Der Dol­lar steht vor der Wen­de

Die po­li­ti­sche Un­si­cher­heit in Eu­ro­pa und der glo­ba­le Han­dels­streit un­ter­stüt­zen der­zeit die ame­ri­ka­ni­sche Wäh­rung. Spä­tes­tens 2019 soll sich das än­dern.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ANDRE­AS NEINHAUS

Die US-Va­lu­ta hat sich in die­sem Jahr kräf­tig auf­ge­wer­tet, sie stieg be­son­ders ge­gen­über Wäh­run­gen von Schwel­len­län­dern. Do­nald Trumps Be­kennt­nis im Ja­nu­ar amWef in Da­vos, ein star­ker Dol­lar sei gut für Ame­ri­ka, brach­te die Wen­de. Steu­er­er­leich­te­run­gen und ei­ne boo­men­de Wirt­schaft lo­cken seit­her viel Ka­pi­tal in die USA. Die po­li­ti­sche Un­ge­wiss­heit in Eu­ro­pa und nicht zu­letzt der glo­ba­le Han­dels­streit stüt­zen den Gre­en­back zu­sätz­lich. Trotz­dem sind im­mer mehr De­vi­sen­ex­per­ten da­von über­zeugt, dass die Kurs­ral­ly zu En­de geht. Die meis­ten sa­gen für die kom­men­den zwölf Mo­na­te ei­ne Ab­wer­tung des Dol­lars vor­aus.

Am En­de will ich ei­nen star­ken Dol­lar», sag­te Do­nald Trump die­ses Jahr am Wef. Ei­nen Tag zu­vor hat­te sein Fi­nanz­mi­nis­ter in Da­vos noch dar­über spe­ku­liert, dass ein schwa­cher Dol­lar für die US-Wirt­schaft bes­ser sei, und den Kurs des Gre­en­back auf Tal­fahrt ge­schickt. Trumps Kor­rek­tur kam vi­el­leicht nicht von Her­zen, aber sie war ef­fek­tiv. Je­ner Tag wur­de zu­mWen­de­punkt im Kur­schart des Dol­lars. Seit­her hat er sich auf­ge­wer­tet (vgl. Gra­fik). Trump hat be­wie­sen, dass ver­ba­le In­ter­ven­tio­nen wir­ken. Wie ihm das ge­lun­gen ist, bleibt sein Ge­heim­nis.

Selbst zum chi­ne­si­schen Ren­min­bi notiert der Dol­lar 5% stär­ker. Das dürf­te nicht nach dem Ge­schmack der Ame­ri­ka­ner sein. Sie ha­ben ei­nen Han­dels­krieg an­ge­zet­telt und die Im­port­zöl­le er­höht, weil sie so das enor­me bi­la­te­ra­le Han­dels­de­fi­zit ver­rin­gern möch­ten. So­lan­ge der Dol­lar al­ler­dings anWert ge­winnt, scha­det das den US-Ex­por­ten und un­ter­stützt chi­ne­si­sche Im­por­te in die USA.

Schwel­len­län­der be­trof­fen

Bis­her hat der Han­dels­krieg den Dol­lar ge­stärkt. So­bald sich die Rhe­to­rik ver­schärft und Straf­zöl­le ver­hängt wer­den, wer­tet er sich auf. Of­fen­bar wird das Ri­si­ko, dass ein Land Scha­den nimmt, für den Rest der Welt als hö­her ein­ge­stuft als für die USA. Der Pe­so und der ka­na­di­sche Dol­lar no­tie­ren sta­bi­ler, seit vor zwei Wo­chen ei­ne Ei­ni­gung mit den USA im Nafta-Streit ge­fun­den wur­de. Ei­ne Es­ka­la­ti­on im Han­dels­krieg droht nun nur noch mit Chi­na.

Si­gna­le, dass sich dort die Kon­junk­tur ab­kühlt, ha­ben Kurs­ver­lus­te in chi­ne­si­schen Ak­ti­en aus­ge­löst. Der Ren­min­bi fällt. In­ves­to­ren schich­ten Ka­pi­tal ins Aus­land um. Als Ziel­stand­ort ran­gie­ren die USA ganz oben: Die Wirt­schaft boomt wie nir­gend­wo sonst, die Ak­ti­en­kur­se stei­gen, und Dol­lar­an­lei­hen so­wie Geld­markt­pa­pie­re sind im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich at­trak­tiv hoch ver­zinst.

