Spie­gel­bild zum Dol­lar

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - KUNO ROHNER

Der Gold­preis er­holt sich und bricht den lang­jäh­ri­gen Ab­wärts­trend.

Der Gold­preis hat sich er­war­tungs­ge­mäss vom Rück­schlag En­de Ju­ni und An­fang Ju­li er­holt. Nach ei­ner aus­ge­präg­ten Bo­den­bil­dung hat sich Gold in den ver­gan­ge­nen zwei Wo­chen 4% auf 1262 $/Un­ze ver­teu­ert. Un­ter­stüt­zung er­hielt das gel­be Me­tall durch den sich wei­ter ab­schwä­chen­den Dol­lar. Die Ent­schei­dung der US-No­ten­bank Fed am Mitt­woch, die Leit­zin­sen un­ver­än­dert zu las­sen, ver­stärk­te die­sen Trend. Der Gold­preis über­stieg in die­ser Pha­se die chart­tech­nisch be­deu­ten­de 50- und 100-Ta­ge-Durch­schnitts­li­nie. Die Wen­de im Gold­preis wur­de auch durch ein stark ab­neh­men­des Ver­trau­en in die US-Re­gie­rung un­ter Do­nald Trump be­güns­tigt.

Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) hat die­se Wo­che die neu­en Wachs­tums­pro­gno­sen ver­öf­fent­licht. Der Fonds geht für die­ses und nächs­tes Jahr un­ver­än­dert von ei­nem Welt­wirt­schafts­wachs­tum von 3,5 resp. 3,6% aus. Für Eu­ro­pa, Ja­pan und Chi­na hat er die Pro­gno­se leicht er­höht, wäh­rend sich die Wachs­tums­aus­sich­ten für die US-Wirtschaft ver­schlech­tert ha­ben. Dar­auf deu­ten auch die Zah­len zu den USS­teu­er­ein­nah­men hin, die über ein Jahr be­trach­tet nicht zu­ge­nom­men ha­ben.

Der Fi­nan­zie­rungs­be­darf Wa­shing­tons wird da­her stei­gen. In ei­nem sol­chen Um­feld er­scheint es un­wahr­schein­lich, dass das Fed die Zin­sen deut­lich er­hö­hen wird. Der Dol­lar dürf­te da­her wei­ter­hin schwach blei­ben oder könn­te sich so­gar noch wei­ter ab­wer­ten.

Auch chart­tech­nisch hat Gold mit dem jüngs­ten Aus­bruch den lang­fris­ti­gen Ab­wärts­trend seit dem Höchst im Jahr 2011 erst­mals durch­bro­chen. Der MACD-Os­zil­la­tor und der Re­la­ti­ve-Streng­t­hIn­dex (RSI) zei­gen ein po­si­ti­ves Mo­men­tum an.

Als Fol­ge hat der Gold­preis nun beim Ni­veau zwi­schen 1200 und 1250 $/Un­ze ei­nen ziem­lich gros­sen Wi­der­stand mit star­ker Un­ter­stüt­zung auf­ge­baut. Ein wei­te­rer Aus­bruch über 1265 oder 1285 $ wä­re ein wei­te­res star­kes Si­gnal und könn­te zu ei­nem lang­fris­ti­gen Auf­wärts­trend so­wie ei­nem Test der Jah­res­höchst­kur­se füh­ren.

Die Mi­n­en­ge­sell­schaf­ten prä­sen­tie­ren der­zeit ih­re Quar­tals­zah­len. All­ge­mein hat die Pro­duk­ti­on zu­ge­nom­men. Die gros­sen Gold­pro­du­zen­ten wie Bar­rick, New­mont und Ag­ni­co Eag­le konn­ten die Ge­winn­erwar­tun­gen über­tref­fen. Die beim Gold­schür­fen an­fal­len­den Ne­ben­pro­duk­te – mehr­heit­lich Kup­fer – ha­ben merk­li­che Mehr­ein­nah­men ge­ne­riert. Wech­sel­kurs­ef­fek­te spie­gel­ten sich bei vie­len Mi­nen in hö­he­ren Kos­ten. Seit letz­tem Quar­tal ha­ben sich die Wäh­run­gen der Gold­pro­du­zen­ten­län­der Me­xi­ko, Ka­na­da und Aus­tra­li­en rund 7% auf­ge­wer­tet. Dar­aus er­ge­ben sich in Dol­lar ge­rech­net hö­he­re Kos­ten, die durch stei­gen­de Ener­gie­prei­se zu­sätz­lich an­ge­heizt wer­den.

Auf der an­de­ren Sei­te ist ein schwä­che­rer Dol­lar für die Roh­wa­ren­prei­se ge­ne­rell po­si­tiv. Die Kor­re­la­ti­on zwi­schen dem han­dels­ge­wich­te­ten Dol­lar­index und dem Gold­preis lag über die letz­ten fünf Jahre bei –0,62. Zwi­schen den Ba­sis­me­tal­len und der USVa­luta­be­trug der Kor­re­la­ti­ons­ko­ef­fi­zi­ent gar –0,8.

Dass die Ri­si­ken für die Mi­nen­in­dus­trie nicht nur auf der Kos­ten­sei­te sind, be­wies vor Ta­gen der Fall von Aca­cia Mi­ning mit Mi­nen in Tan­sa­nia. Die Steu­er­be­hör­de Tan­sa­ni­as hat der Ge­sell­schaft vor ei­ner Wo­che ei­ne Rech­nung über 190 Mrd. $ für un­be­zahl­te Steu­ern, Straf­ge­büh­ren und Zin­sen zu­ge­stellt. Der Be­trag ent­spricht dem Vier­fa­chen des Brut­to­in­land­pro­dukts. Der Ak­ti­en­kurs von Aca­cia brach nach Be­kannt­wer­den der For­de­rung 40% ein.

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