Pauls­kir­che

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Der Ei­ser­ne Steg führt in Frank­furt über den Main; im Hin­ter­grund er­strahlt die Turm­spit­ze der Pauls­kir­che. Nach der März­re­vo­lu­ti­on von 1848 tag­te dort die Na­tio­nal­ver­samm­lung, das ers­te ge­samt­deut­sche, de­mo­kra­tisch ge­wähl­te Par­la­ment. Der ova­le Hal­len­bau eig­ne­te sich ide­al für die Zu-

sam­men­kunft von 649 Ab­ge­ord­ne­ten; er wur­de ge­schmückt in den zu Zei­ten der Be­frei­ungs­krie­ge ge­gen Na­po­le­on in Schwang ge­kom­me­nen Far­ben Schwarz-Rot-Gold. Doch schon 1849 be­en­de­ten die re­ak­tio­nä­ren Kräf­te un­ter Preus­sens Re­gie den frei­heit­li­chen Spuk. Aus war’s mit der de­mo­kra­tisch-na­tio­na­len Ver­fas­sung, die Pauls­kir­che wur­de wie­der ein lu­the­ri­sches Got­tes­haus. Vie­le Re­vo­lu­tio­nä­re flo­hen nach Ame­ri­ka. Der be­rühm­tes­te der «For­ty-Eigh­ters» war Carl Schurz, der Ge­ne­ral der Uni­ons­ar­mee, Se­na­tor und USBun­des­mi­nis­ter wur­de. 1948 stand Frank­furt als Re­gie­rungs­sitz der jun­gen Bun­des­re­pu­blik zur De­bat­te, doch der Ent­scheid fiel zu­guns­ten Bonns, ganz im Sinn des Köl­ners und ers­ten Kanz­lers, Kon­rad Ade­nau­er. Hät­ten ein Jahr­hun­dert zu­vor die 1848er ge­won­nen, dann wä­re nun wohl Frank­furt deut­sche Haupt­stadt, nicht Ber­lin. Dort ist der Bun­des­tag von heu­te im­mer­hin ge­seg­net mit et­li­chen 1968ern.

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