Start für das Start-up der gros­sen Ver­si­che­rer

Swiss Re spannt mit Kon­kur­ren­ten zu­sam­men, um Block­chain-Tech­nik durch­zu­set­zen.

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS HENGARTNER

Die Ver­si­che­rer müs­sen ef­fi­zi­en­ter wer­den. Ver­trieb, Pro­duk­ter­stel­lung, Do­ku­men­ta­ti­on und Ad­mi­nis­tra­ti­on ver­schlin­gen ei­nen er­heb­li­chen Teil der Prä­mi­en, die Kun­den für Ver­si­che­rungs­de­ckung be­zah­len. Im Be­reich Scha­den­ver­si­che­rung steht die Kos­ten­quo­te auf knapp 30% der Prä­mi­enein­nah­men, in der Le­bens­ver­si­che­rung auf et­wa 20%. Nun star­ten die Gros­sen der Bran­che zu­sam­men ein Start-up, das dank Block­chain-Tech­nik die Kos­ten al­ler senkt.

Prä­si­diert wird das Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men B3i – steht für Block­chain In­suran­ce In­dus­try In­itia­ti­ve – von Ger­hard Loh­mann, der in sei­nem Haupt­job Fi­nanz­chef der Rück­ver­si­che­rungs­spar­te von Swiss Re ist. «Un­se­re Am­bi­ti­on ist es, die Durch­füh­rungs­kos­ten des glo­ba­len Ver­si­che­rungs­ge­schäfts um bis zu 30% zu ver­schlan­ken», sagt er im Ge­spräch.

Der 51-jäh­ri­ge Ma­na­ger steht ei­nem Neoun­ter­neh­men vor, das von vie­len ganz Gros­sen der Ver­si­che­rungs­bran­che fi­nan­ziert wird, dar­un­ter an vor­ders­ter Stel­le den markt­füh­ren­den Al­li­anz, Mün­che­ner Rück, Swiss Re und Zu­rich In­suran­ce.

Selbst für Dis­rup­ti­on sor­gen

Mit dem Pla­zet die­ser Kon­zer­ne ist das Start-up B3i auf Dis­rup­ti­on aus. Das Ziel ist, die eta­blier­te Ge­schäfts­ket­te auf­zu­bre­chen – aber nicht, um die bis­he­ri­gen As­se­ku­ranz­un­ter­neh­men zu ver­drän­gen, son­dern um sie zu stär­ken, wie Loh­mann be­tont: «Wenn das klappt, wird Ver­si­che­rung güns­ti­ger für al­le und folg­lich für vie­le Men­schen in un­ter­ver­si­cher­ten Län­dern über­haupt erst er­schwing­lich.»

Die Block­chain-Tech­nik soll die Auf­ga­ben über die gan­ze Lie­fer­ket­te der Ver­si­che­rungs­bran­che hin­weg au­to­ma­ti­sie­ren. Da­ten ge­hen vom Kun­den über den Mak­ler oder den Agen­ten zum Erst­ver­si­che­rer, dann ag­gre­giert mit vie­len wei­te­ren Trans­ak­tio­nen über an­de­re Bro­ker wei­ter zum Rück­ver­si­che­rer. Von dort wer­den gar Tei­le sol­cher Ver­trags­bün­del in Form von Ver­brie­fun­gen wie Cat Bonds hin zu in­sti­tu­tio­nel­len Geld­an­le­gern ver­la­gert.

Al­le in die­sen Pro­zes­sen be­nö­tig­ten In­for­ma­tio­nen müss­ten nur ein­mal und nicht von je­dem wei­te­ren Un­ter­neh­men er­neut ge­prüft und er­fasst wer­den, wenn sich die Bran­che auf ei­nen Block­chainStan­dard ei­nigt. Dann wür­den die Par­tei­en ak­zep­tie­ren, un­ter­ein­an­der di­gi­tal les­ba­re, aber ver­än­de­rungs­ge­si­cher­te Da­ten­sät­ze zu nut­zen.