Die US-Zen­tral­bank be­schleu­nigt die Be­we­gun­gen noch. Seit Ok­to­ber schöpft sie mo­nat­lich bis zu 50 Mrd. $ an Li­qui­di­tät ab, in­dem sie Wert­schrif­ten ab­stösst, die sie in den ver­gan­ge­nen QE-Pro­gram­men er­wor­ben hat­te. Aus­ser­dem er­höht sie die Leit­zin­sen. Die Wir­kung be­kom­men pri­mär Schwel­len­län­der zu spü­ren: Ent­we­der ha­ben sie ih­re Wäh­run­gen an den Dol­lar ge­kop­pelt, oder Un­ter­neh­men, der Staat oder Pri­vat­haus­hal­te ha­ben sich in Dol­lar­kre­di­ten ver­schul­det. Die Län­der sind da­zu ver­dammt, den Zins­an­stieg der USA und die Auf­wer­tung mit­zu­ma­chen, selbst wenn das der La­ge vor Ort wi­der­spricht. Die Zah­lungs­bi­lanz­kri­sen der Tür­kei und Ar­gen­ti­ni­ens zei­gen, wo­hin das im schlimms­ten Fall führt.

Die Wäh­run­gen füh­ren­der In­dus­trie­län­der sind we­ni­ger ex­po­niert. Der Dol­lar notiert ge­gen­über dem Eu­ro und dem Yen 4 resp. 5% tie­fer als zum Zeit­punkt der ers­ten Zins­er­hö­hung des Fed En­de 2015. Zum Fran­ken liegt der Dol­lar gleich­auf mit da­mals. Seit je­nem Tag im Ja­nu­ar in Da­vos hat er sich aber deut­lich zu den In- dus­trie­län­der­wäh­run­gen auf­ge­wer­tet. Für die meis­ten De­vi­sen­ex­per­ten ist nun aber das En­de der Fah­nen­stan­ge er­reicht.

Die Ar­gu­men­te der Ban­ken

Sie pro­gnos­ti­zie­ren, dass sich der Dol­lar zum Eu­ro, Yen und auch zum Fran­ken in den kom­men­den zwölf Mo­na­ten ab­wer­ten wird (vgl. Ta­bel­le). Selbst wenn die Un­ge­wiss­heit rund um Ita­li­en und das Welt­han­dels­kli­ma so­wie der stei­gen­de Öl­preis den Dol­lar in den kom­men­den Wo­chen vor­erst un­ter­stütz­ten dürf­ten. UBS rech­net noch mit ei­ner Ab­wer­tung des Eu­ros bis 1.10 $, aber da­nach dreht das Bild.

Die Kol­le­gen von UniCre­dit er­war­ten, dass das US-Wirt­schafts­wachs­tum ab Mit­te 2019 deut­lich an Tem­po ver­lie­ren wird. Die sti­mu­lie­ren­den Ef­fek­te der Steu­er­re­form lau­fen aus. Das Fed wird ih­rer Mei­nung nach 2019 nur noch ein­mal die Leit­zin­sen er­hö­hen. Bank of Ame­ri­ca er­war­tet zwar 2019 drei Zins­schrit­te, setzt je­doch auf ei­ne in­ter­na­tio­na­le Ent­span­nung. In Eu­ro­pa bie­te sich dann end­lich die Ge­le­gen­heit, die Mi­nus­zins­po­li­tik zu be­en­den. Port­fo­li­os wür­den um­ge­schich­tet, wor­auf jeg­li­che Auf­wer­tungs­fan­ta­sie aus dem Dol­lar wei­che.

Auch der IWF rech­net in sei­ner neu­en Herbst­pro­gno­se da­mit, dass die US-Kon­junk­tur ihr Tem­po nicht hal­ten kann. Von 2,9% wer­de sich das Wachs­tum auf 2,5 (2019) und 1,8% (2020) ver­lang­sa­men.

Die Bank Mor­gan St­an­ley sieht zu­dem Ge­fah­ren für den Dol­lar nach den Mid­Term-Wah­len im No­vem­ber. Soll­ten die De­mo­kra­ten die Mehr­heit im Re­prä­sen­tan­ten­haus ge­win­nen, wür­de die US-Po­li­tik blo­ckiert. We­der ei­ne Wen­de in der Han­dels- und Fi­nanz­po­li­tik sei dann mög­lich, noch gä­be es ei­ne kla­re po­li­ti­sche Un­ter­stüt­zung für Trumps Po­li­tik. Da­bei hat­te sie den Dol­lar bis­lang doch so über­zeu­gend ge­stärkt.

US-Prä­si­dent Do­nald Trump spricht am World Eco­no­mic Fo­rum in Da­vos.

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