Ren­di­ten lo­cken

Vie­le An­lei­hen der Schwel­len­märk­te ren­tie­ren hoch. Sind sie des­we­gen at­trak­tiv? FuW zeigt Chan­cen und Ri­si­ken der ver­lo­ckends­ten Mög­lich­kei­ten auf.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ALEX­AN­DER TRENTIN

Man­che gros­sen Schwel­len­län­der bie­ten mit Staats­an­lei­hen ei­ne Ren­di­te von 8%. Da­bei müs­sen sich An­le­ger über die Ri­si­ken be­wusst sein. Be­son­ders wei­ter stei­gen­de US-Zin­sen sind ei­ne Ge­fahr.

An­le­ger, die in Schwel­len­län­der in­ves­tiert ha­ben, ver­buch­ten über die ver­gan­ge­nen Mo­na­te schmerz­haf­te Ver­lus­te. Dank dem Wert­rück­gang bie­ten die Staats­an­lei­hen ei­ni­ger gros­ser Län­der in Lo­kal­wäh­run­gen Ren­di­ten über 8%. Ist das der Zeit­punkt für den Ein­stieg? FuW ver­gleicht Chan­cen und Ri­si­ken der ver­lo­cken­den Märk­te (vgl. Käs­ten un­ten).

Wäh­rungs­kri­sen wie in der Tür­kei und po­li­ti­sche Na­gel­pro­ben wie in Bra­si­li­en sind Ein­zel­fäl­le. Aber über­all be­las­ten die stei­gen­den US-Zin­sen. Chris Ig­go, CIO Fi­xed In­co­me bei Axa In­vest­ment Ma­na­gers, er­klärt: «Die Fi­nan­zie­rung in Dol­lar ist schwie­ri­ger ge­wor­den. War­um soll­te man Pe­ru Geld lei­hen, wenn man 2,5% Ren­di­te auf drei­mo­na­ti­ge US-Pa­pie­re be­kommt?»

Viel ist stim­mungs­ge­trie­ben

Po­si­tiv ist, dass viel von den bis­he­ri­gen Ver­lus­ten wohl stim­mungs­ge­trie­ben ist. Ig­go meint: «In­ter­na­tio­na­le An­le­ger ten­die­ren da­zu, Geld aus den Schwel­len­län­dern ab­zu­zie­hen, oh­ne zu dif­fe­ren­zie­ren.» Da­bei sei die re­al­wirt­schaft­li­che An­ste­ckungs­ge­fahr be­grenzt: «Die Tür­kei ist in ei­ner Re­zes­si­on – aber das wirkt sich z. B. nicht di­rekt auf Bra­si­li­en aus. Es gibt ja kaum Han­del zwi­schen den Län­dern.»

Für ein wei­ter­hin vor­sich­ti­ges Vor­ge­hen spricht, dass sich die Stim­mung re­al­wirt­schaft­lich be­merk­bar macht. Für Carl Eich­sta­edt, An­lei­hen­spe­zia­list bei Wes­tern As­set Ma­nage­ment, ist es da­her ei­ne Her­aus­for­de­rung, in den Schwel­len­märk­ten nach güns­ti­gen Chan­cen zu su­chen: «Ei­ne Be­son­der­heit die­ser Län­der ist, dass ei­ne ne­ga­ti­ve Spi­ra­le mög­lich ist, bei der die An­le­ger­stim­mung die Wirt­schafts­la­ge be­las­tet.» Und sich da­durch die Stim­mung wei­ter ver­schlech­tert.

Die Lo­gik da­hin­ter: Zie­hen An­le­ger ihr Geld aus ei­nem Schwel­len­land ab, wer­tet sich dieWäh­rung ab. Die Zen­tral­bank muss die Zin­sen er­hö­hen, um für Ka­pi­tal at­trak­tiv zu blei­ben. Das schwächt dieWirt­schaft. Eich­sta­edt sieht den­noch ei­ne Chan­ce, dass sich die ge­beu­tel­ten Märk­te er­ho­len: «An den Fi­nanz­märk­ten sind wei­te­re USZins­er­hö­hun­gen schon ein­ge­preist.» Vie­le Wäh­run­gen der Schwel­len­län­der sei­en güns­tig zu ha­ben. Nun rei­che be­reits das Aus­blei­ben von schlech­ten Nach­rich­ten, um ei­ne Er­ho­lungs­ral­ly aus­zu­lö­sen.

Die Ana­lys­ten von Mor­gan St­an­ley sind sich da nicht so si­cher: «Die Ka­pi­tal­kos­ten stei­gen, das ver­heisst nichts Gu­tes für den Ri­si­ko­ap­pe­tit.» Län­der, die dar­auf an­ge­wie­sen sei­en, mit ho­hen Zin­sen ih­ren gros­sen Ka­pi­tal­be­darf aus dem Aus­land zu de­cken, wür­den da­her un­ter Druck blei­ben. Sta­tis­tisch lässt sich der Ka­pi­tal­be­darf ei­nes Lan­des am De­fi­zit in der Leis­tungs­bi­lanz ab­le­sen – es ist un­ten da­her für die ein­zel­nen Län­der als Schlüs­sel­kenn­zahl ab­ge­tra­gen. Die Tür­kei sticht mit ei­nem be­son­ders gros­sen De­fi­zit im ver­gan­ge­nen Jahr her­aus.

Hof­fen auf Son­der­fak­to­ren

Von aus­län­di­schem Ka­pi­tal ab­hän­gi­ge Staa­ten ver­spre­chen ge­mäss Mor­gan St­an­ley nur durch «idio­syn­kra­ti­sche» – al­so ein­zel­ne Län­der be­tref­fen­de – Fak­to­ren ei­ne po­si­ti­ve Ren­di­te. Ein sol­ches Er­eig­nis wä­re et­wa die Wahl ei­nes Prä­si­den­ten in Bra­si­li­en, der von den Ka­pi­tal­ge­bern gou­tiert wird. Da­ge­gen wür­den auf Öl­im­por­te an­ge­wie­se­ne Län­der wie In­di­en und In­do­ne­si­en durch den hö­he­ren Preis des Roh­stoffs be­las­tet wer­den.

An­lei­hen der Schwel­len­län­der kom­men in zwei For­men: in lo­ka­ler Wäh­rung und in Hart­wäh­run­gen – meis­tens in Dol­lar. Die zwei Ar­ten ha­ben un­ter­schied­li­che Ri­si­ko­quel­len (vgl. Tex­te rechts). Zu­letzt ha­ben Lo­kal­wäh­rungs­an­lei­hen mit ei­ner Ge­samt­ren­di­te von –10% seit Jah­res­an­fang deut­lich schlech­ter ren­tiert (vgl. gros­se Gra­fik). Der Hart­wäh­rungs­in­dex hat le­dig­lich 3,4% ver­lo­ren (vgl. Gra­fik links).

Dar­aus folgt aber auch, dass der Lo­kal­wäh­rungs­in­dex mehr Po­ten­zi­al für ei­ne Er­ho­lung bie­tet. Ver­schreckt die Po­li­tik in den Schwel­len­län­dern die An­le­ger nicht und kommt es nicht zu über­ra­schen­den Ren­di­tesprün­gen in den USA, sind sie vor­aus­sicht­lich die at­trak­ti­ve­re An­la­ge­form.

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