Ha­fis

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Un­ter die­ser pracht­vol­len Kup­pel ruht der gros­se per­si­sche Dich­ter Ha­fis. Der from­me Mus­lim – sein Na­me be­deu­tet, dass er den Koran aus­wen­dig kann­te – be­sang im 14. Jahr­hun­dert Ro­sen, Nach­ti­gal­len, die Lie­be – so­gar den Wein. Goe­the ver­ehr­te, das ira­ni­sche Volk liebt, die grim­mi­gen Mul­lahs be­arg­wöh­nen Ha­fis’Ver­se. Der Po­et war ein Hu­ma­nist und Frei­den­ker da­zu. In Schi­raz, wo er leb­te und wo sein Gr­ab­mal steht, lehn­te er sich ly­risch auf ge­gen Fa­na­ti­ker und Dog­ma­ti­ker. An de­nen fehlt es we­der im Iran noch an­ders­wo. Der or­tho­do­xe schii­ti­sche Kle­rus lies­se es heu­te kaum zu, dass ein Un­gläu­bi­ger das Mo­nu­ment ei­nes Na­tio­nal­dich­ters er­stellt – so wie hier der Fran­zo­se An­dré Go­dard an­no 1935. Der war Ar­chi­tekt und Archäo­lo­ge; an Flair für lan­des­ty­pi­sches De­kor ge­brach es ihm sicht­lich nicht. An Ver­ständ­nis für ira­ni­sche Emp­find­lich­kei­ten – nach ei­ner lan­gen Ge­schich­te west­li­cher Ein­mi­schung, we­gen des Öls – und stra­te­gi­sche In­ter­es­sen man­gelt es da­ge­gen im Wes­ten. An Ein­sicht, dass nu­klea­res Tüf­teln die üb­ri­ge Welt be­un­ru­hi­gen muss, fehlt es wie­der­um dem Re­gime in Te­he­ran. Ha­fis le­sen lohnt sich, dort wie auch in Washington: «Denn die Ero­be­rung ei­ner Welt ist nicht der Müh’ des Krie­ges wert».

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