Mo­ni­tor

Nur Ge­winn­mit­nah­men?

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - THO­MAS ZGRAGGEN,

Mit ei­nem Mi­nus von 3,3% er­leb­te der In­dex der gröss­ten bör­sen­no­tier­ten US-Un­ter­neh­men, der S&P500, am Mitt­woch den gröss­ten Ta­ges­ver­lust seit Fe­bru­ar die­ses Jah­res. Ähn­lich er­ging es dem Dow Jo­nes, der an die­sem Tag 800 Punk­te ein­brach. Ent­nerv­te An­le­ger sorg­ten da­für, dass sich die Aus­ver­kaufs­stim­mung welt­weit aus­brei­te­te. Trotz­dem er­hol­ten sich die Märk­te am Frei­tag leicht. Prä­si­dent Trump ätz­te ein­mal mehr ge­gen die US-No­ten­bank (Fed), die wohl an­ge­sichts der Kurs­ver­lus­te, die sich seit Län­ge­rem an­ge­kün­digt hät­ten, «ver­rückt» ge­wor­den sei. Ein ei­gent­li­cher Steil­pass für das Fed kann es da­mit doch sei­ne Un­ab­hän­gig­keit un­ter­mau­ern.

Ein «Fed-Put» scheint zum jet­zi­gen Zeit­punkt un­wahr­schein­lich an­ge­sichts des Ni­veaus des S&P 500 und dem Zu­stand der USWirt­schaft. Al­ler­dings könn­te es durch ei­ne all­fäl­li­ge An­nä­he­rung der US-Han­dels­po­li­tik an ei­nen Kom­pro­miss mit Peking zu ei­ner Art «Trump-Put» für Ak­ti­en kom­men. Ins­ge­samt dürf­te die kurz­fris­ti­ge Ent­wick­lung an den Märk­ten die Han­dels­po­li­tik der Re­gie­rung kaum be­ein­flus­sen, da sie für die Zwi­schen­wah­len im No­vem­ber kaum ent­schei­dend sein wird. Bei ei­ner län­ger an­hal­ten­den Baisse wä­re es viel­leicht an­ders, doch da­von sind wir weit ent­fernt.

Ge­win­ner sind Ver­lie­rer

Be­ach­tens­wert ist, dass In­dexSchwer­ge­wich­te wie Ama­zon oder App­le, die über das Jahr zu den gröss­ten Ge­win­nern ge­hör­ten, nun die gröss­ten Ver­lus­te ver­buch­ten. Dies scheint die The­se zu er­här­ten, dass es sich ak­tu­ell eher um nor­ma­le Ge­winn­mit­nah­men han­delt. Die An­le­ger sties­sen in ers­ter Li­nie Tech­no­lo­gie- und an­de­re Wachs­tum­s­ti­tel ab, doch die Ver­lus­te er­fass­ten auch Va­lue-Ti- tel, ein­schliess­lich Fi­nanz­wer­te. Er­öff­net von Ban­ken, läuft mo­men­tan die US-Be­richt­sai­son zum drit­ten Quar­tal. Er­war­tet wer­den wie­der­um ro­bus­te Zah­len, aber auch mehr In­for­ma­tio­nen, wie sich Zöl­le aus­wir­ken. Ei­nen Hin­weis gab die­se Wo­che Fas­ten­al. Der US-Bau­stoff­her­stel­ler, der rund 10% sei­ner Pro­duk­te aus Chi­na be­zieht, rech­net mit ei­nem Rück­gang der Mar­gen. Die an­ge­spann­ten Han­dels­be­zie­hun­gen zwi­schen den USA und Chi­na wa­ren wohl mit ein Grund für die Ver­wer­fun­gen die­ser Wo­che. Dar­auf hat­te auch der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds hin­ge­wie­sen, als er die Pro­gno­se für das glo­ba­le Wachs­tum für die­ses Jahr und 2019 auf 3,7% senk­te.

In der Schweiz trie­ben Über­nah­me­ge­rüch­te den Ak­ti­en­kurs von GAM 10%. Der ist aber noch weit vom Ja­nu­ar-Hoch ent­fernt. Nach­dem Lu­xus­gü­ter­her­stel­ler LVMH die stren­ge­re An­wen­dung der chi­ne­si­schen Zoll­vor­schrif­ten als po­ten­zi­el­le Her­aus­for­de­rung für das Ge­schäft be­zeich­net hat­te, traf es nun auch Ri­che­mont und Swatch, die zu den am stärks­ten be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men des SMI ge­hö­ren. CE­VA stie­gen um über 30% nach­dem ein spä­ter be­stä­tig­tes Kauf­in­ter­es­se von DSV mit ei­ner Prä­mie von 50% zum Schluss­kurs am Mitt­woch be­kannt ge­wor­den war. Zu den Schwei­zer Fir­men, die nächs­te Wo­che ih­re Re­sul­ta­te prä­sen­tie­ren, ge­hö­ren Te­me­nos und No­var­tis.

Eher un­ge­wöhn­lich

Der An­stieg der Vo­la­ti­li­tät kam zu ei­ner Zeit, als sich die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger US-Schatz­an­lei­hen na­he dem An­fang der Wo­che er­reich­ten Sie­ben­jah­res­hoch ein­zu­pen­deln be­gan­nen.

An­ge­sichts der Ab­stim­mung zum Ent­wurf des Haus­halts­plans der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung, der bis Mon­tag an die EU-Kom­mis­si­on ge­hen muss, er­leb­ten ita­lie­ni­sche An­lei­hen ei­nen neu­en Ver­kaufs­schub. Haus­halts­sor­gen dämpf­ten auch den Eu­ro, der je­doch ge­gen­über dem Dol­lar et­was an Bo­den ge­win­nen konn­te. Der Fran­ken ver­lor leicht, ei­ne an­ge­sichts der schwä­cheln­den Märk­te der letz­ten Ta­ge ei­ne eher un­ge­wöhn­li­che Ent­wick­lung.

Bei Gold kam es nur zu ei­ner leich­ten Ral­ly. Öl wur­de wie­der bil­li­ger. Ver­stärkt wur­de die Kauf­zu­rück­hal­tung durch den stär­ker als er­war­tet aus­ge­fal­le­nen An­stieg der US-La­ger­be­stän­de. Die täg­li­che Öl­pro­duk­ti­on im Golf von Me­xi­ko wur­de we­gen des Hur­ri­kans Micha­el ge­dros­selt.

Quel­le: Bloom­berg / EFG

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