In­fla­ti­ons­über­ra­schung

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALEX­AN­DER KRÄMER

Ak­ti­en be­en­den die Wo­che im Mi­nus, An­lei­hen sind auf Ach­ter­bahn­fahrt.

Die zwei­te Wo­chen­hälf­te hat­te es in sich. Nicht we­gen der US-No­ten­bank. Ih­re An­kün­di­gung, mit der Nor­ma­li­sie­rung ih­rer Bi­lanz «re­la­tiv bald» – wahr­schein­lich nach der Sit­zung im Sep­tem­ber – zu be­gin­nen, be­ein­druck­te den US-An­lei­hen­markt kaum. Un­mit­tel­bar nach der Ver­öf­fent­li­chung des Be­richts fiel Ren­di­te auf zehn­jäh­ri­ge Tre­a­su­ries 5 Ba­sis­punk­te (100 Bp = 1 Pro­zent­punkt) auf 2,28%. Den An­stieg zum En­de der Wo­che ver­such­ten Ana­lys­ten zu­nächst mit der Plat­zie­rung ei­ner gros­sen AT&T-An­lei­he zu er­klä­ren, die am Don­ners­tag die Ren­di­te am lan­gen En­de nach oben ge­zo­gen hat­te. Tat­säch­lich dürf­ten aber auch die US-An­lei­hen nur dem am Frei­tag vor­herr­schen­den Trend zu hö­he­ren Ren­di­ten ge­folgt sein. Der Im­puls da­zu kam aus dem Eu­ro­raum, ge­nau ge­nom­men aus Deutsch­land: Statt wie er­war­tet 1,5% sind die Prei­se ge­gen­über dem Vor­jahr 1,7% ge­stie­gen. Zehn­jäh­ri­ge deut­sche Bun­des­an­lei­hen ren­tier­ten am Frei­tag wie­der knapp un­ter 0,6%, nach­dem die Ren­di­te am Don­ners­tag 0,51% be­tra­gen hat­te. Nur die Pu­bli­ka­ti­on der Zah­len zum schwä­che­ren Wachs­tum des US-Brut­to­in­land­pro­dukts im zwei­ten Quar­tal ver­hin­der­te wohl ei­nen wei­te­ren An­stieg.

Ak­ti­en mit Ab­ga­ben

Das spie­gel­te sich auch im Eu­roDol­lar-Wech­sel­kurs. Zwar ver­harr­te die Ge­mein­schafts­wäh­rung am Mitt­woch un­ter 1.18 $/€, ei­ne star­ke Ge­gen­be­we­gung blieb aber aus. Am spä­ten Frei­tag­nach­mit­tag eta­blier­te sich das Wäh­rungs­paar ober­halb von 1.1750 $/€. Für den ex­port­las­ti­gen deut­schen Ak­ti­en­markt ist die Kom­bi­na­ti­on aus ei­nem stär­ke­ren Eu­ro und hö­he­ren Zin­sen ei­ne Be­las­tung. Zwar konn­te sich der Leit­in­dex Dax im eu­ro­päi­schen Frei­tags­han­del von sei­nem Drei­mo­nat­s­tief bei 12 098 Punk­ten er­ho­len. Es re­sul­tier­te aber ein Wo­chen­ver­lust von 0,7%.

Der An­stieg bei den US-Tre­a­su­ry-Ren­di­ten un­ter­brach auch den Hö­hen­flug des breit ge­fass­ten USAk­ti­en­in­dex S&P 500. Die­ser hat­te zu Han­dels­be­ginn am Don­ners­tag noch ei­nen neu­en Höchst­stand bei 2484 mar­kiert. Im frü­hen USHan­del am Frei­tag sank er je­doch auf 2460, was auf Wo­chen­sicht ei­nem Rück­gang von et­wa 0,3% ent­spricht (vgl. Sei­te 25). Zu den gröss­ten Ver­lie­rern ge­hör­ten ne­ben den Tech­no­lo­gie­wer­ten die Ak­ti­en von Un­ter­neh­men aus dem Ge­sund­heits­we­sen, nach­dem meh­re­re An­läu­fe der Re­pu­bli­ka­ner im US-Se­nat ge­schei­tert wa­ren, Oba­ma­ca­re zu er­set­zen oder ab­zu­schaf­fen. Die Kom­bi­na­ti­on von schwä­che­ren Ak­ti­en­kur­sen und stei­gen­den Zin­sen be­las­te­te auch die Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Nach­dem sie fast die gan­ze Wo­che ge­fal­len wa­ren, stie­gen die Prei­se für Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­run­gen (CDS) von Un­ter­neh­men mit gu­ter Bo­ni­tät wie­der.

Trot­zi­ges Gold

Die klas­si­schen An­la­gen schnit­ten die­se Wo­che schlecht ab. Da­für ging es beim Roh­öl auf­wärts. Die von der US-Ener­gie­be­hör­de EIA ver­öf­fent­lich­ten Da­ten zum La­ger­be­stand deu­ten dar­auf hin, dass das Öl­kar­tell Opec sei­nem Ziel, den welt­wei­ten Be­stand auf den Fünf­jah­res­durch­schnitt zu re­du­zie­ren, nä­her ge­kom­men ist. Das reich­te, um den Preis für ein Fass der US-Leichtöl­sor­te WTI im Wo­chen­ver­lauf auf mehr als 49 $ je Fass zu ka­ta­pul­tie­ren. Die Über­ra­schung der Wo­che war aber Gold: Trotz stei­gen­der Zin­sen er­reich­te das gel­be Me­tall mit knapp 1270 $ je Fein­un­ze den höchs­ten Stand seit ei­nem Mo­nat (vgl. Sei­te 21).

Der Fran­ken ge­hör­te da­ge­gen zu den gröss­ten Ver­lie­rern der Wo­che. Der Fran­ken-Eu­ro-Wech­sel­kurs er­reich­te am Frei­tag bei­na­he 1.14 Fr./€; An­fang der Wo­che no­tier­te das Wäh­rungs­paar noch bei 1.10 Fr./€. Für die ra­s­an­te Ab­wer­tung wa­ren ver­schie­de­ne Fak­to­ren ver­ant­wort­lich. Ei­ne Aus­wei­tung des Fran­ken­an­ge­bots wur­de nicht wie in der Ver­gan­gen­heit von der gros­sen Nach­fra­ge nach ei­nem si­che­ren Ha­fen auf­ge­fan­gen. Ob die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) zwi­schen­durch die Ge­le­gen­heit ge­nutzt hat, in ei­nem dün­nen Markt die Über­be­wer­tung des Fran­kens zu re­du­zie­ren, bleibt of­fen. Am En­de dürf­ten aber StopLoss-Auf­trä­ge die be­gin­nen­de Ab­wer­tung ver­stärkt ha­ben.

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