Ak­ti­en­rück­käu­fe schla­gen In­ves­ti­tio­nen

Ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men re­agie­ren auf die Steu­er­re­form. Der Haupt­teil der ver­füg­ba­ren Mit­tel fliesst in die Ta­schen der Ak­tio­nä­re.

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MAR­TIN LÜSCHER,

Apple ist das Pa­ra­de­bei­spiel. Der ITKo­loss zeigt, was US-Ge­sell­schaf­ten mit dem Ge­winn aus der Steu­er­re­form ma­chen. Auf An­fang Jahr hat­te die US-Re­gie­rung die Un­ter­neh­mens­steu­er von 35 auf 21% ge­senkt und die Re­pa­tri­ie­rung von Ge­win­nen aus dem Aus­land at­trak­ti­ver ge­macht. Apple kün­dig­te dar­auf im Ja­nu­ar an, den Gross­teil der 252 Mrd. $ im Aus­land ge­park­ten Gel­der in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu­rück­zu­füh­ren. Da­für zahlt der Her­stel­ler des iPho­ne der Re­gie­rung ei­ne ein­ma­li­ge Ge­bühr von 38 Mrd. $.

Die Steu­er­sen­kung soll Un­ter­neh­men da­zu ver­lo­cken, den Ge­winn in Pro­duk­ti­ons­an­la­gen im In­land zu in­ves­tie­ren und da­mit die Wirt­schaft an­zu­kur­beln (vgl. Kas­ten rechts). Ent­spre­chend ver­sprach Apple, über die nächs­ten fünf Jah­re 30 Mrd. $ zu in­ves­tie­ren. Da­mit sol­len in den USA mehr als 20 000 Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen wer­den. Das ist zwar ei­ne gros­se Zahl, aber nur ein Bruch­teil des­sen, was Apple für die ei­ge­nen Ak­tio­nä­re aus­gibt. Denn An­fang Mai kün­dig­te Apple ein Rück­kauf­pro­gramm über 100 Mrd. $ an. Das ent­spricht fast der Hälf­te der Staats­schul­den der Schweiz.

Cloud sei Dank

Be­reits 2004 führ­te die US-Re­gie­rung ein Pro­gramm zur Re­pa­tri­ie­rung von aus­län­di­schen Ge­win­nen durch. Laut Jim McDo­nald, Chief In­vest­ment Stra­te­gist vom Fi­nanz­un­ter­neh­men Nort­hern Trust, wur­den da­mals «94% des re­pa­tri­ier­ten Gel­des für Ak­ti­en­rück­käu­fe und Di­vi­den­den ver­wen­det». Ähn­li­ches er­war­tet er beim ak­tu­el­len Pro­gramm. Aber nicht nur die Gel­der aus dem Aus­land dürf­ten den Ak­tio­nä­ren zu­flies­sen. Die Deut­sche Bank hat 125 Quar­tals­prä­sen­ta­tio­nen ana­ly­siert und ist zum Schluss ge­kom­men, dass Ak­ti­en­rück­käu­fe ei­ner der Haupt­ver­wen­dungs­zwe­cke des über­schüs­si­gen Cash­flows ist. Die Ana­lys­ten der Gross­bank rech­nen mit ei­ner wei­te­ren Stei­ge­rung und ei­nem Re­kord­vo­lu­men (vgl. Grafik 1).

Nicht ganz so stark ge­stie­gen sind die In­ves­ti­tio­nen in Ka­pi­tal­an­la­gen. Die Ana­lys­ten der Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch ha­ben im ers­ten Quar­tal ein Plus von 24% ge­gen­über dem Vor­jahr re­gis­triert. An­ge­trie­ben wird es vom Tech­no­lo­gie­sek­tor mit ei­nem Wachs­tum von 75% (vgl. Grafik 2). «Der­zeit gibt es vie­le In­ves­ti­tio­nen im Cloud-Ge­schäft», sagt Gior­gio Ca­pu­to vom As­set Ma­na­ger JO Ham­bro. So hat bei­spiels­wei­se die Al­pha­bet-Toch­ter Goog­le im ver­gan­ge­nen Quar­tal die In­ves­ti­tio­nen bei­na­he ver­drei­facht auf 7,7 Mrd. $. Oh­ne den IT-Sek­tor wür­de das Plus nur 13% be­tra­gen.

