Scha­ler Bei­ge­schmack

Ver­meint­lich gu­te No­ten für die Ener­gie­po­li­tik.

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - PE­TER MORF

Rund al­le fünf Jah­re prüft die In­ter­na­tio­na­le Ener­gie­agen­tur (IEA) die Ener­gie­po­li­tik der ein­zel­nen Mit­glied­län­der. Nach 2012 hat sie sich wie­der der Schweiz an­ge­nom­men. Seit der letz­ten Prü­fung ist Grund­le­gen­des ge­sche­hen: Die Schweiz hat der Ener­gie­stra­te­gie 2050 mit dem Aus­stieg aus der Kern­kraft und mas­si­ven Sub­ven­tio­nen für er­neu­er­ba­re Ener­gi­en zu­ge­stimmt.

Es ist wirkt ei­ni­ger­mas­sen be­fremd­lich, dass die IEA un­ter an­de­rem an­regt, die Fort­füh­rung der För­der­mass­nah­men für er­neu­er­ba­ren Strom so­wie die Ge­bäu­de­ef­fi­zi­enz zu prü­fen, al­so die Sub­ven­ti­ons­wirt­schaft aus­zu­wei­ten. Selbst der Di­rek­tor des Bun­des­am­tes für Ener­gie, Be­noît Re­vaz, ist auf die Brem­se ge­tre­ten. Das neue Re­gime sei erst seit neun Mo­na­ten in Kraft, wei­te­re Aus­bau­plä­ne sei­en da­mit ver­früht, mein­te er vor den Bun­des­haus­me­di­en. Die in­ter­na­tio­na­len «Ener­gie­ex­per­ten» ha­ben of­fen­bar noch nie et­was von den ver­zer­ren­den Fol­gen von Sub­ven­tio­nen ge­hört und sich das ab­schre­cken­de Bei­spiel Deutsch­land nicht an­ge­schaut.

Der Prüf­be­richt fällt nicht durch­weg po­si­tiv aus, auch wenn das Bun­des­amt für Ener­gie «gu­te No­ten» für die Ener­gie­po­li­tik sieht. Die IEA stellt drei zen­tra­le For­de­run­gen, die im­pli­zit Ver­säum­nis­se der Schwei­zer Ener­gie­po­li­tik spie­geln. Zu­nächst for­dert sie ei­nen ra­schen Ab­schluss ei­nes Strom­ab­kom­mens mit der EU, das sei für die Schwei­zer Ener­gie­po­li­tik zen­tral, sonst kön­ne die Ener­gie­stra­te­gie 2050 kaum um­ge­setzt wer­den. Das Ab­kom­men ist nö­tig, da­mit die Schweiz ge­nü­gend Strom im­por­tie­ren kann. Der­zeit liegt ein Strom­ab­kom­men al­ler­dings in wei­ter Fer­ne.

Vor­aus­set­zung ist zu­nächst der Ab­schluss ei­nes in­sti­tu­tio­nel­len Rah­men­ab­kom­mens der Schweiz mit der EU. Die­ses steckt auf­grund ge­werk­schaft­li­cher Ge­sprächs­ver­wei­ge­rung in der Sack­gas­se. Teils sind es die­sel­ben po­li­ti­schen Kräf­te, die der Ener­gie­stra­te­gie zum Durch­bruch ver­hol­fen ha­ben und ih­re Um­set­zung nun über ei­ne Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on ge­gen ein in­sti­tu­tio­nel­les Rah­men­ab­kom­men hin­ter­trei­ben.

Ähn­lich sieht es be­züg­lich der Strom­markt­öff­nung aus. Der Markt ist nur für ge­wis­se, gros­se Kun­den ge­öff­net. Der zwei­te Li­be­ra­li­sie­rungs­schritt ist längst über­fäl­lig, wur­de vom Bun­des­rat aber stets hin­aus­ge­scho­ben. Die IEA ver­spricht sich von ei­ner Markt­öff­nung In­no­va­tio­nen und Wohl­fahrts­ge­win­ne. Rea­lis­ti­scher­wei­se ist die vol­le Öff­nung noch Zu­kunfts­mu­sik, ins­be­son­de­re die Lin­ke setzt sich da­ge­gen zur Wehr – und er­schwert so die Um­set­zung der Ener­gie­stra­te­gie gleich wei­ter.

Zu­dem emp­fiehlt die IEA die Fle­xi­bi­li­sie­rung der Was­ser­zin­sen und ih­re An­bin­dung an die Strom­prei­se. Auch die­ses An­lie­gen hat der Bun­des­rat auf die lan­ge Bank ge­scho­ben – dies auf Druck vor al­lem der Berg­kan­to­ne. Be­tref­fend die an­ge­streb­te Re­duk­ti­on des CO2­Aus­stos­ses äus­sert sich der Be­richt der IEA schliess­lich vor­nehm zu­rück­hal­tend, die Zie­le sei­en «sehr am­bi­ti­ös» – der In­ter­pre­ta­ti­on sind Tür und Tor ge­öff­net. Nein: «Gu­te No­ten» se­hen an­ders aus.

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