Der Wert­ver­meh­rer

Finanz und Wirtschaft - - IMMOBILIE - EH,

Wenn sich Ei­gen­heim­be­sit­zer tref­fen, dreht sich das Ge­spräch bald um die Im­mo­bi­li­en­prei­se. Nir­gends ist das bes­ser spür­bar als in Hong­kong. Zwi­schen 2003 und 2015 ha­ben sich Wohn­im­mo­bi­li­en in der Me­tro­po­le ge­mäss dem Cen­ta-Ci­ty Lea­ding In­dex bei­na­he ver­vier­facht. Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men sind auch an der lo­ka­len Bör­se gut ver­tre­ten. 10 der 49 Ti­tel im Leit­in­dex Hang Seng sind Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en. Zu­dem ist der Er­lös des von der Re­gie­rung im Nut­zungs­recht ver­äus­ser­ten Bau­lands so­wie die auf Im­mo­bi­li­en­trans­ak­tio­nen er­ho­be­ne Stem­pel­steu­er die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le des Staa­tes.

Das ho­he Preis­ni­veau freut zwar den Fi­nanz­mi­nis­ter, be­las­tet aber die Haus­hal­te. Die Wohn­ei­gen­tü­mer ge­ben mitt­ler­wei­le durch­schnitt­lich mehr als die Hälf­te des Ein­kom­mens für die Be­die­nung ih­res Hy­po­the­kar­kre­dits aus. Die Ent­wick­lung hat über die Jah­re im­mer gro­tes­ke­re For­men an­ge­nom­men. Ei­ner­seits wer­den die Wohn­ein­hei­ten im­mer klei­ner. Jüngst fand im ärms­ten Stadt­teil ei­ne Woh­nung von der Grös­se ei­nes Au­to­ab­stell­plat­zes für 2,8 Mio. HK-$ (350 000 Fr.) ei­nen Ab­neh­mer. An­de­rer­seits stei­gen die Prei­se ins Uner­mess­li­che. Als ver­gan­ge­nen Mai die Re­gie­rung im zen­tra­len Ge­schäfts­vier­tel ein 43 000 m2 gros­ses Grund­stück auf den Markt brach­te, wech­sel­te dies für 2,9 Mrd. Fr. den Ei­gen­tü­mer.

Der wich­tigs­te Trei­ber hin­ter der deut­li­chen Ver­teue­rung ist die Nä­he zu Chi­na. So sorgt die wei­ter­hin sehr ho­he Zu­wan­de­rung vom Fest­land für ei­ne gros­se Nach­fra­ge nach neu­em Wohn­raum. Aus­ser­dem ex­pan­die­ren chi­ne­si­sche Fi­nanz­kon­zer­ne nach Hong­kong, wo­durch die Bü­ro­prei­se in die Hö­he schies­sen. Be­deu­tend war in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren aber auch der Ka­pi­tal­fluss aus Chi­na. Im­mo­bi­li­en sind an­ge­sichts der stei­gen­den Prei­se ei­ne at­trak­ti­ve An­la­ge­klas­se. Zu­dem kön­nen chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men, die im Aus­land Ak­qui­si­tio­nen pla­nen, die im­mer wert­vol­ler wer­den­den Grund­stü­cke als Si­cher­heit für Kre­di­te nut­zen. Der Hong­kon­ger Im­mo­bi­li­en­markt dient so­mit auch als güns­ti­ges Fi­nan­zie­rungs­in­stru­ment. Ein in­di­rek­ter Grund für die ra­sant stei­gen­den Im­mo­bi­li­en­prei­se in der ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Ko­lo­nie dürf­te die an­ge­kün­dig­te Ver­bes­se­rung der Ban­ken­sorg­falts­pflicht sein. Be­vor der au­to­ma­ti­sche In­for­ma­ti­ons­aus­tausch mit an­de­ren Ju­ris­dik­tio­nen in Kraft tritt, wird wohl ver­mehrt Geld von nicht voll­stän­dig de­kla­rier­ten Bank­kon­ten ab­ge­ho­ben und in Im­mo­bi­li­en an­ge­legt.

Die Aus­wüch­se am Im­mo­bi­li­en­markt sind um­so be­mer­kens­wer­ter an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Re­gie­rung seit 2009 neun Mal Mass­nah­men zur Be­ru­hi­gung des Im­mo­bi­li­en­markts er­grif­fen hat. Un­ter an­de­rem we­gen den re­kord­tie­fen Hy­po­the­kar­zin­sen blie­ben sie bis­her aber wir­kungs­los. Das Zins­ni­veau wie­der­um ist durch die An­bin­dung der lo­ka­len Wäh­rung an den Dol­lar aus­ser­or­dent­lich nied­rig.

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