Clau­dio Sta­del­mann vom Be­ra­ter Bea­rin­gPo­int er­war­tet, dass mit ei­nem Ge­lin­gen des B3i-Pro­jekts auf meh­re­ren Ebe­nenVor­tei­le ent­ste­hen: «Kom­men ver­brei­tet Smart Contracts zum Ein­satz, kön­nen die Schnitt­stel­len zwi­schen Erst­ver­si­che­rer, Rück­ver­si­che­rer und Bro­ker au­to­ma­ti­siert und die Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­se op­ti­miert wer­den.» Der Lei­ter Ver­si­che­rungs­be­ra­tung Schweiz be­rich­tet, No­vum sei­en selbst­zah­len­deVer­si­che­rungs­pro­duk­te, die auf Block­chain ba­sie­ren: «Zum Bei­spiel sol­che, die bei ver­spä­te­ten Flü­gen au­to­ma­tisch ei­ne Zah­lung an Po­li­cen­in­ha­ber aus­lö­sen, so­bald der Flug ei­ne be­stimm­te Ver­spä­tungs­gren­ze über­schrit­ten hat.»

Ge­mäss Sta­del­mann hat B3i ein ers­tes Rück­ver­si­che­rungs­pro­dukt im Pro­be­lauf, das die An­for­de­run­gen an ein de­zen­tra­les in­tel­li­gen­tes Ver­trags­ver­wal­tungs­sys­tem er­füllt: «Ei­ne wich­ti­ge Er­folgs­kom­po­nen­te wird sein, dass al­le be­tei­lig­ten Part­ner ei­nen Nut­zen aus B3i zie­hen kön­nen.»

Ei­ne Be­tei­li­gung am Stan­dard – und auch am Ka­pi­tal von B3i – steht ge­mäss Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Loh­mann den Erst- und den Rück­ver­si­che­rern, Bro­kern und Kon­zer­nen mit ei­ge­ner Ver­si­che­rungs­spar­te bzw. Cap­ti­ve of­fen: «Ope­ra­tiv star­ten wer­den wir erst, wenn ge­nü­gend Part­ner zu­si­chern, ein grös­se­res Ge­schäfts­vo­lu­men über die Block­chainTech­nik ab­zu­wi­ckeln.»

Ent­ste­hen wer­de kein In­ter­net-Markt­platz, wo al­les für al­le zu se­hen sei, son­dern die Mög­lich­keit für die Teil­neh­men­den, nur den je­weils spe­zi­fisch aus­ge­wähl­ten Par­tei­en Ein­sicht in die Kon­trak­te und die Be­din­gun­gen zu ge­wäh­ren. Ge­schlos­sen wür­den die Ver­trä­ge wei­ter­hin di­rekt zwi­schen ei­nig ge­wor­de­nen Par­tei­en. Der Aus­tausch von Ver­trags­de­tails wie auch die Geld­flüs­se in bei­den Rich­tun­gen aber wür­den über das Block­chain-Ver­fah­ren kos­ten­spa­rend für al­le ab­ge­wi­ckelt wer­den.

Wie die Schweiz punk­tet

Der Standort Zü­rich hat sich durch­ge­setzt – ge­gen hef­tig buh­len­de an­de­re Start-upStäd­te, wie Loh­mann er­zählt. Am Schluss zähl­ten als Vor­zü­ge ins­be­son­de­re das Re­nom­mee der tech­ni­schen Hoch­schu­le ETH und die Nä­he zum Cryp­to Val­ley Zug.

Der Swiss-Re-Ma­na­ger, der nach Aus­bil­dung bei der Deut­schen Bank in der West­schweiz Volks­wirt­schaft stu­dier­te und da­nach erst beim Be­ra­ter PwC und spä­ter bei Cre­dit Suis­se As­set Ma­nage­ment Kar­rie­re mach­te, hat die Be­geis­te­rung für die Un­ter­neh­mens­grün­dung be­reits an ei­nen der Söh­ne wei­ter­ge­ge­ben: Der Spross hat nach de­mWirt­schafts­stu­di­um in St. Gal­len in der Grün­dungs­me­tro­po­le Ber­lin ge­ra­de ein Start-up im Mo­de­ge­schäft lan­ciert.

Die Kos­ten der Ver­si­che­rer könn­ten dank neu­er Di­gi­tal­tech­nik bis 30% fal­len, auch zum Vor­teil der Ver­si­che­rungs­kun­den.

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