Neue Markt­dy­na­mik

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - STE­FAN GRABER

US-Zins­ni­veau wird Gold­nach­fra­ge im zwei­ten Halb­jahr do­mi­nie­ren.

Der Gold­preis hat sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen auf ei­nem et­was hö­he­ren Ni­veau sta­bi­li­siert. Seit ei­ner Wo­che wird die Un­ze um 1270 $ ge­han­delt und kos­tet da­mit fast 5% mehr als auf dem Tief von An­fang Ju­li. Da­mit setzt sich die gu­te Per­for­mance aus den ers­ten sechs Mo­na­ten nach ei­ner klei­nen Kor­rek­tur fort. Ähn­lich wie 2016 no­tier­te der Gold­preis zur Jah­res­mit­te fes­ter. Die neus­ten Da­ten der Bran­chen­or­ga­ni­sa­ti­on World Gold Coun­cils zei­gen je­doch, dass sich die Markt­dy­na­mik im Jah­res­ver­gleich ver­än­dert hat.

In der ers­ten Hälf­te des letz­ten Jah­res hat­ten sich die Gol­din­ves­to­ren mit Re­kord­vo­lu­men ein­ge­deckt, wäh­rend der Pri­mär­markt, das heisst die Schmuck-, die In­dus­trie- und die Zen­tral­ban­ken­nach­fra­ge, schwach wa­ren. Die­ses Jahr er­hol­ten sich die Schmu­ckund Zen­tral­ban­ken­käu­fe wie­der et­was, wenn­gleich auf tie­fem Ni­veau. Die In­ves­to­ren zeig­ten sich deut­lich skep­ti­scher. Der Net­to­zu­fluss in bör­sen­ge­han­del­te Gold­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) fiel zwar ab­so­lut ge­se­hen im­mer noch po­si­tiv aus, aber rund 70% tie­fer als in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Die Ve­rän­de­run­gen der Po­si­tio­nen bei den ge­lis­te­ten De­ri­va­ten zei­gen ein ähn­li­ches Bild.

Die Preis­sen­si­ti­vi­tät der Markt­ak­teu­re spielt da­bei wohl ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Die In­ves­to­ren­nach­fra­ge steigt ten­den­zi­ell mit ei­nem hö­he­ren Preis, wäh­rend die Schmuck­nach­fra­ge um­ge­kehrt mit dem Preis kor­re­liert ist. Die star­ke Preis­kor­rek­tur im vier­ten Quar­tal 2016 und die Seit­wärts­be­we­gung im zwei­ten Quar­tal 2017 könn­te ei­ne ab­schre­cken­de Wir­kung auf In­ves­to­ren re­spek­ti­ve ei­nen sti­mu­lie­ren­den Ein­fluss auf Schmuck­käu­fer ge­habt ha­ben.

In der zwei­te Jah­res­hälf­te las­sen sich die Be­ob­ach­tun­gen der ers­ten sechs Mo­na­te nicht ex­tra­po­lie­ren. An­ge­sichts der Ein­füh­rung ei­ner Mehr­wert­steu­er in In­di­en im Ju­li, ne­ben Chi­na der wich­tigs­te Schmuck­markt, dürf­ten ei­ni­ge Gold­käu­fe sei­tens In­dus­trie und Kon­su­men­ten vor­ge­zo­gen wor­den sein. Ent­spre­chend könn­ten sich die Im­port­vo­lu­men in den kom­men­den Mo­na­ten wie­der ver­rin­gern. Zu­dem schwä­chelt Chi­nas Schmuck­nach­fra­ge wei­ter.

Das In­ves­to­ren­in­ter­es­se wird wei­ter­hin von den US-Zins- und Wäh­rungs­be­we­gun­gen ge­trie­ben. In die­sem Zu­sam­men­hang spielt die US-No­ten­bank Fed die zen­tra­le Rol­le, denn der Markt zwei­felt noch im­mer an de­ren Vor­ga­ben in Be­zug auf wei­te­re Zins­schrit­te. Soll­te sich die Si­tua­ti­on am Zins- markt be­wahr­hei­ten und das Fed sei­ne re­strik­ti­ve­re Geld­po­li­tik re­vi­die­ren, wür­de das zu ei­nem nach­hal­tig freund­li­chen Um­feld für Gold. Denn tie­fe Zin­sen und der schwa­che Dol­lar ma­chen das Edel­me­tall at­trak­tiv. Zieht das Fed hin­ge­gen die Zins­schrau­be wei­ter an und ver­kürzt gleich­zei­tig die Bi­lanz­sum­me, dürf­te der in­fla­ti­ons­be­rei­nig­te Zins stei­gen und Gold wie­der un­ter Druck kom­men.

Aus An­le­ger­sicht scheint an­ge­sichts die­ser Aus­gangs­la­ge ein Buy-and-Hold-An­satz we­nig rat­sam. Das bis­he­ri­ge Aus­blei­ben ei­nes star­ken Preis­aus­schlags führ­te da­zu, dass so­wohl die im­pli­zi­te wie auch rea­li­sier­te Vo­la­ti­li­tät stark ge­fal­len sind und vor Kur­zem Mehr­jah­res­tiefs er­reich­ten. Wie lan­ge die­se Ru­he noch an­hält, dürf­te pri­mär vom Fed ab­hän­gen. In der Zwi­schen­zeit bie­tet das In­ves­to­ren die Mög­lich­keit, sich über Op­tio­nen zu po­si­tio­nie­ren oder ein be­ste­hen­des En­ga­ge­ment ab­zu­si­chern. Das Ver­kau­fen ei­ner Op­ti­on, oh­ne im Be­sitz des Edel­me­talls zu sein, ist zur­zeit nicht at­trak­tiv, da die Prä­mi­en an­ge­sichts der tie­fen Vo­la­ti­li­tät klein und die Ri­si­ken gross sind.

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