Lo­gi­tech und Ro­che

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - RO­LAND VOGT

Ein­fa­che Si­tua­ti­ons­be­schrei­bun­gen sind so be­liebt, weil sie je­der ver­steht. Da­zu ge­hö­ren «neu­es Hoch» und «neu­es Tief» – völ­lig in­halts­frei, weil näm­lich je­des neue Hoch oder Tief das letz­te ge­we­sen sein könn­te.

Die Ak­tie von Lo­gi­tech hat En­de Au­gust ein neu­es All­zeit­hoch er­reicht, und so ein neu­es Hoch kommt ja in der Re­gel nicht al­lein. Wird über das ers­te neue Hoch be­rich­tet, strahlt das of­fen­sicht­lich für man­che In­ves­to­ren so et­was wie Un­um­stöss­lich­keit oder Si­cher­heit aus. Das ist des­halb der Zeit­punkt, an dem sich die zö­ger­li­chen In­ves­to­ren aus der De­ckung wa­gen.

Kein schnel­les En­de

Und auch die­se braucht der Markt. Um zu ei­nem neu­en Hoch vor­zu­stos­sen, müs­sen zu­vor schon vie­le an­de­re In­ves­to­ren ge­kauft ha­ben. Es braucht da­her die al­ler­bes­ten Nach­rich­ten, um noch wei­te­re In­ves­to­ren zu mo­bi­li­sie- ren, und ir­gend­wann reicht dann eben auch das nicht mehr. Lo­gi­tech notiert ak­tu­ell wie­der da wie schon vor zehn Jah­ren. Die in der Gra­fik mar­kier­te Struk­tur ent­steht, wenn der zu­grun­de lie­gen­de Trend ge­sät­tigt ist. Die Kur­se schwan­ken dann im­mer stär­ker, weil die La­ge am­bi­va­lent und in­sta­bil wird. Der gan­ze Kurs­ver­lauf von En­de Ju­li bis An­fang Sep­tem­ber geht auf die­ses Kon­to. Ir­gend­wann ist auch die­se Pha­se vor­über, und ein neu­er Trend be­ginnt, wie bei Lo­gi­tech seit Mit­te Sep­tem­ber.

Die Ab­wärts­be­we­gung hat al­so kei­nen kurz­fris­ti­gen Kon­text und wird so rasch auch nicht vor­über sein. Aber na­tür­lich wird es Er­ho­lun­gen ge­ben, die dann da­zu bei­tra­gen, dass die kurz­fris­ti­ge Ent­wick­lung, wie schon im Au­gust, den Blick aufs We­sent­li­che ver­deckt.

Nach Er­ho­lung an­fäl­lig

Ro­che wirkt heu­te wie ein si­che­rer Ha­fen. Im Ju­ni war das of­fen­sicht­lich für vie­le Markt­teil­neh­mer noch schwer vor­stell­bar, ob­schon sich der Um­schwung wie bei Lo­gi­tech in Form ei­ner «Wedge» an­ge­kün­digt hat­te. In der Zwi­schen­zeit ist dies of­fen­sicht­lich, doch das ist nicht der sprin­gen­de Punkt. Statt an Wor­ten mes­se ich den Markt lie­ber an sei­nen Da­ten. Die­se ste­hen qua­li­ta­tiv zu­se­hends in Di­ver­genz zu­ein­an­der.

Das güns­tigs­te Sze­na­rio be­steht dar­in, dass es in ei­ni­gen Wo­chen ge­lingt, das gut prä­sen­te Wi­der­stands­band

(250 Fr.) zu über­win­den. Die Ge­nuss­schei­ne wür­den dar­auf­hin den Schluss­teil der ei­gent­lich schon im Ju­ni ge­star­te­ten Auf­wärts­stre­cke zu­rück­le­gen. Im bes­ten Fall könn­te das die Kur­se noch bis 258 Fr. brin­gen. Drei Vier­tel der Stre­cke hat Ro­che auf je­den Fall aber schon hin­ter sich, und ein so weit ge­reif­ter Trend wird an­fäl­lig und am­bi­va­lent.

Das ist et­was, was ich je­weils in mei­ne ei­ge­ne Ri­si­ko­kal­ku­la­ti­on ein­flies­sen las­se und das so­mit mei­ne Stra­te­gie prägt. In­ves­to­ren, die bei 245 Fr. kau­fen, konn­ten es aus mir un­be­kann­ten Grün­den bei 215 nicht. Ih­nen auf den Fer­sen zu fol­gen, er­gibt be­son­ders bei ge­reif­tem Trend nur we­nig Sinn.

Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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