Ein­fach Geld spa­ren

Der «Fi­nanz-Check» zeigt die güns­tigs­ten An­bie­ter von Bank­dienst­leis­tun­gen.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - PAS­CAL MEISSER

Wer An­ge­bo­te von Bank­dienst­leis­tun­gen ge­nau ver­gleicht, kann pro Jahr lo­cker meh­re­re tau­send Fran­ken spa­ren. Dies zeigt ei­ne Ana­ly­se, die der un­ab­hän­gi­ge On­line-Ver­gleichs­dienst Mo­ney­land.ch im Auf­trag von «Fi­nanz un­dWirt­schaft» durch­ge­führt hat. In der fünf­tei­li­gen Se­rie «Der Fi­nan­zCheck» wer­den in den kom­men­den Wo­chen die Kos­ten von Bank­kon­ten, Kre­dit­kar­ten, On­line-Tra­ding, Vor­sor­ge­lö­sun­gen und von Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­man­da­ten un­ter die Lu­pe ge­nom­men.

In der ers­ten Fol­ge geht es um die hap­pi­gen Un­ter­schie­de bei Ge­büh­ren von Pri­vat­kon­ten. Grund­la­ge für den Ver­gleich sind die drei fik­ti­ven Per­so­nen An­di Auf­stre­bend, Ri­ta Red­lich und Sieg­fried Si­cher. Sie ste­hen in un­ter­schied­li­chen Le­bens­pha­sen, nut­zen die Di­enst­leis­tun­gen des Pri­vat­kon­tos auf ei­ge­ne Wei­se und ver­fü­gen über ei­ne un­ter­schied­li­che Ver­mö­gens­si­tua­ti­on. Die Aus­wer­tung zeigt, dass nicht ei­ne ein­zel­ne Bank bei al­len Pro­fi­len die at­trak­tivs­ten Kon­di­tio­nen an­bie­tet. Die Na­se vorn ha­ben in der Re­gel die Pos­tFi­nan­ce so­wie ein­zel­ne Kan­to­nal­ban­ken, wäh­rend UBS und Cre­dit Suis­se eher zu den teu­re­ren An­bie­tern ge­hö­ren. Das liegt vor al­lem dar­an, dass die Gross­ban­ken ver­su­chen, Bank­kun­den aus Ein­zel­kon­ten in ih­re Kon­topa­ket­lö­sun­gen zu lot­sen, die ne­ben ei­nem Pri­vat­kon­to un­ter an­de­rem auch ein Spar­kon­to und ei­ne Kre­dit­kar­te um­fas­sen kön­nen. Der «Fi­nanz-Check» zeigt auf, wel­che wei­te­ren Ban­ken güns­ti­ge oder teu­re Pri­vat­kon­ten of­fe­rie­ren, und bie­tet ei­ne um­fang­rei­che Kos­ten- und Ge­büh­ren­ta­bel­le.

Hier ein ge­rin­ger Be­trag für ei­nen Zah­lungs­auf­trag, dort ein paar Fran­ken zu­sätz­li­che Kos­ten für den Geld­be­zug am Ban­ko­ma­ten: Der Ge­büh­rend­schun­gel im Fi­nanz­be­reich ist dicht. Die schlech­te Nach­richt: Bes­se­rung ist nicht in Sicht, es dürf­te viel­mehr noch kom­ple­xer wer­den. Für Ban­ken lohnt sich selbst die Er­he­bung von Kleinst­ge­büh­ren. Die gu­te Nach­richt: Wer re­gel­mäs­sig die Kon­di­tio­nen der­je­ni­gen Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen über­prüft, die er re­gel­mäs­sig braucht, kann jähr­lich meh­re­re hun­dert bis tau­send Fran­ken spa­ren.