Ge­schäfts­ent­wick­lung zählt

Jim Ti­er­ney, Chief In­vest­ment Of­fi­cer vom US Growth Fund des Ver­mö­gens­ver­wal­ters Al­li­an­ceBern­stein, sieht bei den ge­stie­ge­nen Ka­pi­tal­aus­ga­ben kei­nen Zu­sam­men­hang mit der Steu­er­sen­kung. «Es gibt kaum Pro­jek­te, die Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht hät­ten um­set­zen kön­nen», sagt er. «Ge­sell­schaf­ten hat­ten wäh­rend der letz­ten Jah­re ei­nen star­ken ope­ra­ti­ven Cash­flow, und die Ka­pi­tal­kos­ten wa­ren nied­rig», er­gänzt er.

Auch die Ana­lys­ten der Bank of Ame­ri­ca zwei­feln an ei­nem «lang­fris­ti­gen Ca­pex-Boom», aus­ge­löst durch die Steu­er­re­form. Für sie sind die trei­ben­den Kräf­te das Um­satz­wachs­tum, die Ka­pi­tal­kos­ten und die Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung. Wäh­rend die ers­ten bei­den In­di­ka­to­ren po­si­ti­ve Si­gna­le aus­sen­den, gibt es für die Ana­lys­ten der Bank of Ame­ri­ca noch «ge­nü­gend Raum», bis es zu Eng­päs­sen kommt. Im März wa­ren die Pro­duk­ti­ons­stät­ten in den USA zu 78% aus­ge­las­tet. Ge­mäss der Ana­lys­ten der Gross­bank braucht es für ein nach­hal­ti­ges Wachs­tum der In­ves­ti­tio­nen ei­ne Aus­las­tung von mehr als 80%.

Ei­nen gu­ten Ef­fekt von der Steu­er­re­form auf die In­ves­ti­tio­nen in An­la­gen er­war­tet McDo­nald von Nort­hern Trust, da die «Aus­ga­ben vom steu­er­ba­ren Ein­kom- men ab­ge­zo­gen wer­den kön­nen». Ein Grund für In­ves­ti­tio­nen sei das aber nicht. Die Pro­gno­se der Ge­schäfts­ent­wick­lung be­stim­me wei­ter­hin, ob die Pro­duk­ti­on hoch­ge­fah­ren wer­de. Laut Ca­pu­to wird die po­si­ti­ve Aus­wir­kung der Steu­er­sen­kung auf die Ka­pi­tal­aus­ga­ben in den nächs­ten Jah­ren sicht­bar sein. «Es braucht sei­ne Zeit von der Pla­nung der Ka­pi­tal­in­ves­ti­ti­on bis zur Um­set­zung», sagt der Fonds­ma­na­ger. Dass Un­ter­neh­men wie­der mehr in Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten in­ves­tie­ren wol­len, zei­gen auch die re­gio­na­len Um­fra­gen der ame­ri­ka­ni­schen Zen­tral­bank. Laut Re­bec­ca Pat­ter­son, Chief In­vest­ment Of­fi­cer des Ver­mö­gens­ver­wal- ters Bes­se­mer Trust, be­fin­det sich «die Ab­sicht der Ge­sell­schaf­ten, die Ka­pi­tal­aus­ga­ben zu stei­gern, auf ei­nem Hoch», sag­te sie am Don­ners­tag an ei­ner Ver­an­stal­tung in New York. «Die ef­fek­ti­ven Aus­ga­ben kön­nen mit den Ab­sich­ten bis­her nicht mit­hal­ten», er­klär­te sie. Ein Grund für die Dis­kre­panz könn­ten laut Pat­ter­son die Han­dels­kon­flik­te sein.

Sie sieht zeit­lich aber eher ei­ne nor­ma­le Ver­zö­ge­rung vom Mo­ment der Steu­er­re­duk­ti­on, bis das Geld ein­ge­setzt wird. Ähn­lich wer­de es auch ei­ni­ge Quar­ta­le dau­ern, bis sich die Er­hö­hung der Staats­aus­ga­ben im Um­satz der Un­ter­neh­men zei­ge. «Es gibt zwar viel Un­si­cher­heit auf­grund der Han­dels­kon­flik­te», sagt Pat­ter­son, «mei­nes Erach­tens ist der Ein­fluss aber mar­gi­nal, be­son­ders wenn man es mit der ho­hen Ak­ti­vi­tät von Fu­sio­nen und Über­nah­men ver­gleicht», er­gänzt sie. Die Ana­lys­ten der Bank of Ame­ri­ca rech­nen mit ei­nem An­hal­ten die­ses Booms und er­war­ten, dass Un­ter­neh­men ihr Geld eher für Über­nah­men als für Ka­pi­tal­in­ves­ti­tio­nen aus­ge­ben.

iPho­ne-Her­stel­ler Apple macht die Ak­tio­nä­re glück­lich – auch dank der Steu­er­re­form.

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