Die Tak­tik von Swiss Re trägt erst we­nig ein

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ/INDUSTRIE -

Der Ver­si­che­rer Swiss Re steckt in ei­nem Form­tief. Er ver­moch­te im zwei­ten Quar­tal nicht auf­zu­ho­len, was ihn im Start­vier­tel zu­rück­ge­wor­fen hat­te – u.a. die ho­hen Zah­lun­gen in Aus­tra­li­en we­gen Schä­den des Tro­pen­sturms «Deb­bie» En­de März. Die Tak­tik, in den vier Spar­ten markt­ab­hän­gig mit un­ter­schied­li­chem Tem­po zu agie­ren, lie­fert nicht das ge­wünsch­te Re­sul­tat. Der Halb­jah­res­ge­winn fiel ein Drit­tel auf 1,2 Mrd. $. Das auf 34,4 Mrd. $ sta­bil ge­blie­be­ne Ei­gen­ka­pi­tal ren­tier­te 7%, nach 11% im Vor­jahr.

Im Kern­ge­schäft Scha­den­rück­ver­si­che­rung steht die Kon­zern­lei­tung auf der Brem­se, weil die Ta­ri­fe in vie­len Seg­men­ten des Markts als zu we­nig er­gie­big ein­ge­stuft wer­den. Da­mit ero­dier­te das Neu­vo­lu­men, und weil die Scha­den­zah­lun­gen den­noch gross wa­ren, sank die Mar­ge: im Halb­jahr auf 2,6%, nach 2,8% im Vor­jah­res­se­mes­ter. Die zur Ver­brei­te­rung der Ak­ti­vi­tä­ten ge­för­der­te Spar­te In­dus­trie­ver­si­che­rung bie­tet vor­der­hand je­doch kei­nen Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­vor­teil. Auch auf kom­ple­xen Kon­trak­ten mit glo­bal auf­ge­stell­ten In­dus­trie­kon­zer­nen sind die Prei­se im Tief und zugleich die Scha­den­zah­lun­gen hoch. Das tech­ni­sche Re­sul­tat ge­mes­sen an der Ge­samt­auf­wand­quo­te ist noch stär­ker ins Mi­nus ge­fal­len.

Zu we­nig bleibt auch auf dem Ei­gen­ka­pi­tal, das der Kon­zern in der Spar­te Li­fe Ca­pi­tal für den Auf­kauf von Le­bens­po­li­cen ein­setzt. Das Ma­nage­ment ver­spricht sich ei­nen Mehr­er­trag da­von, grosse Stück­zah­len ef­fi­zi­ent zu ad­mi­nis­trie­ren und die hin­ter den Po­li­cen ste­hen­den Ver­mö­gen ge­schickt zu in­ves­tie­ren. Doch zu knapp ist mit 3,6% die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te die­ses Ge­schäfts­be­reichs.

Kräf­tig ist ge­gen­wär­tig ein­zig die Le­bens­rück­ver­si­che­rung. Ein­nah­men, Ge­winn und Ren­di­te stie­gen. Rich­tig kal­ku­liert hat der Kon­zern die Kon­trak­te zur Le­bens­er­war­tung in Län­dern und Re­gio­nen so­wie zum Sterb­lich­keits­trend, wo­zu auch die Ein­schät­zung von Pan­de­mie­ge­fah­ren ge­hört.

Die Ak­ti­en lie­gen die­ses Jahr zu­rück. Das Se­mes­ter­re­sul­tat lässt ver­mu­ten, dass ei­ne Auf­hol­be­we­gung auf sich war­ten las­sen wird. Für die Schät­zung des Jah­res­ge­winns ist Vor­sicht an­ge­zeigt. Ge­mes­sen am Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2017 von 12 no­tie­ren die Pa­pie­re auf Hö­he des lang­jäh­ri­gen Schnitts. Das Un­ter­neh­men ist über­so­li­de ka­pi­ta­li­siert. Das auf­sichts­recht­li­che Mi­ni­mum wird mehr als dop­pelt er­füllt. Im Herbst wird der Ver­wal­tungs­rat über den Start ei­nes nächs­ten Ak­ti­en­kauf­pro­gramms ent­schei­den. Das soll­te den Kurs stüt­zen.

«Man kann ei­ne Zeit lang Glück ha­ben. Aber Zau­be­rei gibt es auch nicht in der Rück­ver­si­che­rung.»

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