Alt­las­ten sind nicht ab­ge­baut

Finanz und Wirtschaft - - IMMOBILIE - CG,

Zehn lan­ge Jah­re ist es her, seit die Mons­ter­bla­se im ame­ri­ka­ni­schen Häu­ser­markt ge­platzt ist. Auf lan­des­wei­ter Ba­sis no­tie­ren die Im­mo­bi­li­en­prei­se in­zwi­schen zwar leicht hö­her als auf dem Top­ni­veau der Jah­re 2006/07. Den­noch sind die Nach­wir­kun­gen der Kri­se noch im­mer spür­bar: Der Bau­be­ginn neu­er Häu­ser – ei­ne Haupt­kenn­zif­fer zur Markt­ver­fas­sung – bleibt mit knapp 850 000 klar un­ter dem his­to­ri­schen Schnitt von rund 1,2 Mio. Auch ver­harrt der Be­völ­ke­rungs­an­teil an Haus­ei­gen­tü­mern auf dem tiefs­ten Stand seit den Sech­zi­ger­jah­ren. Das, weil sich Ban­ken mit Kre­di­ten zu­rück­hal­ten und vie­le Haus­hal­te sich nicht mit ei­ner Hy­po­thek be­las­ten wol­len. Statt­des­sen wer­den im­mer mehr Woh­nun­gen ge­mie­tet. We­gen des knap­pen An­ge­bots und der ho­hen Prei­se lebt zu­dem ein Drit­tel der Ame­ri­ka­ner im Al­ter von 18 bis 34 Jah­ren bei den El­tern.

Auf re­gio­na­ler Ebe­ne sieht das Bild dif­fe­ren­zier­ter aus. Von Flo­ri­da bis Ka­li­for­ni­en und Te­xas bis North Da­ko­ta ist der ame­ri­ka­ni­sche Häu­ser­markt so aus­ge­dehnt und viel­fäl­tig, dass sich die Prei­se in den ver­schie­de­nen Tei­len des Lan­des prak­tisch nie in die glei­che Rich­tung be­we­gen. Die gros­se Aus­nah­me wa­ren die Boom­jah­re 2000 bis 2006 und der fol­gen­de Crash. Die­se Ano­ma­lie war denn auch mass­geb­lich da­für ver­ant­wort­lich, dass die hoch­kom­ple­xen Hy­po­the­ken­pa­pie­re dra­ma­tisch an Wert ver­lo­ren und so das Fi­nanz­sys­tem 2008 fast zum Kol­la­bie­ren brach­ten. Ein Epi­zen­trum des Jahr­hun­dert­be­bens war bei­spiels­wei­se Las Ve­gas. Dort ten­die­ren die Im­mo­bi­li­en­prei­se seit dem Ein­bruch zwar wie­der fes­ter. Der lan­des­wei­ten Ent­wick­lung hin­ken sie aber noch im­mer hin­ter­her. In ty­pi­schen In­dus­trie­me­tro­po­len des Mitt­le­ren Wes­tens wie De­troit oder Cleve­land ha­ben sich die Häu­ser­prei­se in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten hin­ge­gen kaum be­wegt oder sind so­gar ge­sun­ken.

In an­de­ren Lan­des­tei­len gibt es der­weil An­zei­chen für neue Über­trei­bun­gen. Das gilt spe­zi­ell für Ka­li­for­ni­en, wo die Häu­ser­prei­se in ur­ba­nen Zen­tren wie San Fran­cis­co, Los An­ge­les und San Die­go in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kräf­tig avan­ciert sind. Ent­spre­chend deu­ten In­di­ka­to­ren wie das Ver­hält­nis der Ei­gen­heim­prei­se zum Ein­kom­men auf die Ge­fahr von Bla­sen hin. In der Tech-Ci­ty San Fran­cis­co zum Bei­spiel, wo die Prei­se zu­letzt leicht kor­ri­giert ha­ben, ge­ben Haus­hal­te im Schnitt mehr als 40% ih­rer Ein­künf­te für Hy­po­the­kar­kos­ten aus. Auch in an­de­ren Gross­städ­ten an der US-West­küs­te wie Se­at­tle und Port­land gibt es Hin­wei­se auf ei­ne Über­hit­zung. Ähn­li­ches trifft auf Mia­mi in Flo­ri­da zu, wo es wäh­rend der Bla­se zu be­son­ders wil­den Ex­zes­sen im Markt für Apart­ments ge­kom­men ist und nun er­neut viel Geld aus Süd­ame­ri­ka zu­strömt.

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