Un­ter­be­wer­te­te bri­ti­sche Ban­ken

An­le­ger ha­ben we­gen Br­ex­it die Fi­nanz­ti­tel der In­sel bei­sei­te ge­las­sen. Nun lo­cken sie mit nied­ri­gen Be­wer­tun­gen und ho­her Di­vi­den­den­ren­di­te.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - PASCAL MEISSER,

Die Angst vor Br­ex­it las­tet auf den Kur­sen von bri­ti­schen Bank­ak­ti­en. Mu­ti­gen An­le­gern bie­ten sich Ein­stiegs­chan­cen.

All­mäh­lich wen­den sich die In­ves­to­ren wie­der den bri­ti­schen Ak­ti­en zu. Wäh­rend Mo­na­ten hü­te­ten sich die gros­sen An­le­ger, mit ih­rem Geld auf Kurs­ge­win­ne in Gross­bri­tan­ni­en zu set­zen. Zu gross wa­ren die Un­si­cher­hei­ten, die vom Br­ex­it-Vo­tum aus­gin­gen. Nach­dem sich die har­ten Fron­ten bei den Ver­hand­lun­gen et­was auf­zu­wei­chen schei­nen und ei­ne Über­gangs­pe­ri­ode ei­ne har­te Lan­dung nach dem of­fi­zi­el­len Aus­tritts­da­tum En­de März 2019 ab­zu­fe­dern scheint, wird Gross­bri­tan­ni­en wie­der zu ei­ner in­ter­es­san­ten In­ves­ti­ti­on.

Zu­oberst auf der Kauf­lis­te ste­hen Ti­tel, die nicht nur in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit un­ter dem Br­ex­it-Ma­lus ge­lit­ten ha­ben, son­dern auch mit­tel­fris­tig vom ma­kro­öko­no­mi­schen Um­feld pro­fi­tie­ren dürf­ten. Zu den be­vor­zug­ten Ak­ti­en ge­hö­ren des­halb die der bri­ti­schen Gross­ban­ken. Sie ha­ben be­son­ders seit Som­mer 2016 deut­lich schlech­ter per­formt als der eu­ro­päi­sche Ban­ken­in­dex. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ha­ben sie ei­nen Teil ih­res Rück­stands in­des wie­der wett­ge­macht (vgl. Gra­fik 1). Vor al­lem HSBC und Roy­al Bank of Scot­land (RBS) konn­ten zu­letzt ih­ren Bör­sen­wert deut­lich stei­gern.

So­lid ka­pi­ta­li­siert

Jüngst hat die Cre­dit Suis­se ih­re Kauf­emp­feh­lung für bri­ti­sche Bank­ak­ti­en be­stä­tigt, am Di­ens­tag zog die UBS mit ei­ner Kurz­stu­die nach. «Ak­ti­en wie Lloyds und Bar­clays bie­ten ak­tu­ell ein gu­tes Chan­cen­Ri­si­ko-Pro­fil», schreibt die Schwei­zer Gross­bank. In­ves­to­ren wür­den der­zeit die Ge­fah­ren, die von Br­ex­it aus­gin­gen, noch im­mer über­schät­zen. Bis­lang eben­falls nicht be­wahr­hei­tet hat sich die Sor­ge, dass das Tief­zins­ni­veau auf die Mar­gen bei Hy­po­the­ken drü­cken könn­te.

Im Ver­gleich zu eu­ro­päi­schen Ban­ken wer­den ein­zel­ne bri­ti­sche Ban­ken tie­fer be­wer­tet. «Die ju­ris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen nä­hern sich dem En­de, An­le­ger pro­fi­tie­ren da­von in Form von Di­vi­den­den», so die UBS (vgl. Text­box). Sie er­war­tet, dass Bar­clays und Lloyds künf­tig pro Jahr bis zu 10% ih­res Bör­sen­werts in Form von Di­vi­den­den aus­schüt­tet und in Ak­ti­en­rück­käu­fe in­ves­tiert. Be­reits heu­te bie­ten ver­schie­de­ne bri­ti­sche Bank­ak­ti­en an­sehn­li­che Di­vi­den­den­ren­di­ten.

Auch M&G-Fonds­ma­na­ger Juan Ne­va­do sieht Chan­cen in Lloyds. «Die Ti­tel sind güns­tig be­wer­tet, weil In­ves­to­ren noch im­mer das Trau­ma der Fi­nanz­kri­se vor Au­gen ha­ben an­stel­le der heu­ti­gen La­ge. Lloyds ver­dient des­halb ei­ne hö­he­re Be­wer­tung», so Ne­va­do. Auch Rob Ja­mes, Ak­ti­en­ana­lyst von Old Mu­tu­al Glo­bal In­ves­tors, plä­diert für ei­ne Neu­be­trach­tung: «Die schwie­ri­ge Zeit ist nun vor­bei, jetzt kön­nen sich al­le Ban­ken wie­der auf ihr Ge­schäft kon­zen­trie­ren.» Er ver­weist dar­auf, dass al­le Gross­ban­ken Gross­bri­tan­ni­ens heu­te so­lid ka­pi­ta­li­siert sind. Sämt- li­che In­sti­tu­te wei­sen ei­ne har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te (CET 1) jen­seits der 13%-Mar­ke auf, bei Lloyds liegt sich heu­te gar bei über 17% (vgl. Gra­fik 2).

Neue An­bie­ter als Ge­fahr

Die Ge­sun­dung des Sek­tors zeig­te sich auch im ver­gan­ge­nen No­vem­ber. Erst­mals be­stan­den al­le Ban­ken den Stress­test der bri­ti­schen No­ten­bank. Da­bei wur­de un­ter­sucht, wie sich ei­ne plötz­li­che glo­ba­le Re­zes­si­on ge­paart mit ei­nem Bör­sen­crash auf die Ban­ken aus­wir­ken wür­de.

Zu­sätz­li­cher Trei­ber für bri­ti­sche Bank­ak­ti­en ist der Wil­le der Bank of En­g­land, die Zin­sen all­mäh­lich zu er­hö­hen. Ob­schon der jüngst ge­plan­te Schritt im Mai vor­erst auf Som­mer ver­scho­ben wur­de, dürf­ten die Zin­sen von ak­tu­ell 0,5 auf ge­gen 1,5% stei­gen (vgl. Gra­fik 3).

Die Schön­wet­ter­la­ge könn­te in­des vom kom­pe­ti­ti­ven Um­feld ge­trübt wer­den. Zwar lei­det Gross­bri­tan­ni­en nicht wie et­wa Ita­li­en un­ter zu vie­len Ban­ken. Auf der In­sel sor­gen neue tech­no­lo­gisch ge­trie­be­ne An­bie­ter, so­ge­nann­te Chal­len­ger-Ban­ken, für Wett­be­werb. Das könn­te mit­tel­fris­tig die Mar­gen be­ein­träch­ti­gen. «Die­sen zu­neh­men­denWett­be­werb se­hen wir als ei­ne der gröss­ten Ri­si­ken», sagt Chris­toph Jau­bert von Me­dio­la­num As­set Ma­nage­ment. Zu­dem glaubt er, dass vie­le In­ves­to­ren erst ein En­ga­ge­ment in Gross­bri­tan­ni­en in Er­wä­gung zie­hen, wenn die ge­nau­en Mo­da­li­tä­ten des Aus­tritts aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on be­kannt sind.

Auch die RBS hat sich mit der ame­ri­ka­ni­schen Jus­tiz auf ei­nen Ver­gleich ge­ei­nigt.

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