Kom­ple­xes Zins­um­feld

Die SNB er­höht erst im Herbst 2019.

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MAN­FRED KRÖLLER

Die Kon­junk­tur läuft rund, die Leit­zin­sen könn­ten stei­gen – aber so ein­fach ist das nicht. Die von FuW be­frag­ten Ban­köko­no­men von UBS, Cre­dit Suis­se (CS), Zürcher Kan­to­nal­bank (ZKB), Bank Bär, Raiff­ei­sen Schweiz, der St. Gal­ler Kan­to­nal­bank (SGKB) und der Schwy­zer KB re­gis­trie­ren zu­neh­mend Ri­si­ken, die die kon­junk­tu­rell ge­recht­fer­tig­te Zins­nor­ma­li­sie­rung ver­lang­sa­men könn­ten.

So zeich­nen sich für UBS­Öko­nom Ales­san­dro Bee für das lau­fen­de Se­mes­ter und für 2019 deut­li­che Ge­fah­ren ab, sie sei­en so­wohl po­li­ti­scher (Han­dels­streit, Ita­li­en) als auch wirt­schaft­li­cher Art (zu star­ke Zins­an­he­bun­gen durch die US­No­ten­bank Fed, Ab­küh­lung der Kon­junk­tur in Chi­na und der Eu­ro­zo­ne).

Des­halb dürf­te die SNB ih­rer Stra­te­gie treu blei­ben und den Fran­ken un­at­trak­tiv hal­ten, ar­gu­men­tiert Bee. Er er­war­tet den ers­ten Zins­schritt der EZB für Sep­tem­ber 2019, die SNB wer­de dann nach­zie­hen.

Kein Auf­wer­tungs­schock

CS­Zins­stra­te­ge Kars­ten Li­now­sky hat an sei­ner Zinsprognose ge­ne­rell «nicht viel ge­än­dert». Aber auch er er­war­tet mitt­ler­wei­le «den ers­ten SNB­Zins­schritt erst im drit­ten Quar­tal 2019». Dies ha­be die SNB jüngst vor al­lem mit der tie­fe­ren In­fla­ti­ons­pro­gno­se be­kräf­tigt.

Eben­falls für Sep­tem­ber 2019 er­war­tet Su­san Jo­ho, Öko­no­min bei Bank Ju­li­us Bär, den ers­ten Schwei­zer Zins­schritt von –0,75 auf –0,5%. Die SNB wer­de der EZB wohl un­mit­tel­bar fol­gen. Ob­wohl die In­fla­ti­on mit er­war­te­ten 1,4% nur schwach ge­stie­gen sei, sei «ein lang­sa­mer Aus­stieg aus den Mi­nus­zin­sen dann als ge­recht­fer­tigt und si­cher» an­zu­se­hen.

Ab­ge­se­hen von der Bank of Ja­pan soll­ten bis da­hin al­le an­de­ren G­10­No­ten­ban­ken mit der Zins­nor­ma­li­sie­rung be­gon­nen ha­ben, er­klärt Jo­ho. Dem Fran­ken dürf­te so­mit kein Auf­wer­tungs­schock mehr dro­hen. Die Kon­junk­tur sieht Jo­ho dann zwar «ein we­nig schwä­cher als jetzt, aber im­mer noch in ro­bus­tem Zu­stand». Die fort­schrei­ten­de Zins­nor­ma­li­sie­rung in den USA und vor al­lem ihr Be­ginn in Eu­ro­pa «wer­den auch bei den lang­fris­ti­gen Zin­sen für ei­ne leich­te Auf­wärts­be­we­gung sor­gen», pro­gnos­ti­ziert Jo­ho.

Seit Mai ha­be sich der Fran­ken wie­der spür­bar auf­ge­wer­tet, stellt SGKB­An­lei­hen­stra­te­ge Patrick Hä­fe­li fest. Die Ge­fahr ei­nes zu star­ken Fran­kens blei­be al­so ein wich­ti­ger Be­stand­teil der SNB­Geld­po­li­tik, die dar­auf ab­zie­le, die ne­ga­ti­ve Zins­dif­fe­renz zum Eu­ro­raum bei­zu­be­hal­ten. Hä­fe­li sieht be­reits im Vor­feld der er­war­te­ten SNB­An­he­bung stei­gen­de Ka­pi­tal­markt­ren­di­ten, da An­le­ger den Schritt der SNB vor­we­gnäh­men.

Kaum In­fla­ti­on

Für Da­vid Mar­met, ZKB­Chef­öko­nom Schweiz, ist Preis­sta­bi­li­tät in der Schweiz vor­erst auch bei gu­ter Kon­junk­tur, nied­ri­ger Ar­beits­lo­sig­keit und Ne­ga­tiv­zin­sen ge­währ­leis­tet. Die SNB wer­de die Zin­sen nicht vor der EZB an­he­ben. Den ers­ten Schritt der SNB sieht auch Mar­met «frü­hes­tens im Sep­tem­ber 2019».

Raiff­ei­sen­An­la­ge­stra­te­ge Ro­land Klä­ger merkt an, dass trotz star­kem Wirt­schafts­wachs­tum und leicht an­zie­hen­der In­fla­ti­on der SNB die Hän­de ge­bun­den blei­ben, so­lan­ge sich die EZB nicht be­we­ge. Der Fran­ken sei teu­er, «und ein Vor­pre­schen wür­de die Be­mü­hun­gen um ei­nen et­was schwä­che­ren Fran­ken zu­nich­te­ma­chen». In den USA blei­be die Zins­nor­ma­li­sie­rung auf Kurs. Ri­si­ko­fak­to­ren (Ita­li­en, Han­dels­streit, Br­ex­it) sorg­ten da­für, dass die ge­mäch­li­che Nor­ma­li­sie­rung «re­gel­mäs­sig von Rück­schlä­gen be­glei­tet wer­den dürf­te», sagt Klä­ger.

Auch für Tho­mas Hel­ler, An­la­ge­chef der Schwy­zer KB, «wird die SNB nicht vor der EZB an der Zins­schrau­be dre­hen». Frü­hes­ter Zeit­punkt für die EZB sei Sep­tem­ber 2019. «Mög­lich, dass die SNB so­fort nach­zieht, wir rech­nen mit ei­ner leich­ten Ver­zö­ge­rung», prä­zi­siert Hel­ler.

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