Be­weg­te Wäh­rungs­märk­te

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - FE­LIX BRILL,

Die Rol­len­ver­tei­lung än­dert sich – der Dol­lar ist der grosse Verlierer.

Die Rol­len zwi­schen den Haupt­wäh­run­gen schie­nen an den Märk­ten lan­ge klar ver­teilt: Dol­lar und Fran­ken sind die bei­den star­ken Wäh­run­gen, ja­pa­ni­scher Yen und Eu­ro die bei­den schwa­chen. Und das bri­ti­sche Pfund war zum Spiel­ball der Br­ex­it-Be­find­lich­kei­ten ge­wor­den. Wäh­rend Letz­te­res im­mer noch gilt, sind die an­de­ren gros­sen Wäh­run­gen zu­letzt kräf­tig durch­ge­schüt­telt wor­den.

Bli­cken wir auf die Wo­chen nach der Wahl von Do­nald Trump zu­rück, fin­den sich un­zäh­li­ge Fi­nanz­markt­kom­men­ta­re, die dem «Gre­en­back» ei­ne ro­si­ge Zukunft pro­phe­zei­ten. Trumps Wirt­schafts­plä­ne wür­den nicht nur die Kon­junk­tur an­kur­beln, son­dern auch im­men­se Geld­zu­flüs­se ins Land der un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten aus­lö­sen und da­mit dem Dol­lar Auf­trieb ge­ben. Hin­zu kam das lan­ge her­um­ge­reich­te Nar­ra­tiv der di­ver­gie­ren­den Geld­po­li­tik zwi­schen Fed und EZB. Der Dol­lar, ob­wohl da­mals schon sport­lich be­wer­tet, hät­te dem­nach der grosse Ge­win­ner des Jah­res 2017 wer­den müs­sen.

Es kam an­ders

Ers­tens kommt es an­ders und zwei­tens als man denkt. Der Dol­lar ist un­ter den gros­sen Wäh­run­gen die­ses Jahr bis­her der ganz grosse Verlierer. Be­trach­ten wir et­wa die durch­schnitt­li­che Ent­wick­lung ge­gen­über den an­de­ren G-10-Wäh­run­gen, steht ein Mi­nus von sa­ge und schrei­be 8% zu Bu­che. Ge­gen­über dem Fran­ken be­trug der Ver­lust zwar «nur» et­was mehr als 5%. Das tut aber im­mer noch weh. Wenn man z.B. im S&P 500 in­ves­tiert war, hat die Dol­larMa­lai­se die Hälf­te der Ren­di­te seit Jah­res­be­ginn auf­ge­zehrt.

Um­ge­kehrt hat man als Schwei­zer In­ves­tor un­ge­mein vom Stim­mungs­wan­del ge­gen­über der Eu­ro­zo­ne und dem Eu­ro pro­fi­tie- ren kön­nen. Der Eu­ro hat fast 6% zum Fran­ken zu­ge­legt und so auch die Ren­di­te kräf­tig an­ge­kur­belt, wenn man seit Jah­res­be­ginn im Eu­roS­to­xx 50 in­ves­tiert war.

Am Frei­tag ha­ben die guten US-Ar­beits­markt­da­ten dem Dol­lar im­mer­hin wie­der et­was Un­ter­stüt­zung bie­ten kön­nen. Be­reits zu Be­ginn die­ser Wo­che war da­von aber nicht mehr viel zu spü­ren. Als dann auch noch zwei Fed-Ver­tre­ter die In­fla­ti­on ins et­was zu tie­fe Licht rück­ten, nahm der Dol­lar sei­ne Ab­schwä­chungs­ten­denz ge­gen­über den meis­ten an­de­ren G-10-Wäh­run­gen wie­der auf, und der Eu­ro stieg wie­der über 1.18 $/€. Vor die­sem Hin­ter­grund darf nun mit Span­nung auf die am Frei­tag an­ste­hen­de Ver­öf­fent­li­chung der US-In­fla­ti­on im Ju­ni ge­blickt wer­den. Er­war­tet wird, dass die jähr­li­che Ge­samt­ra­te der Teue­rung von 1,6 auf 1,8% steigt und die Kern­ra­te sta­bil bei 1,7% bleibt.

Span­nen­de Wo­chen

Die Kon­junk­tur­da­ten im bis­he­ri­gen Wo­chen­ver­lauf ha­ben we­nig neue Im­pul­se ge­lie­fert, um das der­zei­ti­ge Sze­na­rio in­fra­ge zu stel­len. Dem­nach soll­te der Kon­junk­tur­auf­schwung an­hal­ten, die In­fla­ti­on kei­ne gros­sen Sprün­ge ma­chen und die Geld­po­li­tik rund um den Glo­bus ih­ren Kurs bei­be­hal­ten. Ent­spre­chend ge­ring wa­ren die Markt­be­we­gun­gen: Ak­ti­en ha­ben leicht zu­ge­legt, Zins­be­we­gun­gen wa­ren nur im tie­fen Ba­sis­punkt­be­reich zu be­ob­ach­ten, und auch der Gold­preis zeig­te sich gros­so mo­do un­ver­än­dert.

Ent­spre­chend er­laubt die ak­tu­el­le Atem­pau­se ei­nen Blick zu­rück auf die De­vi­sen­märk­te. Wie die Ab­bil­dung oben am Bei­spiel des Fran­kens il­lus­triert, hat der Eu­ro ge­mes­sen an der Kauf­kraft­pa­ri­tät (Purcha­sing Po­wer Pa­ri­ty, PPP) durch­aus wei­te­res Auf­wer­tungs­po­ten­zi­al. Die Ab­bil­dung dar­un­ter zeigt, dass es trotz deut­li­cher Ver­schie­bun­gen im Wäh­rungs­ge­fü­ge noch er­heb­li­che Op­por­tu­ni­tä­ten gibt. Die Li­nie zeigt die durch­schnitt­li­che, ab­so­lu­te Ab­wei­chung von der PPP für al­le 9 Wech­sel­kurspaa­re zwi­schen Dol­lar, Eu­ro, Yen, Pfund und Fran­ken. Die­ses Ab­wei­chungs­si­gnal ist in ei­ne Ska­la von 0 bis 5 un­ter­teilt, wo­bei 0 ei­ne be­son­ders klei­ne und 5 ei­ne be­son­ders grosse Ab­wei­chung im­pli­ziert. Be­rück­sich­tigt man, dass nach den sehr star­ken Aus­schlä­gen in der Ver­gan­gen­heit die Kor­rek­tur nicht lang­sam kam, son­dern sehr ab­rupt, könn­ten uns span­nen­de Wo­chen be­vor­ste­hen.

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