Der Di­s­po­be­stand ent­schei­det – erst recht bei Cla­ri­ant

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Ak­tio­nä­re kön­nen in ih­ren Un­ter­neh­men nur mit­re­den, wenn sie ih­re Na­men­ak­ti­en ein­tra­gen las­sen. Kein Ein­trag im Ak­ti­en­buch, kein Stimm­recht. Im Fall des Spe­zi­al­che­mie­kon­zerns Cla­ri­ant kann das ele­men­tar wer­den. Er hat­te per En­de Ju­ni ei­nen Di­s­po­be­stand – ei­nen An­teil nicht ein­ge­tra­ge­ner Na­men­ak­ti­en – von 40,6%. Auf die­ser Ba­sis wä­ren nur knapp 60% der aus­ste­hen­den Ak­ti­en stimm­be­rech­tigt. Das ist we­nig, un­ter den Mit­glie­dern des Swiss Le­a­der In­dex SLI aber nicht un­ge­wöhn­lich (vgl. Ta­bel­le).

Der Di­s­po­be­stand ent­schei­det mass­geb­lich über die Macht­ver­hält­nis­se an ei­ner Ge­ne­ral­ver­samm­lung. Je hö­her er ist, des­to grös­ser wird das Ge­wicht der ein­ge­tra­ge­nen Ti­tel. Sind nur 60% stimm­be­rech­tigt, und sind sie al­le an der GV ver­tre­ten, reicht die Hälf­te – 30% der aus­ste­hen­den Ti­tel – für ein ein­fa­ches Mehr. Sind nicht al­le der stimm­be­rech­ti­gen Ak­ti­en an der GV prä­sent, liegt die Lat­te für ei­ne Mehr­heit noch nied­ri­ger.

An der a. o. GV von Cla­ri­ant zur Fu­si­on mit Hunt­s­man wer­den die Ver­hält­nis­se noch ex­tre­mer sein: Für grü­nes Licht braucht es ein Zwei­drit­tel­mehr – auf Ba­sis der ver­tre­te­nen Stim­men (brief­lich oder vor Ort) aus ein­ge­tra­ge­nen Ak­ti­en.

Das be­deu­tet, mit dem Di­s­po­be­stand von En­de Ju­ni rei­chen 20% der aus­ste­hen­den Ak­ti­en, so­fern ein­ge­tra­gen, um das Vor­ha­ben zu bo­di­gen (ein Drit­tel der stimm­be­rech­tig­ten 60%). Da kön­nen die Hal­ter der an­de­ren 80% – die rest­li­chen re­gis­trier­ten und die 40% nicht re­gis­trier­ten Ak­ti­en – noch lan­ge da­für sein. Auf die wich­ti­ge Ab­stim­mung hin dürf­te der Di­s­po­be­stand frei­lich noch sin­ken, so­dass es ent­spre­chend mehr Stim­men braucht, um den Plan zu durch­kreu­zen.

Doch der ak­ti­vis­ti­sche Ak­tio­när Whi­te Ta­le, der sich ge­gen die Fu­si­on in der ge­plan­ten Form aus­spricht, hält be­reits 15,1% an Cla­ri­ant. Er wird den Ein­trag nicht ver­säu­men. Soll­te die Fu­si­on schei­tern, darf aber nie­mand mit dem Fin­ger auf ihn zei­gen. Es sind die nicht ein­ge­tra­ge­nen Na­men­ak­ti­en, die das Ge­wicht ver­schie­ben und so die Ak­tio­närs­de­mo­kra­tie schwä­chen. Ein Ein­trag kann über die de­pot­füh­ren­de Bank mit ei­nem ent­spre­chen­den Ge­such ver­an­lasst wer­den.

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