Kar­dex tritt in die Rei­fe­pha­se

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - AS

Von 12 auf fast 120 Fr. in fünf Jah­ren: Kar­dex hat den In­ves­to­ren sat­te Kurs­ge­win­ne be­schert. Nach ei­ner ein­drück­li­chen Er­trags­wen­de wird es nun zu­neh­mend schwie­ri­ger, die ho­hen Er­war­tun­gen zu er­fül­len und die ope­ra­ti­ve Mar­ge wei­ter zu stei­gern.

Zu Sor­ge An­lass ge­ben die Halb­jah­res­zah­len nicht. Was die Wachs­tums­ra­ten be­trifft, fie­len sie bes­ser aus als in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Auch die Aus­sich­ten stim­men. Der Auf­trags­be­stand über­trifft den Um­satz wei­ter­hin deut­lich. Die Ge­schäfts­be­din­gun­gen blei­ben freund­lich.

Er­freu­li­cher­wei­se ge­lang es Kar­dex in den ers­ten sechs Mo­na­ten, die am Be­triebs­ge­winn Ebit ge­mes­se­ne Mar­ge dank gu­ter Kos­ten­kon­trol­le und mehr Ser­vice­dienst­leis­tun­gen er­neut aus­zu­deh­nen. Mit über 11% lag die Span­ne deut­lich über dem Grup­pen-Ziel­wert von min­des­tens 6%. Da Kar­dex mit we­ni­gen Mit­teln ar­bei­tet, re­sul­tiert ei­ne ho­he Ren­di­te auf dem ein­ge­setz­ten Ka­pi­tal (ROCE) von 48%.

Der Ge­winn von Kar­dex ent­wi­ckel­te sich we­ni­ger stark als das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis. Lan­ge hat­te das Un­ter­neh­men von Ver­lust­vor­trä­gen und ei­ner ent­spre­chend ge­drück­ten Steu­er­quo­te pro­fi­tiert. Nun «nor­ma­li­siert» sich der Steu­er­auf­wand, wie es Fi­nanz­chef Tho­mas Reist im März an­ge­kün­digt hat­te.

Fi­nan­zi­ell be­fin­det sich Kar­dex in aus­ge­zeich­ne­ter Ver­fas­sung. Per En­de Ju­ni hat­te das Un­ter­neh­men ei­ne Net­to­li­qui­di­tät von 124 Mio. € auf La­ger. In der Zwi­schen­zeit wur­den 25,5 Mio. Fr. in Form ei­ner Nenn­wert­re­duk­ti­on an die Ak­tio­nä­re aus­be­zahlt. Doch mit ei­nem frei­en Cash­flow von rund 20 Mio. € im Se­mes­ter wird der Net­to­cash­be­stand bis En­de Jahr wie­der stei­gen.

Ent­schliesst sich das Ma­nage­ment nicht doch zu ei­ner grös­se­ren Ak­qui­si­ti­on, ist ei­ne Er­hö­hung der Ge­winn­aus­schüt­tung im kom­men­den Früh­jahr pro­gram­miert. Mit Blick auf das zwei­te Halb­jahr ist die Un­ter­neh­mens­lei­tung zu­ver­sicht­lich. Es be­stün­den «kei­ne An­zei­chen für ei­ne deut­li­che Ve­rän­de­rung der ak­tu­el­len Ent­wick­lung».

Wie In­ter­roll wird Kar­dex wei­ter­hin vom wach­sen­den Be­darf in In­dus­trie und Han­del nach zu­neh­men­der Au­to­ma­ti­sie­rung der Pro­zes­se pro­fi­tie­ren. Auch der elek­tro­ni­sche Han­del sorgt für kon­stant mehr Nach­fra­ge.

Die mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 20 für 2018 be­wer­te­ten Ak­ti­en soll­ten des­halb ge­hal­ten wer­den. Ei­ne ge­si­cher­te Di­vi­den­den­ren­di­te von 3 bis 3,5% ist nicht zu ver­ach­ten. Sinkt der Bör­sen­kurs un­ter 100 Fr., kön­nen In­ves­to­ren Neu­en­ga­ge­ments re­spek­ti­ve Zu­käu­fe ins Au­ge fas­sen.

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