Nicht oh­ne Ne­ga­tiv­zins

Finanz und Wirtschaft - - MEI­NUNG -

Die Na­tio­nal­bank schwächt den Fran­ken nicht mehr. Sie hielt sich ver­gan­ge­ne Wo­che vom De­vi­sen­markt fern. In den drei Wo­chen da­vor hat­te sie nur we­nig in­ter­ve­niert. Folg­lich ist der Fran­ken-Eu­ro-Kurs aus ei­ge­ner Kraft von 1.095 ge­gen 1.14 Fr./€ ge­klet­tert. Die Na­tio­nal­bank hat den An­stieg nicht durch­ge­drückt, son­dern lehnt sich ent­spannt zu­rück.

Das steht im Kon­trast zum Fe­bru­ar, als der Wech­sel­kurs ge­gen 1.06 Fr./€ sank und die SNB mit 4 bis 5 Mrd. Fr. pro Wo­che in­ter­ve­nier­te. Der In­di­ka­tor da­für sind die Sicht­gut­ha­ben der Ban­ken bei der SNB.

Still ge­hal­ten hat die Na­tio­nal­bank letzt­mals An­fang De­zem­ber 2016. Da­mals sorg­te die Vor­freu­de auf Ak­tio­nen der Re­gie­rung Trump für gu­te Stim­mung an den Fi­nanz­märk­ten. Jetzt läuft die Wirtschaft in Eu­ro­pa rund, und die Europäische Zen­tral­bank will ihr An­lei­hen­kauf­pro­gramm schrump­fen. Bei­des stärkt den Eu­ro. Die EZB wird aber am Ne­ga­tiv­zins fest­hal­ten. Äus­se­run­gen aus Frank­furt las­sen dar­auf schlies­sen, dass sich der EZB-Rat ei­nig ist über die Rei­hen­fol­ge: Zu­erst wird das An­lei­hen­kauf­pro­gramm be­en­det, erst dann wer­den die Leit­zin­sen er­höht – das sei die lo­gi­sche Ab­fol­ge. Da­mit bleibt der Ein­la­gen­zins von –0,4% bis min­des­tens De­zem­ber 2018 un­ver­än­dert.

Die SNB wird nicht vor­pre­schen, son­dern ih­ren Ne­ga­tiv­zins von –0,75% las­sen, wo er ist, bis die EZB den ers­ten Schritt tut. Der Zins­nach­teil des Fran­kens ist wich­tig für den Wech­sel­kurs. Falls die La­ge freund­lich bleibt, dient er als Si­cher­heits­puf­fer. Doch es ist al­les an­de­re als ga­ran­tiert, dass die Kon­junk­tur in Eu­ro­pa wei­ter boomt und die EZB den An­lei­hen­kauf er­war­tungs­ge­mäss stoppt. Wenn Tur­bu­len­zen auf­tre­ten und die Un­si­cher­heit zu­nimmt, wird die SNB froh sein um ih­ren Ne­ga­tiv­zins.

Res­sort­lei­ter zum The­ma Fran­ken­schwä­che

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