Last­mi­nu­te will ei­ge­ne Ak­ti­en kau­fen

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - TR

Last­mi­nu­te.com ist wahr­lich kei­ne Er­folgs­ge­schich­te un­ter den Schwei­zer Bör­sen­ge­sell­schaf­ten. Für 48 Fr. ka­men die Pa­pie­re der On­li­ne­rei­se­agen­tur im Früh­jahr 2014 an die SIX Swiss Ex­ch­an­ge. Den Kurs ha­ben die Ti­tel nie wie­der ge­se­hen. Seit ei­nem Jahr be­we­gen sie sich um 14 Fr., zu­letzt noch nied­ri­ger. Dar­aus zieht nun auch das Last­mi­nu­teMa­nage­ment die Kon­se­quen­zen. Ge­prüft wird ein Rück­kauf von 33,3% der ei­ge­nen Ak­ti­en. Das soll auch frus­trier­ten Alt-In­ves­to­ren ei­nen Ver­kauf er­mög­li­chen, oh­ne dass die Last­mi­nu­tePa­pie­re da­durch wei­ter an Wert ver­lie­ren. Ei­ne De­ko­tie­rung sei nicht ge­plant, hiess es in ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz.

Das Un­ter­neh­men ver­mit­telt Rei­sen über das In­ter­net – und hat es mit mäch­ti­gen Ri­va­len zu tun. In Eu­ro­pa führt der US-Kon­zern Pri­ce­li­ne mit der Toch­ter Boo­king.com das Seg­ment an, da­zu kom­men bran­chen­frem­de Ge­sell­schaf­ten wie Goog­le, die ei­ne Rei­se­such­ma­schi­ne be­treibt – oder die Tou­ris­mus­un­ter­neh­men selbst, et­wa die Flug­ge­sell­schaf­ten. Last­mi­nu­te muss um je­den Kun­den kämp­fen. So sank der Um­satz der Ge­sell­schaft im ers­ten Halb­jahr 2% auf 130,3 Mio. €. Der Be­triebs­ge­winn vor Zin­sen, Steu­ern und Amor­ti­sa­tio­nen (Ebit­da) sack­te 45% ab auf 9,5 Mio. €. Der Ge­winn fiel 98% auf 0,07 Mio. €.

Hoff­nung auf Pa­ke­te

Die Zah­len fie­len schlech­ter aus als er­war­tet, wur­den aber be­reits im Ju­li vor­ab ge­mel­det. Als ein Grund für das mie­se Ab­schnei­den wur­den hö­he­re Mar­ke­ting­kos­ten ge­nannt. Mit­grün­der und CEO Fa­bio Can­na­va­le hofft auf mehr Er­folg durch das Schnü­ren von Pa­ke­ten aus Flug, Über­nach­tung und Miet­wa­gen et­wa. «Un­se­re Zu­kunft be­steht da­rin, ver­schie­de­ne ei­gen­stän­di­ge Pro­duk­te zu mi­schen, um in­di­vi­du­el­le Pa­ket­lö­sun­gen zu schaf­fen», sagt er. Um­satz und Ebit­da sol­len im lau­fen­den Jahr sta­gnie­ren. An die­sem Aus­blick hält das Ma­nage­ment wei­ter fest.

Ein Son­der­aus­schuss des Ver­wal­tungs­rats wird nun ein Rück­kauf­an­ge­bot ei­ge­ner Ak­ti­en prü­fen. Ei­ne aus­ser­or­dent­li­che Ge­ne­ral­ver­samm­lung soll am 21. Sep­tem­ber dem Vor­schlag zu­stim­men. Ge­lingt das Vor­ha­ben, kann die Ge­sell­schaft 33,3% des emit­tier­ten Ak­ti­en­ka­pi­tals in­ner­halb von acht­zehn Mo­na­ten er­wer­ben. Die GV soll die Ge­neh­mi­gung zum Ver­nich­ten der Pa­pie­re er­tei­len. Der Kauf­preis darf nicht mehr als 20% über dem Schluss­kurs vor Ver­öf­fent­li­chung des Pro­spekts lie­gen. Zum ak­tu­el­len Kurs wür­de sich der Trans­ak­ti­ons­wert auf 50 Mio. € be­lau­fen. Last­mi­nu­te be­sitzt 80 Mio. € Bar­mit­tel. Wie der Rück­kauf fi­nan­ziert wird, prüft die Ge­sell­schaft aber noch.

«Wir wer­den wei­ter un­se­re Pro­fi­ta­bi­li­tät nach­hal­tig er­hö­hen – und zwar in der Ge­samt­sum­me.»

Kein Kauf­ar­gu­ment

Last­mi­nu­te kam im Früh­jahr 2014 als Bra­vof­ly Rum­bo an die Bör­se. Ziel war es, ei­nen Teil des Er­lö­ses aus dem Bör­sen­gang für Zu­käu­fe zu ver­wen­den. Gröss­ter Kauf war 2015 die bri­ti­sche Last­mi­nu­te, de­ren Na­men die Ge­sell­schaft dar­auf an­ge­nom­men hat. Seit­her gab es nur noch klei­ne­re Über­nah­men.

Dass nun die Mit­tel für den Kauf ei­ge­ner Ak­ti­en ver­wen­det wer­den sol­len, ist zu­min­dest teils Ein­ge­ständ­nis, dass die ur­sprüng­li­che Stra­te­gie ge­schei­tert ist. Es man­gelt wei­ter an Ar­gu­men­ten für ei­nen Kauf der Pa­pie­re.

