Nest­lé setzt in den USA auf hip­pen Kaf­fee

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/KONSUM - ML

Für Nest­lé ist nur die Spit­ze gut ge­nug. Egal, ob bei Kaf­fee, Was­ser oder Ba­by­milch­pul­ver: Der Nah­rungs­mit­tel­her­stel­ler will Markt­füh­rer sein. Dar­um über­nimmt der Kon­zern die Mehr­heit an der ame­ri­ka­ni­schen Kaf­fee­haus­ket­te Blue Bott­le Cof­fee.

Welt­weit ist Nest­lé dank Ne­sca­fé und Nes­pres­so im Kaf­fee­markt Spit­ze. Markt­be­ob­ach­ter Eu­ro­mo­ni­tor schätzt den An­teil auf 22,4% – mehr als dop­pelt so viel wie die Num­mer zwei, Ja­cobs. In den USA sieht es aber an­ders aus. Nest­lé liegt ab­ge­schla­gen auf Platz fünf (vgl. Gra­fik). Das soll sich nun än­dern.

Auf Wachs­tums­kurs

Für ei­nen un­ge­nann­ten Preis er­wirbt Nest­lé 68% von Blue Bott­le Cof­fee. Laut der Agen­tur Bloom­berg kos­tet die Trans­ak­ti­on 500 Mio. $. Die rest­li­chen An­tei­le blei­ben in den Hän­den der Mit­ar­bei­ter und des Grün­ders Ja­mes Free­man, der 2002 im ka­li­for­ni­schen Oak­land den Grund­stein ge­legt hat­te. Na­mens­ge­ber war das Haus «Zur blau­en Fla­sche», ei­nes der ers­ten Kaf­fee­häu­ser Wi­ens.

Blue Bott­le Cof­fee ser­viert frisch ge­rös­te­ten Kaf­fee der höchs­ten Qua­li­tät – so­ge­nann­ten Spe­cial­ty Cof­fee. Da­mit hat das Un­ter­neh­men Er­folg. Die Kaf­fee­ket­te gilt als hip und zählt auf ei­ne treue Kund­schaft. Mit 29 Fi­lia­len ist sie pri­mär in ame­ri­ka­ni­schen Me­tro­po­len wie San Fran­cis­co, Los An­ge­les und New York prä­sent. Seit 2015 gibt es aber auch ein Lo­kal in To­kio. Bis En­de Jahr sol­len wei­te­re 26 Fi­lia­len hin­zu­kom­men.

Stra­te­gisch sinn­voll

Blue Bott­le Cof­fee soll ge­mäss der Me­di­en­mit­tei­lung ein «al­lein­ste­hen­des Un­ter­neh­men» un­ter dem be­ste­hen­den Ma­nage­ment blei­ben, aber gleich­zei­tig soll sie von Nest­lés Er­fah­rung und Reich­wei­te pro­fi­tie­ren. Wach­sen soll Blue Bott­le Cof­fee zu­dem im On­li­ne­ge­schäft. Hier hat Nest­lé dank Nes­pres­so be­reits Er­fah­rung.

Mit der Be­tei­li­gung setzt CEO Mark Schnei­der die Ak­qui­si­ti­ons­stra­te­gie in den USA fort. Ver­gan­ge­ne Wo­che kauf­te Nest­lé Sweet Earth, ei­nen Her­stel­ler von ve­ge­ta­ri­schen Pro­duk­ten, und im Ju­ni be­tei­lig­te sie sich an Fresh­ly, ei­nem On­li­ne­lie­fer­ser­vice. Der Zu­kauf von Blue Bott­le Cof­fee er­gibt Sinn. Ne­sca­fé ist in den USA füh­rend mit lös­li­chem Kaf­fee, 2016 wur­de bei Nes­pres­so die Ver­tuo­li­ne ein­ge­führt, die das Be­dürf­nis der Ame­ri­ka­ner nach gros­sen Kap­seln be­frie­digt, und mit Blue Bott­le Cof­fee deckt Nest­lé das Seg­ment Spe­cial­ty Cof­fee ab.

Auf die Ak­ti­en von Nest­lé hat der Zu­kauf noch kei­nen Ein­fluss. Der­zeit steckt Blue Bott­le Cof­fee in der Wachs­tums­pha­se, Ge­winn dürf­te noch kei­ner an­fal­len. Kann sich die Ket­te aber ge­gen ähn­li­che Kon­zep­te der Kon­kur­renz, wie Re­ser­ve von Star­bucks, durch­set­zen, sind die Aus­sich­ten ro­sig.

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