Ab­ge­hakt

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ -

Bei­na­he zehn Jah­re hat es ge­dau­ert, bis mit der Roy­al Bank of Scot­land die letz­te der bri­ti­schen Gross­ban­ken ih­ren Ver­gleich mit dem ame­ri­ka­ni­schen De­part­ment of Justi­ce (DoJ) ver­gan­ge­ne Wo­che ab­schlies­sen konn­te. 4,9 Mrd. £ muss die RBS da­für auf­brin­gen. Das liegt deut­lich un­ter den Ana­lys­ten­schät­zun­gen, die mit bis zu 12 Mrd. ge­rech­net hat­ten.

Nichts­des­to­trotz ist die Fi­nanz­kri­se die bri­ti­schen Ban­ken teu­er zu ste­hen ge­kom­men. 145 Mrd. £ muss­ten die sie­ben gröss­ten Ban­ken der In­sel in Form von Bus­sen und Ver­glei­chen zah­len. Da­zu kom­men zig Mil­li­ar­den, wel­che die bri­ti­schen Steu­er­zah­ler in das Ban­ken­sys­tem ein­schies­sen muss­ten. Al­lein die Ret­tung der RBS kos­te­te rund 45 Mrd. £. Die RBS zählt zu den Mit­aus­lö­sern der Fi­nanz­kri­se. Kurz vor Aus­bruch hat­te sie sich bei der ge­plan­ten Über­nah­me der nie­der­län­di­schen Bank ABN Am­ro über­nom­men. Zu­sätz­lich ge­riet das In­sti­tut in die Bre­douil­le, nach­dem sie ih­ren Kun­den to­xi­sche Wert­pa­pie­re ver­kauf­te und ih­nen da­mit ho­he Ver­lus­te ein­brock­te. Mit der jüngs­ten Ei­ni­gung dürf­te der Weg für den bri­ti­schen Staat frei sein, sei­ne heu­ti­ge Be­tei­li­gung an RBS von 71% all­mäh­lich zu re­du­zie­ren.

Be­reits ab­ge­baut hat Gross­bri­tan­ni­en sei­nen An­teil an der Lloyds Ban­king Group. Die Bank, die im Nach­hall der Fi­nanz­kri­se durch ei­ne Not­fu­si­on von HBOS und Lloyds TSB ent­stan­den war, steht heu­te wie­der auf ge­sun­den Füs­sen.

Kein Hap­py End gab es hin­ge­gen für Nort­hern Rock, da­mals ei­nes der gröss­ten Fi­nanz­in­sti­tu­te im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich. Die auf Hy­po­the­ken spe­zia­li­sier­te Bank mach­te im Sep­tem­ber 2007 von sich re­den, als es zu ei­nem Ban­ken­sturm kam. In­ner­halb we­ni­ger Ta­ge zo­gen Kun­den rund 3 Mrd. £ an Gel­dern ab. We­ni­ge Mo­na­te spä­ter wur­de die Bank ver­staat­licht und 2011 von Vir­gin Mo­ney, ei­ner von Mil­li­ar­där Richard Bran­son ge­grün­de­ten Chal­len­ger-Bank, über­nom­men.

Trotz der in­zwi­schen über­stan­de­nen und ab­ge­hak­ten Fi­nanz­kri­se bro­cken sich auch die bri­ti­schen Ban­ken im­mer wie­der haus­ge­mach­te Pro­ble­me ein. Ver­gan­ge­ne Wo­che et­wa ge­riet Bar­clays in die Schlag­zei­len, nach­dem der Re­gu­la­tor CEO Jes Sta­ley mit rund 1 Mio. £ (um­ge­rech­net

1,4 Mio. Fr.) ge­büsst hat­te. Sta­ley hat­te ver­sucht, ei­nen Whist­leb­lo­wer im ei­ge­nen Un­ter­neh­men zu ent­tar­nen. Hin­ter­grund war ein an­ony­mer Brief, den der Ver­wal­tungs­rat im Som­mer 2016 er­hal­ten hat­te. Der Ver­fas­ser äus­ser­te Be­den­ken ob ei­nes Ma­na­gers, der von Sta­ley an­ge­stellt wur­de.

Dar­auf­hin setz­te der CEO al­le He­bel in Be­we­gung, um die Iden­ti­tät des Ver­fas­sers of­fen­zu­le­gen. Sta­ley hat­te Glück im Un­glück: Der Re­gu­la­tor warf Sta­ley nicht vor, mit man­geln­der In­te­gri­tät ge­han­delt zu ha­ben; hät­te er dies ge­tan, wä­re Sta­ley der Job nicht mehr si­cher ge­we­sen.

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