Er­leuch­tet

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - MR

Die tür­ki­sche Wirt­schaft steckt gar nicht in der Kri­se, sagt Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan. Ei­ne Atta­cke von aus­sen hat die tür­ki­sche Wirt­schaft in die Kri­se ge­stürzt – sagt er schier im glei­chen Atem­zug. Was denn jetzt? Der Self­made-Sul­tan er­weist sich auch sonst nicht eben als öko­no­misch be­son­ders hell. So gei­fert er ge­gen die No­ten­bank, die im Kampf ge­gen die In­fla­ti­on, was wohl, die Zin­sen er­höht hat. Im Sep­tem­ber be­trug die Jah­res­teue­rung in der Tür­kei 24,5%. So was lässt sich nicht dem­ago­gisch weg­schwa­dro­nie­ren. Der gros­se Schrift­stel­ler Eli­as Ca­net­ti, im Ge­gen­satz zu Er­do­gan tat­säch­lich ein Er­leuch­te­ter, sagt, dass es «aus­ser Krie­gen und Re­vo­lu­tio­nen nichts gibt, das sich in sei­ner Trag­wei­te mit In­fla­tio­nen ver­glei­chen lässt. Die Er­schüt­te­run­gen, die sie be­wir­ken, sind so tie­fer Na­tur, dass man es vor­zieht, sie zu ver­heim­li­chen und zu ver­ges­sen.» Er­do­gan dürf­te Ca­net­ti, No­bel­preis­trä­ger für Li­te­ra­tur 1981, kaum ge­le­sen ha­ben, doch spürt er als Macht­mensch, dass Vol­kes Ver­lust an Kauf­kraft sei­ne Stel­lung schwächt. Die Lam­pen im Gros­sen Ba­sar von Istanbul wer­den wei­ter­hin in ori­en­ta­li­scher Pracht er­strah­len. In Er­do­gans prot­zi­gem Pa­last in An­ka­ra hin­ge­gen könn­ten die Lich­ter zu fla­ckern be­gin­nen.

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