RBS ge­lingt der Be­frei­ungs­schlag

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Die Gross­bank ei­nigt sich auf ei­nen Ver­gleich mit den USA. Nun sind Re­pri­va­ti­sie­rung und Di­vi­den­den­zah­lun­gen mög­lich.

Nach über zehn Jah­ren nä­hert sich mit der Roy­al Bank of Scot­land (RBS) auch die letz­te eu­ro­päi­sche Gross­bank dem En­de der Au­f­ar­bei­tung der Fi­nanz­kri­se. In der Nacht auf Don­ners­tag gab RBS be­kannt, sich mit dem ame­ri­ka­ni­schen De­part­ment of Justi­ce (DoJ) auf ei­nen 4,9 Mrd. $ schwe­ren Ver­gleich ge­ei­nigt zu ha­ben.

Die­ser Be­trag lag deut­lich un­ter den Er­war­tun­gen der Ana­lys­ten. Die­se hat­ten mit ei­ner Zah­lung von bis zu 12 Mrd.$ ge­rech­net. Die Er­leich­te­rung über die ver­gleichs­wei­se tie­fe Bus­se mach­te sich auch an der Bör­se be­merk­bar. Bis am Frei­tag leg­ten die RBS-Va­lo­ren 6% zu.

Die wohl­wol­len­de Be­hand­lung von RBS über­rasch­te die Be­ob­ach­ter, weil dem bri­ti­schen Fi­nanz­in­sti­tut ei­ne Mit­ver­ant­wor­tung an der glo­ba­len Fi­nanz­kri­se 2008 zu­ge­spro­chen wird. Die Bank hat­te da­mals Wert­pa­pie­re ver­kauft, die mit fau­len ame­ri­ka­ni­schen Hy­po­the­ken ab­ge­si­chert wa­ren. Un­ter an­de­rem gal­ten die­se Pa­pie­re als Aus­lö­ser der Kri­se, die zahl­rei­che Ban­ken in exis­ten­zi­el­le Nö­te ge­trie­ben hat­te.

Auch die RBS, vor der Fi­nanz­kri­se kurz­fris­tig die gröss­te Bank der Welt, ge­mes­sen an der Bi­lanz­sum­me, muss­te mit mil­li­ar­den­ho­hen In­ter­ven­tio­nen des bri­ti­schen Staats ge­ret­tet wer­den. Auch heu­te be­sitzt Gross­bri­tan­ni­en noch über 70% des Un­ter­neh­mens. Ei­ne Ei­ni­gung mit den USA ist die Vor­aus­set­zung, um die Staats­be­tei­li­gung im Wert von rund 3 Mrd. £ schritt­wei­se ab­zu­bau­en. Seit die bri­ti­sche Re­gie­rung vor ei­nem Jahr be­kannt­ge­ge­ben hat­te, ih­re An­tei­le an Lloyds zu ver­äus­sern, war RBS noch die letz­te in Staats­be­sitz ver­blie­be­ne Bank des Lan­des. Zu­dem er­öff­net der Ver­gleich erst­mals seit zehn Jah­ren die Mög­lich­keit, wie­der Di­vi­den­den an die Ak­tio­nä­re aus­zu­schüt­ten.

Der Ver­gleich be­las­tet das Er­geb­nis im zwei­ten Quar­tal mit 1,44 Mrd. $. Der rest­li­che Be­trag war be­reits vor­gän­gig zu­rück­ge­stellt wor­den. RBS-Chef Ross McEwan be­zeich­net den Ver­gleich als «gros­sen Mei­len­stein, um die Bank end­gül­tig aus der Kri­se zu füh­ren.» McEwan, der seit fünf Jah­ren an der Spit­ze der Bank steht, konn­te zu­letzt ver­schie­de­ne klei­ne­re Er­fol­ge fei­ern. So wur­den ei­ni­ge Rechts­strei­tig­kei­ten be­sei­tigt, zu­dem kehr­te die Bank im Ge­schäfts­jahr 2017 erst­mals seit der Fi­nanz­kri­se wie­der in die Ge­winn­zo­ne zu­rück. Un­ter dem Strich blie­ben 752 Mio. £ üb­rig, ein Jahr zu­vor hat­te der Ver­lust noch fast 7 Mrd. £ be­tra­gen.

Seit 2008 hat­te die RBS we­gen der Fi­nanz­kri­se, frag­wür­di­ger Ge­schäfts­prak­ti­ken, ge­wag­ten Spe­ku­la­tio­nen und der miss­glück­ten Über­nah­me der nie­der­län­di­schen ABN Am­ro 58 Mrd. £ Ver­lust an­ge­häuft. Zu­dem hat­te der Staat 2008 mit ei­ner Hilfs­ak­ti­on 43,5 Mrd. £ in die ma­ro­de Bank ge­pumpt, um sie vor dem Bank­rott zu ret­ten.

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