Cla­ri­ant sind ei­ne Wet­te wert

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Un­ab­hän­gig da­von, ob die ge­plan­te Fu­si­on von Cla­ri­ant mit Hunt­s­man zu­stan­de kommt oder nicht, spricht vie­les für wei­te­re Avan­cen der Ak­ti­en des Ba­sel­bie­ter Spe­zi­al­che­mie­kon­zerns.

Kann die Fu­si­on wie ge­plant voll­zo­gen wer­den, De­zem­ber oder Ja­nu­ar gel­ten als Ziel, wer­den sich we­nigs­tens die glaub­haf­ten Kos­ten­syn­er­gi­en von über 400 Mio. $ nach und nach im Kurs nie­der­schla­gen. Sie dürf­ten 5 bis 6 Fr. je Titel aus­ma­chen. Wei­te­re Sy­ner­gi­en sind denk­bar – und von den Fu­si­ons­part­nern iden­ti­fi­ziert. Bis jetzt ist da­von im Kurs aber we­nig zu se­hen.

Soll­te die Fu­si­on an der a. o. GV ab­ge­lehnt wer­den, muss ei­ne an­de­re Lö­sung auf den Tisch. Weil ei­ne sol­che ähn­lich gut oder bes­ser sein soll­te, wird auch das den Kurs an­trei­ben. Schei­tert der Plan, muss der Ver­wal­tungs­rat von Cla­ri­ant über die Bü­cher. Da er laut CEO Ha­riolf Kott­mann oh­ne Plan B ist (für Hunt­s­man gilt das­sel­be), wird er die M&A-Ge­schi­cke nur noch be­dingt selbst be­stim­men kön­nen. Er wird sich Vor­schlä­gen öff­nen müs­sen, die er bis­her ab­ge­lehnt hat, auch dem ei­ner Über­nah­me.

Doch wie passt zu die­ser an­schei­nen­den Win-Win-Si­tua­ti­on, dass Cla­ri­ant im Ju­li zu den zehn am häu­figs­ten leer­ver­kauf­ten Schwei­zer Ak­ti­en ge­hör­ten?

Gut 12% der Titel wa­ren ge­mäss Mar­kit aus­ge­lie­hen, 75% mehr als im Vor­mo­nat. Wer Ak­ti­en leiht, tut das, um sie zu ver­äus­sern (leer zu ver­kau­fen, short zu ge­hen) in der Hoff­nung, sie zu ei­nem nied­ri­ge­ren Kurs wie­der kau­fen und zu­rück­ge­ben zu kön­nen – er setzt al­so auf sin­ken­de Kur­se.

Im Fall von Cla­ri­ant ge­hen vor al­lem Ar­bi­tra­geu­re short. We­gen der Fu­si­ons­ver­ein­ba­rung soll­ten Cla­ri­ant und Hunt­s­man im Gleich­schritt lau­fen. Doch Cla­ri­ant ha­ben sich bes­ser ent­wi­ckelt. Der Ar­bi­tra­geur geht da­her short in Cla­ri­ant und long in Hunt­s­man. Mög­li­che Grün­de für das Aus­ein­an­der­lau­fen der Kur­se sind der Kauf von Cla­ri­an­tAk­ti­en durch Whi­te Ta­le und der Aus­stieg von kurz­fris­tig ori­en­tier­ten Hunt­s­man-In­ves­to­ren, die um­sonst auf ei­ne Son­der­aus­schüt­tung aus dem IPO von Ve­na­tor – des am 3. August an die Bör­se ge­brach­ten Hunt­s­man-Ge­schäfts mit Pig­men­ten und Ad­di­ti­ven – spe­ku­liert ha­ben.

Mit zu den Leer­ver­käu­fen bei­ge­tra­gen hat wo­mög­lich auch die Spe­ku­la­ti­on auf ein Schei­tern der Fu­si­on. Fällt die Hochzeit ins Was­ser, kann das dem Kurs kurz­fris­tig scha­den. Weil dann ei­ne an­de­re Lö­sung prä­sen­tiert wer­den muss, dürf­ten aber so­wohl der Um­fang als auch die Dau­er ei­nes mög­li­chen Rück­schlags be­grenzt sein.

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