Scha­dens­be­gren­zung

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - NI­CO­LAS PE­TER,

«Ir­ma» und «Nord­ko­rea» ver­lie­ren an Ein­fluss – Chi­na über­rascht.

Die Ak­ti­en­märk­te sind freund­lich in die neue Wo­che ge­star­tet und leg­ten auf brei­ter Front zu. Zu den Grün­den zählt, dass die Schä­den durch Hur­ri­kan «Ir­ma» tie­fer als er­war­tet sind, so­wie die Zu­rück­hal­tung Nord­ko­reas mit wei­te­ren Ra­ke­ten­tests zum Jah­res­tag der Staats­grün­dung. Ent­spre­chend ga­ben die zu­letzt ge­such­ten «si­che­ren Hä­fen» wie Gold oder US-Staats­an­lei­hen deut­lich nach.

So­wohl Chi­na als auch Gross­bri­tan­ni­en über­rasch­ten mit leicht hö­he­ren In­fla­ti­ons­ra­ten. In Chi­na stieg die In­fla­ti­on auf 1,8%, den höchs­ten Stand seit sie­ben Mo­na­ten, und lag klar über den er­war­te­ten 1,6%. Zu den Trei­bern ge­hör­ten un­ter an­de­rem ge­stie­ge­ne Nah­rungs­mit­tel­prei­se. Die Zahl liegt aber wei­ter un­ter­halb der von der Re­gie­rung an­ge­streb­ten Mar­ke von 3%. Auch die Er­zeu­ger­prei­se stie­gen mit 6,3% ge­gen­über Vor­jahr deut­lich. Nach dem län­ge­ren Rück­gang auf­grund von Über­ka­pa­zi­tä­ten ist dies ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, je­doch noch kein Be­frei­ungs­schlag, das Wachs­tum be­tref­fend.

Pfund als Preis­trei­ber

In Gross­bri­tan­ni­en ist die In­fla­ti­on im Ju­li auf 2,9% ge­stie­gen, so stark wie zu­letzt im Früh­ling 2012. Der Auf­trieb ist vor al­lem auf die teu­rer ge­wor­de­nen Im­por­te und hö­he­ren Le­bens­hal­tungs­kos­ten zu­rück­zu­füh­ren, da sich das bri­ti­sche Pfund seit dem Br­ex­it-Vo­tum mass­geb­lich ab­ge­wer­tet hat. Das Au­gen­merk rich­tet sich ent­spre­chend auf die am Mitt­woch ver­öf­fent­lich­ten Ar­beits­lo­sen­zah­len, vor al­lem aber auch auf die Sit­zung der Bank of En­g­land (BoE) am Don­ners­tag. Im Au­gust hat­ten noch sechs der acht Mit­glie­der des geld­po­li­ti­schen Aus­schus­ses der BoE da­für vo­tiert, die Zin­sen nicht zu ver­än­dern. Die­se Mehr­heit dürf­te brö­ckeln, ob­wohl we­gen der Br­ex­it-Un­si­cher­hei­ten die Zin­sen wahr­schein­lich noch nicht er­höht wer­den.

Po­si­ti­ves Mo­men­tum zeigt sich in Ja­pan. Mit ei­nem an­nua­li­sier­ten BIP-Plus von 4% über­traf die ja­pa­ni­sche Wirt­schaft die Er­war­tun­gen. In die glei­che Rich­tung deu­te­ten die am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten Ma­schi­nen­be­stel­lun­gen. Sie stie­gen im Ju­li ge­gen­über Ju­ni um 8%. We­gen der Nord­ko­rea-Kri­se wa­ren si­che­re Hä­fen wie der Yen ge­sucht. Die­ser hat zum Dol­lar seit En­de 2016 über 8% auf­ge­wer­tet und könn­te die ja­pa­ni­sche Wirt­schaft wie­der be­las­ten.

Ge­gen Nord­ko­rea hat der UnoSi­cher­heits­rat die Wirt­schafts­sank­tio­nen noch­mals ver­schärft. Be­son­ders hart tref­fen wird die Wirt­schaft des Lan­des die Dros­se­lung der Mi­ne­ral­öl­im­por­te, wel­che von rund 8,5 Mio. Fass auf 2 Mio. Fass pro Jahr be­grenzt wur­den. Hin­zu kommt, dass die nord­ko­rea­ni­schen Tex­til­aus­fuh­ren kom­plett ver­bo­ten wur­den und kei­ne neu­en Ar­beits­be­wil­li­gun­gen für nord­ko­rea­ni­sche Ar­bei­ter im Aus­land mehr aus­ge­stellt wer­den dür­fen. Der Si­cher­heits­rat ent­sprach nicht ganz den For­de­run­gen der USA, wel­che ein kom­plet­tes Ölem­bar­go ver­lang­ten und aus­län­di­sche Ver­mö­gens­wer­te des Macht­ha­bers und ho­her Par­tei­mit­glie­der ein­frie­ren woll­ten.

Schät­zun­gen re­du­ziert

Hur­ri­kan «Ir­ma» hat am Sonn­tag Flo­ri­da mit Wind­ge­schwin­dig­kei­ten von über 200 km/h er­reicht. Ob­wohl er von Ka­te­go­rie 4 auf Ka­te­go­rie 3 her­ab­ge­stuft wur­de, büss­te er kaum an Ge­fähr­lich­keit ein. Am Mon­tag zog Ir­ma als Hur­ri­kan der Stu­fe 1 wei­ter nach Nor­den. La­gen die Scha­dens­schät­zun­gen am Wo­che­n­en­de noch zwi­schen 30 Mrd. und 100 Mrd. $, so wur­den die er­war­te­ten Kos­ten mitt­ler­wei­le auf un­ter 50 Mrd. $ ver­an­schlagt.

Es wird je­doch Wo­chen dau­ern, bis der ge­naue Um­fang der Schä­den be­zif­fert wer­den kann. Ent­spre­chend ist der Swiss Re Cat Bond In­dex be­reits kräf­tig ein­ge­bro­chen. US-Sturm­ri­si­ken ge­hö­ren bei vie­len Cat Bonds – In­suran­ce Lin­ked Se­cu­ri­ties – zu den wich­tigs­ten Port­fo­li­o­kom­po­nen­ten. Auf­grund der re­vi­dier­ten Schät­zun­gen soll­te der In­dex­stand bei der nächs­ten Pu­bli­ka­ti­on al­ler­dings wie­der hö­her aus­fal­len. Swiss Re hat be­reits of­fi­zi­ell mit­ge­teilt, dass sich die ho­hen Kos­ten aus Na­tur­ka­ta­stro­phen po­si­tiv auf die Prä­mi­en­ein­nah­men, vor al­lem bei den Sach- und Rück­ver­si­che­run­gen, aus­wir­ken soll­ten.

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