Bei die­sen Wachs­tums­plä­nen wird auch die Cloud ei­ne Rol­le spie­len. Ein­zeln weist Al­so das Cloud-Ge­schäft nicht aus. Doch das Seg­ment Ser­vices stand im ver­gan­ge­nen Jahr für 3% des Kon­zern­um­sat­zes. Und die Be­deu­tung der Cloud Ser­vices ha­be in­ner­halb des Be­reichs stark zu­ge­nom­men, der Um­satz sich ver­fünf­facht, heisst es im Ge­schäfts­be­richt. Mit­tel­fris­tig soll das Ser­vices-Seg­ment ei­nen An­teil zwi­schen 5 und 10% er­rei­chen.

Der gros­se Rest des Ge­schäfts wird aber wei­ter­hin ge­tra­gen vom Nicht-Cloud-Be­reich: Im Be­reich So­lu­ti­ons, in dem das Han­dels­ge­schäft mit Pro­duk­ten ver­bucht wird, die Teil ei­ner um­fas­sen­den Lö­sung sind, er­reich­te der Um­satz­an­teil ver­gan­ge­nes Jahr 19%, auf mitt­le­re Sicht soll er zwi­schen 20 und 30% be­tra­gen.

Hin­zu kommt der gröss­te Bat­zen: der Supp­ly-Be­reich, der ver­gan­ge­nes Jahr 78% des Um­sat­zes aus­ge­macht hat. Dar­un­ter fällt das klas­si­sche trans­ak­tio­na­le Ge­schäft, so ver­treibt Al­so bei­spiels­wei­se im Auf­trag an Händ­ler und auch Pri­vat­leu­te die Pro­duk­te nam­haf­ter Her­stel­ler wie App­le, Hew­lett-Pa­ckard oder Le­no­vo.

Im Cloud-Seg­ment wür­de der Um­satz nied­ri­ger aus­fal­len, so Möl­ler-Hergt, «aber die Pro­fi­ta­bi­li­tät durch den Service-An­teil deut­lich hö­her». Künf­tig lau­te der Plan, die Fi­nanz­kenn­zif­fern zwi­schen al­len Fel­dern an­zu­glei­chen. «Auf die­sem Weg ste­hen wir ganz am An­fang», sagt der CEO.

So rückt der gröss­te Be­reich, das Trans­ak­ti­ons­ge­schäft, vor­erst in den Mit­tel­punkt der Be­mü­hun­gen von Möl­ler-Hergt, die Wirt­schaft­lich­keit von Al­so zu ver­bes­sern. Er ver­weist da­zu auf vier Stell­schrau­ben für ei­ne hö­he­re Pro­fi­ta­bi­li­tät: die Op­ti­mie­rung der ope­ra­ti­ven Kos­ten, den Mix der An­bie­ter, der Kun­den und der Pro­dukt­ka­te­go­ri­en. Wenn Al­so zum Bei­spiel in­no­va­ti­ve Pro­duk­te schnell an die rich­ti- gen Ab­neh­mer lie­fern kann, rech­net sich Möl­ler-Hergt ei­nen bes­se­ren Er­folg aus. «Je­de Ge­schäfts­ein­heit in je­dem Land hat sich für die nächs­ten drei Jah­re auf Zie­le ver­pflich­tet, was die­se vier Grös­sen an­geht.» Und er ver­spricht: «Wir wer­den die Pro­fi­ta­bi­li­tät nach­hal­tig er­hö­hen – und zwar in der Ge­samt­sum­me, nicht als Mar­ge von et­was.»

Auch ex­ter­nes Wachs­tum peilt Möl­lerHergt nach wie vor an. «Un­se­re Ak­qui- si­ti­ons­po­li­tik bleibt strin­gent: Wir wol­len un­ser In­vest­ment­gra­de nicht än­dern.» Über­nah­men in ei­ner Grös­sen­ord­nung von et­was mehr als 100 Mio. € sei­en mög­lich. Die Zu­käu­fe in die­sem Jahr fie­len bis­her deut­lich klei­ner aus: Für 51% an BEIP aus Frank­reich wur­den laut Zwi­schen­be­richt 1,5 Mio. € fäl­lig, ab­hän­gig vom Er­geb­nis 2018 noch ein­mal wei­te­re bis zu 1,5 Mio. €. Die fin­ni­sche Smart­sec kos­te­te 686 000 €, für

Im Ju­ni gab es ei­ne Ex­klu­siv­mel­dung des weit­hin un­be­kann­ten bri­ti­schen Bör­sen­briefs «Wall Street Wi­res», das Al­so-Ma­nage­ment ver­hand­le eben­so mit HNA über ei­nen Kauf. Möl­ler-Hergt will die­se Mel­dung we­der be­stä­ti­gen noch de­men­tie­ren. Es ge­be vie­le Ge­rüch­te im Markt. «Was wir ge­schafft ha­ben in den ver­gan­ge­nen sechs­ein­halb Jah­ren, war nur mit un­se­ren Ge­sell­schaf­tern und un­se­rem Ma­nage­ment mög­lich», sagt er. «Wenn Sie se­hen, was wir noch vor­ha­ben: Ich glau­be nicht, dass ei­ne Än­de­rung die­ser Struk­tur un­se­ren Plä­nen för­der­lich ist.» Als Kon­stan­te hält die deut­sche Dro­ege-Grup­pe wei­ter 51,3% an Al­so.

«Was wir ge­schafft ha­ben, war nur mit un­se­ren Ge­sell­schaf­tern und dem Ma­nage­ment mög­lich.»

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