In der Start-upSze­ne von Berlin

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - THORS­TEN RIEDL

Chris Möl­ler ist ei­ner, der aus den Pro­ble­men des All­tags Ide­en für In­ter­ne­tUn­ter­neh­men kre­iert. « Al­le mei­ne Pro­jek­te ha­ben ei­nen Be­zug zum Le­ben und bie­ten ei­nen Mehr­wert», sagt der 44-Jäh­ri­ge. En­de der Neun­zi­ger hat der ge­bür­ti­ge Bas­ler sei­ne Kof­fer ge­packt und ist nach Berlin ge­zo­gen. Dort ge­stal­tet er nun die leb­haf­te Start-upSze­ne mit, durch ei­ge­ne Pro­jek­te und als Bu­si­ness An­gel, der Ide­en an­de­rer mit et­was Geld, vor al­lem aber mit Rat und Tat un­ter­stützt. «In Berlin ken­ne ich vie­le Schwei­zer», sagt er. Das Flair ei­ner Welt­stadt zie­he krea­ti­ve Leu­te an.

Be­gon­nen hat al­les in den Wild­West-Jah­ren des In­ter­nets. Ne­ben dem Stu­di­um an der ETH Zü­rich ar­bei­te­te Möl­ler Mit­te der Neun­zi­ger beim «Ta­ges-An­zei­ger» am Net­gui­de – ei­nem Ver­zeich­nis der sei­ner­zeit 2000 Schwei­zer Web­sei­ten. Es wur­de – ge­druckt na­tür­lich – der Zei­tung bei­ge­legt. Das mach­te Ap­pe­tit auf mehr: Der an­ge­hen­de Ar­chi­tekt liess das Stu­di­um sau­sen und grün­de­te ei­ne Web-Agen­tur. Mit Kol­le­gen kon­zi­pier­te und bau­te er hun­der­te von Web­sei­ten, be­vor er 1999 nach Berlin sie­del­te. Ur­sprüng­lich woll­te er dort nur ei­ne De­pen­dance der Web-Agen­tur grün­den – doch er blieb län­ger. In der deut­schen Haupt­stadt lern­te er sei­ne Frau ken­nen und hat heu­te zwei Kin­der, 9 und 11 Jah­re. In Berlin fand Möl­ler auch die Lie­be zu ei­ge­nen In­ter­net-Un­ter­neh­men. Im Jahr 2003 grün­de­te er Eren­to, ei­nen Markt­platz um al­les Mög­li­che zu mie­ten, von der Bohr­ma­schi­ne über die Ket­ten­sä­ge zum Ga­bel­stap­ler. Das Ge­schäft lief pas­sa­bel, 2011 ver­kauf­te Möl­ler. Der Kauf­preis lag wohl im nied­ri­gen Mil­lio­nen­be­reich, wie ein Bran­chen­blatt spe­ku­liert. Ge­mäss Möl­ler be­trug die Be­wer­tung von Eren­to beim Exit 7,5 Mio. €. Seit­her fährt er zwei­glei­sig. Mit Möl­ler Ven­tures in­ves­tiert er früh in In­ter­net-Un­ter­neh­men, und schiesst bis zu 50 000 € ein, in spä­te­ren Fi­nan­zie­rungs­run­den bis zu 250 000 €. An Un­ter­neh­men wie Scha­den­la­den, um ei­ne güns­ti­ge Au­to­werk­statt zu fin­den, In­spek­to zur Über­prü­fung der Werk­statt­rech­nung, Mi­ne­ko für den Check der Miet­ne­ben­kos­ten oder Su­n­a­ca­re, wo Pfle­ge­kräf­te aus Po­len für Deut­sche ver­mit­telt wer­den, ist er be­tei­ligt.

Zugleich hat er noch ein ei­ge­nes Un­ter­neh­men ge­star­tet: Cam­pan­da. Dort las­sen sich in 42 Län­dern Wohn­mo­bi­le von ge­werb­li­chen An­bie­tern mie­ten, in bis­lang drei – Deutsch­land, Frank­reich und USA – auch von pri­va­ten. «Die Leu­te kau­fen sich ein Wohn­mo­bil für zig­tau­send Eu­ro, um es zwan­zig Ta­ge im Jahr zu nut­zen – das ist doch ab­surd», sagt Möl­ler. Das Aus­lei­hen von Cam­pern funk­tio­niert auch über Eren­to, jetzt hat er sich al­lein dar­auf spe­zia­li­siert. Möl­ler be­sitzt selbst drei der Ur­laubs­ge­fähr­te, «um das pri­va­te Ver­lei­hen bes­ser zu ver­ste­hen». Ob­schon in Ba­sel ge­bo­ren, be­sitzt Möl­ler nur den deut­schen Pass. Sei­ne deut­sche Fa­mi­lie und Freun­de aus den Schul­ta­gen le­ben wei­ter am Rhein. Cam­pan­da ist nach ei­ge­nen An­ga­ben die in­zwi­schen welt­weit gröss­te In­ter­net-Platt­form zum Mie­ten und Ver­mie­ten von Wohn­mo­bi­len. Schwei­zer bu­chen sol­che Fahr­zeu­ge am liebs­ten in Is­land, er­zählt er. Der­zeit kön­nen sie das nur über ge­werb­li­che Ver­mie­ter. Das Mo­dell «Privat an Privat» steht aber für mehr Län­der auf dem Plan.

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