A­Ak­ti­en neu in der Top­li­ga

Nach Ma­ha­thirs Wahl­sieg wird 1MDB-Skan­dal neu auf­ge­rollt.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ERNST HERB,

Am kom­men­den Mon­tag gibt MSCI be­kannt, wel­che chi­ne­si­schen Fest­land­va­lo­ren ab Ju­ni erst­mals in Bör­sen­ba­ro­me­tern wie dem MSCI Emer­ging Mar­kets be­rück­sich­tigt wer­den. Die Än­de­run­gen wer­den In­vest­ment­ve­hi­kel, die die MSCI­In­dex­fa­mi­lie als Bench­mark ge­brau­chen, zwin­gen, sol­che A­Ak­ti­en zu kau­fen. Zwar dürf­ten sich die da­durch aus­ge­lös­ten Ka­pi­tal­be­we­gun­gen in Gren­zen hal­ten, doch par­al­lel zur fort­ge­setz­ten Markt­li­be­ra­li­sie­rung wird das Ge­wicht Chi­nas im MSCI Emer­ging Mar­kets auf mehr als 40% stei­gen – und das Land die An­le­ger­be­deu­tung er­lan­gen, die es an­ge­sichts sei­ner Wirt­schafts­kraft auch ver­dient.

Mit dem Über­ra­schungs­sieg der Op­po­si­ti­on bei den ma­lay­si­schen Par­la­ments­wah­len steht das Land vor un­ge­wis­sen Zei­ten. Das weiss auch der am Don­ners­tag ins Amt ein­ge­schwo­re­ne Pre­mier­mi­nis­ter Ma­ha­thir Mo­ha­mad, der ver­spro­chen hat, dass es zu kei­nem Ra­che­feld­zug ge­gen den un­ter­le­ge­nen po­li­ti­schen Geg­ner kom­men wird. «Das Wich­tigs­te ist jetzt die Wirt­schaft», sag­te der 92-jäh­ri­ge Ma­ha­thir, der das Land be­reits zwi­schen 1981 und 2003 re­giert hat­te.

Die­se be­ru­hi­gen­den Wor­te konn­ten aber nicht ver­hin­dern, dass die Lan­des­wäh­rung Ring­git nach Be­kannt­ga­be des Wahl­re­sul­tats an Aus­sen­wert ver­lo­ren hat. Die Bör­se Kua­la Lum­pur blieb am Don­ners­tag und Frei­tag ge­schlos­sen, doch ist der in New York ge­han­del­te In­dex­fonds iSha­res MSCI Ma­lay­sia in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te zeit­wei­se bei­na­he 10% ein­ge­bro­chen. Aus­län­di­sche In­ves­to­ren, die seit An­fang Jahr Net­to­käu­fe von 3 Mrd. Ring­git (759 Mio. $) ab­ge­wi­ckelt ha­ben, wa­ren von ei­nem Wahl­sieg des vom al­ten Pre­mier­mi­nis­ter Na­jib Raz­ak an­ge­führ­ten Par­tei­en­bünd­nis­ses Ba­ri­san Na­sio­nal (BN) aus­ge­gan­gen.

Die jetzt an die Macht ge­kom­me­ne Par­tei­en­ko­ali­ti­on Pa­ka­tan Ha­ra­pan (PH) hat­te wäh­rend des Wahl­kampfs die Ab­schaf­fung der 2015 von der Vor­gän­ger­re­gie­rung ein­ge­führ­ten Um­satz­steu­er auf Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen ver­spro­chen. Auch mach­te sie mit der un­ter Na­jib vor­ge­nom­me­nen Sen­kung der Treib­stoff­sub­ven­tio­nen Stim­mung ge­gen die Re­gie­rung. Bei­de Re­for­men wa­ren äus­sert un­po­pu­lär. Doch sie gel­ten auch als mu­tigs­te po­li­ti­sche Schrit­te Na­jibs, wur­den da­mit doch die Staats­fi­nan­zen auf ei­ne so­li­de­re Ba­sis ge­stellt.

