Muss man sich jetzt um Ita­li­en sor­gen?

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - LU­KE BARTHOLOMEW,

Auf den ers­ten Blick er­scheint der Aus­blick für Eu­ro­pa so ro­sig wie seit Vor­fi­nanz­kri­sen­zei­ten nicht mehr. Po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en schnit­ten bei den Wah­len in Ös­ter­reich, den Nie­der­lan­den und Frank­reich we­ni­ger gut ab als er­war­tet, wäh­rend sich die Wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne im Auf­schwung be­fin­det. Al­ler­dings gibt es ei­ne gros­se schwar­ze Wol­ke am blau­en Him­mel über Eu­ro­pa: die ita­lie­ni­sche Po­li­tik.

Ita­li­en muss bis spä­tes­tens Mai 2018 Par­la­ments­wah­len ab­hal­ten. An­ge­sichts der eu­rof­eind­li­chen Ein­stel­lung ei­ni­ger Par­tei­en sind die Wah­len mit ei­nem Ri­si­ko ver­bun­den. Un­ter den gros­sen Par­tei­en ist der ge­mäs­sigt lin­ke Par­ti­to De­mo­cra­ti­co (PD) der ein­zi­ge, der sich ein­deu­tig für den Eu­ro aus­spricht. Die rechts­po­pu­lis­ti­sche Le­ga Nord wür­de wahr­schein­lich ver­su­chen, die Ge­mein­schafts­wäh­rung zu ver­las­sen, und die links­po­pu­lis­ti­sche Fünf-Ster­ne-Be­we­gung (M5S) will ein Re­fe­ren­dum über den Ver­bleib in der Eu­ro­zo­ne ab­hal­ten.

Jüngst schlug der ehe­ma­li­ge Mi­nis­ter­prä­si­dent Ber­lus­co­ni vor, par­al­lel zum Eu­ro ei­ne zwei­te Wäh­rung in Ita­li­en ein­zu­füh­ren. Da­mit ver­sucht Ber­lus­co­ni, ei­ne Ba­sis für ein Bünd­nis zwi­schen der Le­ga Nord und sei­ner rechts­kon­ser­va­ti­ven For­za Ita­lia zu schaf­fen. Ge­mein­sam kom­men die Par­tei­en in Um­fra­gen auf 35%, wäh­rend M5S bei 30% liegt – so­mit könn­ten zwei Drit­tel der Stim­men an eu­rof­eind­li­che Par­tei­en ge­hen.

Zwar ist es wei­ter­hin äus­serst un­wahr­schein­lich, dass Ita­li­en für den Eu­ro-Aus­tritt stimmt. Doch al­lein das Re­fe­ren­dum wür­de für reich­lich Un­ru­he sor­gen. Es könn­te zu ei­nem An­sturm auf ita­lie­ni­sche Ban­ken kom­men, wenn die Ein­le­ger die er­zwun­ge­ne Um­wand­lung ih­rer Kon­ten von Eu­ro in Li­ra be­fürch­ten. Und die EZB hät­te un­ter sol­chen Um­stän­den Schwie­rig­kei­ten, mit ih­rer be­din­gungs­lo­sen Un­ter­stüt­zungs­er­klä­rung glaub­haft hin­ter dem Sys­tem zu ste­hen. Die Fol­gen könn­ten ein schwe­rer Kon­junk­tur­schock und vor­über­ge­hen­de Ka­pi­tal­kon­trol­len sein.

Wäh­rend al­so der Aus­blick für Eu­ro­pa ins­ge­samt po­si­tiv ist, soll­ten sich die An­le­ger be­wusst sein, dass wei­ter­hin po­li­ti­sche Ri­si­ken be­ste­hen und die Fra­ge nach dem Über­le­ben des Eu­ros noch nicht voll­stän­dig aus­ge­räumt ist.

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