Bio­tech­no­lo­gie er­neut im Auf­wind

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS CORTES

Bio­tech­no­lo­gie ist ei­ne Er­folgs­ge­schich­te son­der­glei­chen. Dies kommt nicht nur in der Ge­gen­über­stel­lung des Dow Jo­nes US Bio­tech­no­lo­gy In­dex zum S&P 500 und zum Dow Jo­nes US Va­lue In­dex wäh­rend der letz­ten fünf­zehn Jah­re zum Aus­druck, ob­wohl die­se Ver­gleichs­da­ten ein­drück­lich sind. Ei­nem Zu­wachs von 537% des Bio­tech­no­lo­gy In­dex steht ein sol­cher von 171% des S&P 500 und von 147% des DJ US Va­lue In­dex ge­gen­über.

War­um ich Letz­te­ren zur Il­lus­tra­ti­on ei­nes Ge­dan­kens her­an­ge­zo­gen ha­be, zeigt der nächs­te Ver­gleich. Er be­zieht sich auf die grosse Bais­se von Mai 2007 bis Fe­bru­ar 2009. In die­ser Zeit ver­lor der S&P 500 51,9%, der DJ US Va­lue In­dex 55,7%, wäh­rend der DJ US Bio­tech­no­lo­gy In­dex bloss 8,6% nach­gab.

Nur ei­ne per­ma­nen­te Re­gel

Es gibt ei­ne Leh­re aus die­ser Ge­gen­über­stel­lung, und die lau­tet ganz ein­fach, dass es an der Bör­se kei­ne Re­gel gibt aus­ser ei­ne, die je­der­zeit gül­tig ist, und die heisst: An­pas­sung! Wer lang­fris­tig er­folg­reich sein will, muss wis­sen, wie sie oder er sich an die Trends an­pas­sen will, die sich an den Bör­sen ent­fal­ten, und auch, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Trends zu ver­las­sen sind.

In die­ser Hin­sicht un­ter­schei­den sich so­wohl die Geis­ter als auch die Com­pu­ter­pro­gram­me, die in New York ge­schätz­te 75% der Trans­ak­tio­nen aus­lö­sen. So soll es auch sein, weil ers­tens oh­ne Di­ver­si­tät der An­sät­ze die Li­qui­di­tät der Märk­te kom­plett aus­trock­nen wür­de und zwei­tens weil zu ver­schie­de­nen Zei­ten ver­schie­de­ne An­sät­ze er­folg­reich sind. Mei­ner ist weit­her­um be­kannt. Ich set­ze auf die re­la­ti­ve At­trak­ti­vi­tät, die sich aus der re­la­ti­ven Stär­ke, Kurs­mo­men­tum, Vo­la­ti­li­tät (ge­mes­sen an den Bol­lin­ger-Bän­dern) und Um­satz er­gibt.

Pro­zykli­zi­tät dämp­fen

Die Be­deu­tung der re­la­ti­ven Prei­se als Ein­samm­ler von im Markt breit ver­streu­tem Wis­sen, über das man selbst mög­li­cher­wei­se gar nicht oder nur bruch­stück­haft ver­fügt, wur­de erst­ma­lig von F. A. von Hay­ek the­ma­ti­siert. Mitt­ler­wei­le ist dies ein be­deu­ten­des The­ma in der ko­gni­ti­ven Neu­ro­wis­sen­schaft, und von dort aus hat es Ein­gang ge­fun­den in Neu­ro Fi­nan­ce, Evo­lu­tio­na­ry Fi­nan­ce und der Ad­ap­ti­ve Mar­ket Hy­po­the­sis et­wa ei­nes W. Bri­an Ar­thur oder And­rew Lo.

Das Pro­blem mit der re­la­ti­ven Stär­ke ist, dass sie zu hoch sein kann, um in der Zu­kunft po­si­tiv zu wir­ken. Zu ver­ste­hen, wann Kurs­mo­men­tum und Mo­men­tum re­la­tiv zu ei­ner Mess­lat­te zu hoch sind, kommt ei­ne grosse Be­deu­tung zu, da­mit früh­zei­tig ei­ne An­pas­sung von pro- zu an­ti­zy­kli­schem Ver­hal­ten er­fol­gen kann. Dem pro­zy­kli­schen Ele­ment die Spit­ze zu bre­chen, ist die Auf­ga­be von Bol­lin­ger-Bän­dern und Um­sät­zen. Der lang­fris­tig so wun­der­ba­re Bio­tech-Sek­tor war von Ju­li 2015 bis No­vem­ber 2016 al­les an­de­re als wun­der­bar: Er ver­lor 31%, wäh­rend die ob­ge­nann­ten Bei­spie­le mit plus bis mi­nus 2% fast un­ver­än­dert blie­ben.

Zu mei­nen be­vor­zug­ten An­la­ge­zie­len ge­hö­ren Sek­to­ren, In­dus­trie­grup­pen und Ak­ti­en, die über län­ge­re Zeit re­la­tiv un­at­trak­tiv wa­ren, neu­er­dings je­doch auf re­la­ti­ve At­trak­ti­vi­tät um­ge­schwenkt ha­ben. Die­sen Wan­del hat Bio­tech­no­lo­gie voll­zo­gen. Der DJ US Bio­tech­no­lo­gy In­dex weist po­si­ti­ve At­trak­ti­vi­täts­da­ten zu al­len re­le­van­ten Mess­lat­ten auf wie dem MSCI Welt, dem MSCI Welt He­alth­ca­re, dem S&P 500 und dem Nas­daq 100. Die ho­he Vo­la­ti­li­tät vie­ler Bio­tech-Ak­ti­en lenkt mein In­ter­es­se eher weg von den Ein­zel­ti­teln hin zu ei­nem ETF auf den DJ US Bio­tech­no­lo­gy In­dex. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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