An­le­ger zu­sätz­lich ein Wäh­rungs­ge­winn. Da die meis­ten von ih­nen in Fremd­wäh­run­gen un­ter­in­ves­tiert sind und der Nach­hol­be­darf ent­spre­chend gross ist, könn­te die­ser Zu­sat­z­er­trag hö­her aus­fal­len, als vie­le den­ken. Hans Re­de­ker setzt das Kurs­ziel denn auch bei 1.20 Fr./€.

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