In der fünf­tei­li­gen Se­rie «Der Fi­nan­zCheck» ver­gleicht «Fi­nanz un­dWirt­schaft» in Zu­sam­men­ar­beit mit dem un­ab­hän­gi­gen On­line-Ver­gleichs­dienst Mo­ney­land.ch die Kos­ten von Pri­vat­kon­ten, Kre­dit­kar­ten, On­line-Tra­ding, Vor­sor­ge­lö­sun­gen und Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­man­da­ten. An­di Auf­stre­bend, Ri­ta Red­lich und Sieg­fried Si­cher (vgl. Tex­te oben) be­glei­ten die Se­rie in den kom­men­denWo­chen und zei­gen, wor­auf zu ach­ten ist.

Be­reits bei ei­nem Stan­dard­pro­dukt wie dem Pri­vat­kon­to zeigt sich die Band­brei­te an un­ter­schied­li­chen Kos­ten. Zum Bei­spiel bei An­di Auf­stre­bend: Er be­nutzt sein Pri­vat­kon­to ge­le­gent­lich und weist 5000 Fr. Kon­to­gut­ha­ben auf. Den­noch ver­langt der teu­ers­te An­bie­ter – die Ban­ca Po­po­la­re di Son­d­rio – vier­mal hö­he­re Ge­büh­ren als die Frei­bur­ger Kan­to­nal­bank mit ih­rem Lohn­kon­to. Ei­ne aus­führ­li­che­re Ta­bel­le mit die­sen An­ga­ben ist on­line un­ter www. fuw.ch/101018-5 zu fin­den.

Min­dest­ver­mö­gen be­ach­ten

Das ist kein Zu­fall: Gleich meh­re­re Kan­to­nal­ban­ken bie­ten bei den Klein­kun­den güns­ti­ge Kon­di­tio­nen an. Mehr­heit­lich teu­er sind hin­ge­gen die Gross­ban­ken UBS und Cre­dit Suis­se so­wie die Ge­nos­sen­schafts­bank Raiff­ei­sen. An­di Auf­stre­bend müss­te bei die­sen Ban­ken drei­mal so viel zah­len wie beim güns­tigs­ten An­bie­ter – für ex­akt iden­ti­sche Di­enst­leis­tun­gen.

In­ter­es­san­ter­wei­se kommt Ri­ta Red­lich deut­lich bes­ser weg als An­di Auf­stre­bend, ob­schon sie mehr Zah­lun­gen mit dem Pri- vat­kon­to ab­wi­ckelt und die Ma­e­s­tro-Kar­te häu­fi­ger ein­setzt. Sie pro­fi­tiert da­von, dass Pos­tFi­nan­ce ab 25 000 Fr. Gut­ha­ben bei ih­rer Pri­vat­kon­to-Plus-Lö­sung auf die mo­nat­li­chen Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren von 12 Fr. ver­zich­tet. Mit jähr­li­chen Kos­ten un­ter 20 Fr. ist Pos­tFi­nan­ce für Ri­ta Red­lich der mit Ab­stand güns­tigs­te An­bie­ter. Ein­zig der Zah­lungs­ver­kehr und ei­ni­ge Ein­käu­fe im Aus­land mit der De­bit­kar­te – die Pos­tFi­nan­ce eben­falls um­sonst an­bie­tet – schla­gen zu Bu­che.

Al­le an­de­ren An­bie­ter ver­lan­gen min­des­tens das Fünf­fa­che da­von, die teu­ers­ten Ban­ken wie die Tes­si­ner Kan­to­nal­bank (Ban­caS­ta­to) oder die Al­ter­na­ti­ve Bank Schweiz (ABS) gar fast das Fünf­zehn­fa­che. Die ABS ist das ein­zi­ge In­sti­tut, das Pri­vat­kon­ten mit ei­nem Ne­ga­tiv­zins be­legt. Zu­sam­men mit den Kon­to­füh­rungs­kos­ten ver­ur­sacht dies jähr­li­che Ge­büh­ren von 274 Fr.

Kos­ten wich­ti­ger als Zin­sen

Auch Sieg­fried Si­cher, der sein Pri­vat­kon­to häu­fig für Zah­lun­gen und Ein­käu­fe mit der Ma­e­s­tro-Kar­te be­nutzt, pro­fi­tiert da­von, dass er auf sei­nem Kon­to ei­ne statt­li­che Sum­me ge­parkt hat. Auch in sei­nem Fall bie­tet Pos­tFi­nan­ce die mit Ab­stand güns­tigs­te Pri­vat­kon­to­lö­sung an. Mit Ab­stand fol­gen auch hier zu­nächst ei­ni­ge Kan­to­nal­ban­ken, die be­reits mehr als dop­pelt so ho­he Ge­büh­ren ver­lan­gen.

