«Ir­ma» stützt den Öl­preis

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MICHA­EL PEYER

Die Öl­preis­dif­fe­renz zwi­schen den USA und Eu­ro­pa steigt mas­siv an.

Nach­dem Wir­bel­sturm «Har­vey» über Te­xas und Loui­sia­na her­ge­zo­gen war, stand mit «Ir­ma» der nächs­te Sturm im Fo­kus der Roh­stoff­märk­te. «Har­vey» hat­te die Ben­zin­prei­se nach oben schnel­len las­sen. An der New Yor­ker Roh­stoff­bör­se kos­te­te Ben­zin mit 2.1705 $ je Gal­lo­ne so viel wie seit zwei Jah­ren nicht.

Bei «Ir­ma» kam es an­ders, da der Wir­bel­sturm nicht fron­tal auf die Golf­küs­te traf, son­dern über die Land­zun­ge von Flo­ri­da feg­te. Vie­le Raf­fi­nie­ren konn­ten den Be­trieb wie­der auf­neh­men, die Ben­zin­prei­se san­ken. Zum Wo­chen­schluss no­tier­ten Ben­zinFu­tures mit 1.6362 $ je Gal­lo­ne tie­fer als in der Vor­wo­che.

Bei «Har­vey» ist die Öl­nach­fra­ge kurz­fris­tig ge­sun­ken. Die Raf­fi­ne­ri­en muss­ten den Be­trieb aus Si­cher­heits­grün­den ein­stel­len, auch nahm der Ver­brauch ab. Bei «Ir­ma» stieg der Öl­preis, da die Ver­ar­bei­tung nicht be­trof­fen war. Der Preis für US-Öl der Sor­te WTI no­tier­te zur Wo­chen­mit­te auf ei­nem Ein­mo­nats­hoch von 49.42 $ je Fass. Am Frei­tag­abend schloss er aber tie­fer auf 47.27 $.

An Fahrt ge­won­nen hat der eu­ro­päi­sche Öl­markt. Öl der Sor­te Brent stieg En­de ver­gan­ge­ne Wo­che auf 55 $ je Fass und da­mit auf den höchs­ten Wert seit Mit­te April. Gleich­zei­tig stieg auch der Preis­un­ter­schied zwi­schen Brent und WTI zeit­wei­se über die Mar­ke von 5.50 $. Fu­tures auf Brent-Öl han­deln in Back­war­da­ti­on – na­he Lie­fer­ter­mi­ne no­tie­ren zu ei­nem hö­he­ren Preis als spä­te­re Ter­mi­ne – bis ins Jahr 2018 hin­ein. Da­ge­gen no­tiert der WTI-Preis in Con­tan­go. Na­he Lie­fer­ter­mi­ne kos­ten al­so we­ni­ger als spä­te­re Ter­mi­ne. Sol­che grossen Preis­dif­fe­ren­zen zwi­schen den Öl­sor­ten soll­ten nicht lan­ge Be­stand ha­ben, da US-Ex­por­teu­re da­durch mehr ei­ge­nes Öl am Welt­markt ver­kau­fen soll­ten.

Der eu­ro­päi­sche Kon­trakt auf Heiz­öl klet­ter­te am Frei­tag mit 537.75 $ je Ton­ne auf den höchs­ten Wert seit Ju­li 2015. Bis Di­ens­tag­mit­tag ver­lor der Kon­trakt aber über 20 $ und no­tier­te auf 512 $.

Wir­bel­sturm «Ir­ma» hat­te schliess­lich we­ni­ger Scha­den an­ge­rich­tet als zu­erst be­fürch­tet. Am Mon­tag konn­te Flo­ri­das gröss­ter Ha­fen be­reits wie­der den Be­trieb auf­neh­men. Der­weil den­ken Ver­tre­ter von Sau­di-Ara­bi­en beim Öl­kar­tell Opec laut dar­über nach, die be­schlos­se­ne För­der­kür­zung von 1,8 Mio. Fass vor­zei­tig über das De­al-En­de von März 2018 zu ver­län­gern. Neu sol­len auch die För­der­län­der Li­by­en und Ni­ge­ria in das Ab­kom­men ein­be­zo­gen wer­den.

Be­züg­lich des Nu­kle­ar­pro­gramms von Nord­ko­rea konn­ten die Fi­nanz­märk­te et­was auf­at­men. Das Land hat­te über das Wo­che­n­en­de kei­ne neu­en Ra­ke­ten­tests ab­ge­hal­ten. Der UN-Si­cher­heits­rat hat­te sich auf schär­fe­re Sank­tio­nen ge­gen Nord­ko­rea ver­hängt. Die Aus­fuh­ren von Roh­öl nach Nord­ko­rea wur­den auf 2 Mio. Fass pro Jahr be­grenzt. Es ist un­klar, ob dies das nord­ko­rea­ni­sche Re­gime an den Ver­hand­lungs­tisch zwin­gen wird. Die Fi­nanz­märk­te star­te­ten freund­lich in die neue Wo­che. Der Dol­lar ten­dier­te eben­falls wie­der stär­ker.

Die Angst vor Ern­te­aus­fäl­len auf den Oran­gen­plan­ta­gen von Flo­ri­da we­gen «Ir­ma» lies­sen die Prei­se für Oran­gen­saft­kon­zen­trat am Mon­tag stark noch oben klet­tern. Der Ter­min­kon­trakt le­ge im Wo­chen­ver­gleich um fast 12% auf zeit­wei­se 1.5825 $ je Pfund zu.

Im Sü­den der USA ist die Getreideernte bald schon ein­ge­fah­ren. Die Mai­s­ern­te ist dort mit 97% fast ab­ge­schlos­sen. Lan­des­weit liegt die Ein­fuhr erst bei 5%. So­ja wur­de zu 40% schon ein­ge­fah­ren. Mais no­tier­te am Di­ens­tag zu 3.55 $ je Bus­hel (25.401 kg), So­ja zu 9.5775 $ je Bus­hel (27.215 kg).

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