Heis­ser Herbst

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron gönnt sich nun ein paar Ta­ge Fe­ri­en. Die kann er gut ge­brau­chen. Er muss Ener­gie tan­ken, denn nach der «Ren­trée» wird, muss klar wer­den, was er an Re­for­men kon­kret auf den Weg bringt. Das Par­la­ment, das von sei­ner Be­we­gung be­herrscht wird, hat ihm da­zu mehr oder we­ni­ger ei­nen Frei­pass ge­ge­ben.

Die «Stras­se» je­doch hat das nicht. Ma­crons Um­frag­wer­te – ein durch­aus zwei­fel­haf­ter In­di­ka­tor – sol­len am Sin­ken sein. Frank­reich hat zwar ei­nen Re­for­mer ge­wählt, aber das heisst noch lan­ge nicht, dass das Pu­bli­kum nun froh­ge­mut den Re­for­men ent­ge­gen­fie­bert. Denn die wer­den fast al­len weh tun, wenn sie den Na­men ver­die­nen sol­len. Es ist mit ei­nem «heis­sen Herbst» zu rech­nen, mit dem lan­des­üb­li­chen Ge­ze­ter, be­son­ders wenn Ma­cron das läh­men­de Ar­beits­recht wirk­lich spür­bar auf­wei­chen soll­te. Wahr­schein­lich wird Ma­cron «too litt­le, too la­te» lie­fern: Mass­nah­men, die an­ge­sichts der gros­sen Pro­ble­me bes­ten­falls halb­wegs be­frie­di­gen und oh­ne­hin reich­lich spät kom­men – woran frei­lich sei­ne Vor­gän­ger schuld sind. Die «Rois Fai­néants», wie Ni­co­las Sar­ko­zy einst Jac­ques Chi­rac ver­spot­te­te; al­ler­dings pro­du­zier­te «Sar­ko» selbst aus­ser Wind nur we­nig.

«Too litt­le, too la­te» heisst in der Politik je­doch nicht ein­fach nutz­los. Es kann erst mal ge­nü­gen, um den Kom­pass für spä­te­re Schrit­te rich­tig zu jus­tie­ren. Es kann aus­rei­chen, um der Wirtschaft, be­son­ders den In­ves­to­ren – die Frank­reich seit Län­ge­rem eher mei­den –, den Ein­druck zu ver­mit­teln, dass sich end­lich et­was tut.

Vor al­lem ist wich­tig, dass Ma­cron wirk­lich gleich zu Be­ginn sei­ner Prä­si­dent­schaft ein paar Nä­gel mit Köp­fen macht. Dann darf er hof­fen, in ein paar Jah­ren auf Er­fol­ge ver­wei­sen und Wei­te­res wa­gen zu kön­nen.

Res­sort­lei­ter zum The­ma Frank­reich

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