Auch hier gilt: Die üb­ri­gen über­re­gio­na­len Ban­ken sind kost­spie­li­ge Al­ter­na­ti­ven, die pro Jahr ei­ni­ge hun­dert Fran­ken teu­rer sind. Am Schluss der Rang­lis­te ste­hen die Neue Aar­gau­er Bank, ei­ne Toch­ter der Cre­dit Suis­se, mit jähr­li­chen Kos­ten von 550.70 Fr. so­wie er­neut die ABS, die mehr als 600 Fr. ver­langt. Auch hier trei­ben die Ne­ga­tiv­zin­sen die Ge­samt­kos­ten bei der ABS deut­lich in die Hö­he.

Das Bei­spiel von Ri­ta Red­lich und Sieg­fried Si­cher zeigt: Beim Pri­vat­kon­to lohnt es sich, Gut­ha­ben und an­fal­len­de Kos­ten gut ge­gen­ein­an­der ab­zu­wä­gen. Zahl­rei­che Ban­ken ver­lan­gen ein Min­dest­gut­ha­ben, um auf die mo­nat­li­chen Kon­to­füh­rungs­kos­ten zu ver­zich­ten. In der Re- gel spielt es da­bei kei­ne Rol­le, ob das Geld auf dem Pri­vat- oder dem Spar­kon­to liegt. Ben­ja­min Manz, Ge­schäfts­füh­rer von Mo­ney­land, rät je­doch da­von ab, zu ho­he Sum­men auf dem Pri­vat­kon­to zu hal­ten: «Die Zin­sen sind hier noch tie­fer als beim Spar­kon­to. Es macht des­halb Sinn, die für den täg­li­chen Ge­brauch nicht be­nö­tig­te Sum­me auf ein Spar­kon­to zu trans­fe­rie­ren.»

Krea­tiv bei den Ge­büh­ren

Viel ent­schei­den­der für die Ge­samt­rech­nung bei Pri­vat­kon­ten, so der Fi­nanz­ex­per­te, sei die Kos­ten­sei­te. Dort ha­ben sich Ban­ken in den ver­gan­ge­nen Jah­ren äus­serst krea­tiv ge­zeigt – aus un­ter­schied­li­chen Grün­den. Ei­ner der Trei­ber war das Be­stre­ben, das Zins­ni­veau so­wohl für Pri­vat- wie Spar­kon­ten trotz ne­ga­ti­vem Zins­um­feld nicht un­ter null fal­len zu las­sen. Ein­zig bei sehr ver­mö­gen­den Kun­den wer­den heu­te be­reits Ne­ga­tiv­zin­sen an­ge­wen­det. Ei­ne Aus­nah­me ist die Al­ter­na­ti­ve Bank Schweiz, die bei al­len Kun­den ne­ga­ti­ve Zin­sen ein­for­dert.

Ein wei­te­rer Grund für die Ge­büh­ren­in­fla­ti­on ist laut Manz das Be­stre­ben der Ban­ken, ih­ren Kun­den Pa­ket­lö­sun­gen schmack­haft zu ma­chen. «Ban­ken ha­ben des­halb meist we­nig In­ter­es­se, güns­ti­ge Ein­zel­kon­to­lö­sun­gen an­zu­bie­ten», sagt er. Die Frei­bur­ger Kan­to­nal­bank et­wa ver­zich­tet beim Lohn­kon­to voll­um­fäng­lich auf ei­ne Grund­ge­bühr. An­de­re In­sti­tu­te wie die be­reits er­wähn­te Pos­tFi­nan­ce oder – als Bei­spiel – die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank ver­zich­ten un­ter ge­wis­sen Vor­aus­set­zun­gen dar­auf.

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