Der Schwarm­fisch

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - CLIFFORD PADEVIT

Die ei­nen sind Fische, die an­de­ren nicht. Je­den­falls be­hagt es nicht al­len, bei Fisch As­set Ma­nage­ment zu ar­bei­ten. Und das ist Pi­us Fisch recht. Er und sein Bru­der Kurt ha­ben vor rund 23 Jah­ren den Zürcher Ver­mö­gens­ver­wal­ter ge­grün­det und ein «schö­nes Un­ter­neh­men» auf­ge­baut, wie der 60-jäh­ri­ge Pi­us es nennt. Die Grün­dung war fast ein Zu­fall. Die Brü­der such­ten ei­ne neue Her­aus­for­de­rung. Kurt war in sei­nem Job nicht mehr zu­frie­den und hat­te die Idee für das As­set-Ma­nage­ment-Ge­schäft mit Fo­kus Wan­del­an­lei­hen. Pi­us war als Ju­rist bei der Zü­rich Ver­si­che­rung ei­gent­lich glück­lich, hät­te aber gern in­tern ge­wech­selt.

Fisch AM schrieb vom ers­ten Jahr an schwar­ze Zah­len. Die klei­ne Grup­pe von vier Leu­ten fuhr auf ver­län­ger­te Golf­weekends, wie es in den Ge­schäfts­an­na­len heisst. «Wir ha­ben ein­fach auf Kun­den ge­war­tet», sagt Pi­us Fi­scher la­chend, der Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied und Chef der Rechts­ab­tei­lung ist. Wirk­lich vor­an ging es mit den ver­wal­te­ten Ver­mö­gen ab der Dot­com-Kri­se, als der ver­stärk­te Ver­kauf sich aus­zu­zah­len be­gann. 2004 wur­de dann die Mil­li­ar­den­gren­ze über­schrit­ten. Fisch AM ver­wal­tet in­zwi­schen mit 80 Mit­ar­bei­tern 10 Mrd. Fr. «Wir wol­len gewinnen, nicht Geld ver­die­nen», sagt er. Nicht, dass Geld für ihn kei­ne Rol­le spie­len wür­de. «Geld ist ein fan­tas­ti­sches Mit­tel, aber darf nie Zweck sein», sagt er, der das Gym­na­si­um in ei­ner Klos­ter­schu­le ab­sol­vier­te. Bei Fisch weiss je­der, was die an­de­ren ver­die­nen, und auch, was im VR und in der Ge­schäfts­lei­tung be­spro­chen wur­de. Die Pro­to­kol­le sind frei zu­gäng­lich. Die Trans­pa­renz er­fül­le ei­nen Zweck, sagt Pi­us Fisch, und sei nicht et­wa al­tru­is­tisch mo­ti­viert. Ste­hen al­le Da­ten zur Ver­fü­gung, sind al­le Mit­un­ter­neh­mer und sol­len mit­re­den. Soll­te je­man­dem et­was nicht pas­sen, ist Pi­us’ Ohr of­fen. Er sitzt prak­ti­scher­wei­se gleich ne­ben­an, im Gross­raum­bü­ro mit See­blick gleich beim Bahn­hof Tie­fen­brun­nen. An ei­nen kom­plet­ten Rück­zug denkt Fisch noch nicht. Die Gesellschaft steckt mit­ten in ei­ner In­ter­na­tio­na­li­sie­rung und hat seit 2017 ei­ne neue Füh­rung mit Co-CEO. Er kön­ne sich vor­stel­len, sich auf das Prä­si­di­um zu be­schrän­ken. Aber erst wol­le er die neu­en CEO un­ter­stüt­zen und «dum­me Fra­gen» stel­len, das kön­ne er be­son­ders gut. Es ist sein Weg, her­aus­zu­fin­den, ob sich al­le auf das­sel­be Ziel zu­be­we­gen. Es ist wie bei ei­nen Schwarm Fische. Zu­sam­men er­gibt sich ein bes­se­res Gan­zes.

Der Name prägt. Auf­ge­wach­sen in Wil (SG) als jüngs­ter von vier Ge­schwis­tern war sein Nach­na­me wäh­rend der Schul­zeit Ziel man­nig­fa­cher Wort­spie­le, wie er in sei­nem Pro­fil auf der Web­site selbst schreibt. Heu­te ver­mark­tet sich das Un­ter­neh­men um­so mehr mit dem Na­men, je­der Mit­ar­bei­ter muss im Web­pro­fil die Fra­ge be­ant­wor­ten, wel­che Be­deu­tung «Fische» für sie oder ihn ha­ben. Im Sit­zungs­zim­mer sind die Steck­na­deln der Pinn­wand zu ei­nem Fisch an­ge­ord­net, zwei künst­le­ri­sche Fische schmü­cken das Bü­ro.

Er ha­be an­fangs die­se PR-Schie­ne nicht so toll ge­fun­den, in­zwi­schen aber schon, und er wer­de häu­fig dar­auf an­ge­spro­chen. Denn es ist ein Merk­mal des As­set-Ma­na­gers und ein Aus­druck der ei­ge­nen Kul­tur, die von den Fi­schB­rü­dern ge­prägt wird. Der Er­folg gibt ih­nen recht.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.