Tü­cki­sche Ad-Hoc-Re­geln

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Über po­ten­zi­ell kurs­re­le­van­te Tat­sa­chen müs­sen ko­tier­te Un­ter­neh­men so in­for­mie­ren, dass der Han­del mit Ak­ti­en und an­de­ren Ef­fek­ten in trans­pa­ren­ter Wei­se und un­ter Gleich­be­rech­ti­gung der Markt­teil­neh­mer ge­sche­hen kann. Das schrei­ben die Re­geln zur Ad-hoc-Pu­bli­zi­tät der Schwei­zer Bör­se vor. Schwie­rig für Un­ter­neh­men ist, dass nicht klar de­fi­niert wird, was ge­nau ge­mel­det wer­den muss, und nicht ein­deu­tig vor­aus­ge­sagt wer­den kann, was er­heb­li­che Kurs­be­we­gun­gen aus­löst. Wer da­bei fahr­läs­sig oder vor­sätz­lich ge­gen die Re­geln ver­stösst, muss mit ho­hen Bus­sen rech­nen. UBS et­wa hat das schon zu spü­ren be­kom­men.

Das Bio­tech-Un­ter­neh­men nimmt rund 165 Mio. Fr. ein. Die Ti­tel be­en­den den ers­ten Han­dels­tag knapp über dem Emis­si­ons­preis.

Po­ly­phor hat mit dem Bör­sen­gang mehr Geld ein­ge­nom­men als ur­sprüng­lich ge­plant. Doch der ers­te Han­dels­tag war holp­rig.

Rund 165 Mio. Fr. hat­ten In­ves­to­ren bis Mon­tag­abend zu­ge­spro­chen. Wie FuW aus Bank­krei­sen er­fah­ren hat, stammt rund ein Drit­tel der Gel­der von Pri­vat­ban­ken. Die Nach­fra­ge sei zu­dem er­staun­lich hoch ge­we­sen. Das ha­be Po­ly­phor ei­nen In­ves­to­ren­mix er­mög­licht, der den Ak­ti­en Sta­bi­li­tät bringt.

Po­ly­phor hat­te den Aus­ga­be­preis auf 38 Fr. je An­teils­schein fest­ge­setzt und da­mit am obe­ren En­de der Zeich­nungs­span­ne von 35 bis 38 Fr. Die­se wur­de erst En­de ver­gan­ge­ner Wo­che von den ur­sprüng­lich ver­an­schlag­ten 30 bis 40 Fr. ein­ge­grenzt.

Am Di­ens­tag er­öff­ne­ten die Ak­ti­en bei 40 Fr. Im Ta­ges­ver­lauf konn­ten die Va­lo­ren die­ses Ni­veau nicht hal­ten, rutsch­ten zeit­wei­se auf 37.10 Fr. ab und schlos­sen mit 38.20 Fr. knapp über dem Emis­si­ons­preis.

Der Bör­sen­gang war in ein Ba­sis­an­ge­bot und ei­ne Up­si­ze-Op­ti­on ge­glie­dert. Das Ba­sis­an­ge­bot inkl. Gre­en­s­hoe um­fass­te Ak­ti­en für 110 Mio. Fr. Mit die­sem Geld will Po­ly­phor nun die zu­las­sungs­re­le­van­ten kli­ni­schen Stu­di­en (Pha­se III) für das An­ti­bio­ti­kum Mur­e­pa­va­din ge­gen das Bak­te­ri­um Pseu­do­mo­nas Aeru­gi­no­sa be­zah­len. Dank der Aus­übung der Up­si­zeOp­ti­on von 55 Mio. Fr. ist nun auch die Fi­nan­zie­rung der be­vor­ste­hen­den Pha­seIII-Tests für das Krebs­mit­tel Ba­lix­a­fort­i­de ge­si­chert. Aus­ser­dem kann die Ge­sell­schaft ih­re präk­li­ni­sche An­ti­bio­ti­ka-Pi­pe­line wei­ter ent­wi­ckeln.

Ob die nächs­ten Ent­wick­lungs­schrit­te ge­lin­gen, wird sich zei­gen. Ge­mäss dem US-Bio­tech-Bran­chen­ver­band BIO be­trägt die Zu­las­sungs­wahr­schein­lich­keit in der Pha­se III für Me­di­ka­men­te ge­gen In­fek­ti­ons­krank­hei­ten 64%. Für Prä­pa­ra­te ge­gen Krebs liegt sie bei 33%. Soll­te Mur­e­pa­va­din die Ent­wick­lungs­pha­se er­folg- reich über­ste­hen, bräuch­te Po­ly­phor zu­dem noch­mals neu­es Geld, denn sie will denWirk­stoff sel­ber ver­mark­ten. Es wür­de ei­ne wei­te­re Ka­pi­tal­er­hö­hung fäl­lig. Al­ler­dings ist an­zu­neh­men, dass dann auch der Kurs der Ak­ti­en we­gen des Ent­wick­lungs­er­folgs deut­lich hö­her lie­gen wird.

An­le­ger, die nach den Va­lo­ren Aus­schau hal­ten, müs­sen sich be­wusst sein, dass we­gen der Ent­wick­lungs­ri­si­ken über­durch­schnitt­li­che In­ves­ti­ti­ons­ri­si­ken schlum­mern. Auch braucht es ei­nen lang­fris­ti­gen An­la­ge­ho­ri­zont. Mit den Re­sul­ta­ten der Mur­e­pa­va­din-Stu­di­en ist nicht vor En­de 2020 zu rech­nen. Die Ti­tel soll­ten des­halb nur ei­nem aus­ge­wo­ge­nen Port­fo­lio bei­ge­mischt wer­den.

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