Aus­ge­bombt

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Die dank­bars­ten Ak­ti­en für Con­tra­ri­anIn­ves­to­ren sind je­ne, bei de­nen al­le er­denk­lich schlech­ten News wohl ein­ge­preist sind und die den­noch nie­mand ha­ben will. Denn oft ge­nü­gen klei­ne Er­folgs­mel­dun­gen, um die No­tie­run­gen wie­der zum Le­ben zu er­we­cken.

Zu die­sen Va­lo­ren zählt das bri­ti­sche Bau­un­ter­neh­men Ca­ril­li­on (Lon­don: CLLN, Kurs: 53,3 p, Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung: 250 Mio. £), das vor al­lem bei Strassen- und Bahn­pro­jek­ten so­wie staat­li­chen und mi­li­tä­ri­schen Auf­trä­gen gut po­si­tio­niert ist. Ent­stan­den ist Ca­ril­li­on 1999 als Ab­spal­tung des bri­ti­schen Stras­sen­be­lag­her­stel­lers Tar­mac.

75% an Wert ver­lo­ren

Die Ti­tel von Ca­ril­li­on sind zu­letzt un­ter gros­sen Ver­kaufs­druck ge­ra­ten, nach­dem das Un­ter­neh­men vor rund drei Wo­chen ei­ne Ge­winn­war­nung pu­bli­ziert hat­te. We­gen der Un­si­cher­hei­ten rund um den Br­ex­it sind ei­ni­ge Pro­jek­te, bei de­nen Ca­ril­li­on als Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer die Ver­ant­wor­tung trägt, ins Sto­cken ge­ra­ten. Ein dras­tisch ein­bre­chen­der Cash­flow und die zu­neh­men­de Ver­schul­dung ver­an­lass­ten das Un­ter­neh­men, Ta­bu­la rasa zu ma­chen. Es nahm ei­nen Mil­li­ar­den­ab­schrei­ber vor, kürz­te die Di­vi­den­de dras­tisch, zugleich trat CEO Richard How­son nach fünf­jäh­ri­ger Tä­tig­keit per so­fort ab.

Ta­ge­lang kann­ten die Ti­tel kein Hal­ten mehr. Heu­te no­tie­ren sie 75% un­ter dem Stand von An­fang Jahr, ge­drückt von ent­täusch­ten An­le­gern und den Leer­ver­käu­fern, die sich auf Ca­ril­li­on ein­ge­schos­sen ha­ben. Der­zeit ist Ca­ril­li­on der meist­geshor­te­te Ti­tel am bri­ti­schen Ak­ti­en­markt. Zwar sind um­ge­hend Sa­nie­rungs­mass­nah­men ein­ge­lei­tet wor­den. Das Haupt­pro­blem liegt je­doch dar­in, dass ge­ra­de bei den gros­sen Pro­jek­ten der Um­satz be­reits ver­bucht wur­de, die Gel­der aber erst in zwei bis drei Jah­ren flies­sen. Des­halb will sich das Un­ter­neh­men künf­tig auf klei­ne­re, we­ni­ger pres­ti­ge­träch­ti­ge Auf­trä­ge fo­kus­sie­ren.

Auf Auf­trä­ge war­ten

Die ver­gan­ge­nen Ta­ge ha­ben aber auch et­was an­de­res ge­zeigt: Die Ver­ga­be von neu­en Auf­trä­gen an Ca­ril­li­on jag­ten den Ak­ti­en­kurs zwi­schen­zeit­lich 20% in die Hö­he. Ei­ner­seits er­hielt ein Kon­sor­ti­um um Ca­ril­li­on ei­nen Auf­trag für das bri­ti­sche Ei­sen­bahn­pro­jekt HS2. Die­ses sieht ei­ne Hoch­ge­schwin­dig­keits­ver­bin­dung von Lon­don nach Bir­ming­ham vor. Kurz dar­auf er­teil­te das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um zwei Auf­trä­ge im Vo­lu­men von 158 Mio. £ an das kri­sen­ge­schüt­tel­te Un­ter­neh­men.

Die Eu­pho­rie der An­le­ger hat sich in­zwi­schen wie­der et­was ge­legt, die No­tie­run­gen sind wie­der et­was zu­rück­ge­kom­men – als Teil der Bo­den­bil­dungs­pha­se. Mu­ti­ge An­le­ger stei­gen nun ein mit der Aus­sicht auf über­durch­schnitt­li­che Kurs­ge­win­ne, so­bald sich die ope­ra­ti­ve Si­tua­ti­on des Un­ter­neh­mens wie­der ver­bes­sert zeigt. Dem­ge­gen­über steht das Li­qui­di­täts­ri­si­ko. Ge­lingt es dem Un­ter­neh­men nicht, die Cash­flowSi­tua­ti­on in den Griff zu be­kom­men, könn­ten die Ti­tel mit wei­te­ren Rück­schlä­gen re­agie­ren.

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