Tie­fe Zin­sen trei­ben die Prei­se

Finanz und Wirtschaft - - IMMOBILIE - GAH

«Wir be­fin­den uns längst in ei­ner Im­mo­bi­li­en­bla­se», kom­men­tier­te Karl-Werner Hans­mann, eme­ri­tier­ter Wirt­schafts­pro­fes­sor der Uni­ver­si­tät Ham­burg, jüngst den deut­schen Im­mo­bi­li­en­markt. Hans­mann hat sich ein­ge­hend mit der Ent­ste­hung von Über­hit­zun­gen am Häu­ser­markt be­schäf­tigt. Bei der Un­ter­su­chung der Kri­sen der Nul­ler­jah­re in Spa­ni­en und den USA hat er sechs Ge­mein­sam­kei­ten her­aus­ge­ar­bei­tet, die den Kri­te­ri­en der UBS äh­neln (vgl. Text un­ten links). In Deutsch­land sei­en der­zeit al­le Fak­to­ren er­füllt.

Tat­säch­lich sind die Prei­se von Wohn­ei­gen­tum in der Bun­des­re­pu­blik in den letz­ten Jah­ren ra­sant ge­stie­gen. Mehr als ein Drit­tel ha­ben sich Ei­gen­tums­woh­nun­gen und Ein­fa­mi­li­en­häu­ser seit 2010 ver­teu­ert. Aus­ge­präg­ter war die Ent­wick­lung in den sie­ben gröss­ten Städ­ten: Dort be­trug der An­stieg so­gar zwei Drit­tel (vgl. Gra­fik un­ten links). Sor­ge be­rei­tet Hans­mann vor al­lem der im­mer grös­se­re Un­ter­schied zwi­schen Mie­ten und Kauf­prei­sen. Ers­te­re stie­gen zwar auch, die Teue­rung war mit 25% aber tie­fer. Das könn­te auf ver­mehrt spe­ku­la­ti­ve Käu­fe hin­deu­ten.

An­ge­sichts der tie­fen Hy­po­the­kar­zin­sen dürf­te der Trend zum Haus­kauf wei­ter­ge­hen, glaubt Mar­co Bar­gel, Chef­öko­nom der Post­bank. Die Si­tua­ti­on auf dem Ar­beits­markt und die gu­te Infrastruktur ma­che grös­se­re Städ­te noch at­trak­ti­ver. Ge­mäss der Stu­die könn­ten die Wohn­ei­gen­tums­prei­se in München und Dres­den bis 2030 jähr­lich mehr als 1% zu­neh­men. Ei­nen star­ken Preis­an­stieg er­war­tet die Post­bank auch in Ham­burg, Düs­sel­dorf und Köln.

Die Ent­wick­lung in den deut­schen Städ­ten ist in­ner­halb Eu­ro­pas kein Ein­zel­fall. Zu den Hoch­ri­si­ko­zo­nen ge­hört ge­mäss dem UBS Glo­bal Re­al Esta­te Bub­b­le In­dex 2016 ne­ben München auch Stock­holm. In der schwe­di­schen Haupt­stadt wird Kau­fen im Ver­gleich zur Mie­te im­mer teu­rer, aber auch im Ver­hält­nis zum Ein­kom­men sind die Haus­prei­se in der letz­ten De­ka­de mar­kant ge­stie­gen (vgl. Gra­fik un­ten rechts). Noch ist die Hy­po­the­kar­last dank des nied­ri­gen Zins­ni­veaus trag­bar. Aber be­reits ein klei­ner Zins­an­stieg könn­te vie­le Haus­hal­te in Schwie­rig­kei­ten brin­gen, glaubt die schwe­di­sche No­ten­bank.

Lon­don ge­hört eben­falls zu den teu­ers­ten Im­mo­bi­li­en­märk­ten Eu­ro­pas. Die Prei­se für Wohn­ei­gen­tum la­gen 2016 15% hö­her als auf dem Hö­he­punkt des letz­ten Booms 2007. Der Durch­schnitts­lohn ist ge­mäss UBS aber 10% ge­sun­ken. Da­zu kommt der Aus­tritt aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on. Der Auf­wärts­trend dürf­te sich des­halb ab­schwä­chen. Ins­be­son­de­re für Lu­xus­ap­par­te­ments feh­len die Käu­fer. So blei­ben die Woh­nun­gen im neus­ten Lon­do­ner Hoch­haus «The Shard» bis­her un­be­wohnt. Kauf­prei­se von bis zu 50 Mio. £ wa­ren dann wohl doch zu viel.

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