Kre­dit­ra­ting ist in Ge­fahr

Soll­te Ma­ha­thir die­se Re­for­men oh­ne kom­pen­sie­ren­de Mass­nah­men rück­gän­gig ma­chen, könn­te die un­ter sei­nem Vor­gän­ger er­reich­te Ge­sun­dung des öf­fent­li­chen Haus­halts ei­nen Rück­schlag er­lei­den. «Die Kon­so­li­die­rung der Fis­kal­la­ge und da­mit auch die Be­wer­tung der staat­li­chen Ver­pflich­tun­gen sind jetzt ei­ner er­höh­ten Ge­fahr aus­ge­setzt», schreibt No­mu­ra. Die­ses Ri­si­ko ist um­so grös­ser, als sich die im Aus­land aus­ste­hen­den Schul­den auf über 67% des Brut­to­in­land­pro­dukts be­lau­fen.

Ma­ha­thir hat sol­che Ein­wän­de bis­her im­mer vom Tisch ge­wischt mit dem Ver­weis auf die im Fal­le sei­nes Wahl­siegs vor­ge­se­he­ne Be­schlag­nah­mung der aus dem Staats­fonds 1MDB un­ter­schla­ge­nen Gel­der. Na­jib, der in Äm­ter­ku­mu­la­ti­on auch Fi­nanz­mi­nis­ter und da­mit Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von 1MDB war, trägt für den Skan­dal die po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung. Noch schwe­rer wiegt, dass aus dem Staats­fonds ent­wen­de­te Gel­der mut­mass­lich in die Ta­schen von Fa­mi­li­en­mit­glie­dern und Ver­bün­de­ten Na­jibs so­wie in die Fi­nan­zie­rung po­li­ti­scher Kam­pa­gnen ge­flos­sen sind.

Auf­re­gung in der Schweiz

Ob ver­un­treu­tes Geld und vor al­lem in dem von Ma­ha­thir ver­spro­che­nen Um­fang von über 4 Mrd. $ wirk­lich zu­rück in die Staats­kas­se fliesst, bleibt of­fen. Der neue Pre­mier­mi­nis­ter hat aber be­reits klar­ge­macht, dass der Fall auch ju­ris­tisch neu auf­ge­ar­bei­tet wer­den soll. Weil mut­mass­lich ge­stoh­le­ne Gel­der auch auf Bank­kon­ten im Aus­land ge­bucht wor­den sind, ha­ben un­ter an­de­rem die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den in der Schweiz, Sin­ga­pur und den USA Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men. Die vor­ma­li­ge ma­lay­si­sche Re­gie­rung zeig­te in­des kei­ne Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft. Doch die Rechts­hil­fe­ge­su­che dürf­ten jetzt zü­gig be­ar­bei­tet wer­den. Das könn­te ge­ra­de am Schwei­zer Fi­nanz­platz noch für Auf­re­gung sor­gen.

Die kom­men­den Wo­chen wer­den auch zei­gen, wie sich dasVer­hält­nis Kua­la Lum­purs zu Peking ent­wi­ckeln wird. Chi­na ist nicht nur der wich­tigs­te Han­dels­part­ner, son­dern auch ei­ner der gröss­ten In­ves­to­ren Ma­lay­si­as, so et­wa auf dem Im­mo­bi­li­en­markt. Chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren im Rah­men der von Peking vor­an­ge­trie­be­nen «neu­en Sei­den­stras­se» in Ma­lay­sia 34 Mrd. $ in neue In­fra­struk­tur­pro­jek­te.

Das hat in der Be­völ­ke­rung Ängs­te vor ei­nem Aus­ver­kauf der Hei­mat ge­schürt, die von der Op­po­si­ti­on im Wahl­kampf auch hef­tig an­ge­feu­ert wor­den sind. Die No­ten­bank hat ih­rer­seits Be­den­ken über die län­ger­fris­ti­ge Fi­nan­zie­rung die­ser Pro­jek­te vor­ge­bracht, doch sind die chi­ne­si­schen In­ves­ti­tio­nen be­reits jetzt zu ei­nem wich­ti­gen Wachs­tums­mo­tor der Wirt­schaft ge­wor­den. Es wird für Ma­ha­thir nicht ein­fach sein, al­le im Wahl­kampf ge­mach­ten Ver­spre­chen zu er­fül­len.

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