Die RBS fin­det all­mäh­lich wie­der ins Le­ben zu­rück

GROSSBRITANNIEN Zehn Jah­re nach der Ret­tung durch den Staat zahlt Roy­al Bank of Scot­land erst­mals wie­der ei­ne Di­vi­den­de.

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - PAS­CAL MEISSER,

«Thank God it’s Fri­day» hat­te für die Ak­tio­nä­re der Roy­al Bank of Scot­land (RBS) die­se Wo­che ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung. Am 12. Ok­to­ber zahl­te die einst fünft­gröss­te Bank der Welt zum ers­ten Mal seit zehn Jah­ren wie­der ei­ne Di­vi­den­de an sei­ne rund 190 000 Ak­tio­nä­re. Es ist zwar bloss ei­ne Zwi­schen­aus­schüt­tung von 2 Pence, was zum ak­tu­el­len Kurs ei­ner Ren­di­te von nicht ein­mal 1% ent­spricht – aber ei­ne sym­bo­li­sche Ges­te mit Strahl­kraft.

Es wirkt schon fast wie bri­ti­scher Hu­mor, dass das Aus­zahl­da­tum um ein Haar mit dem Tag zu­sam­men­fällt, der als ei­ner der schwär­zes­ten des bri­ti­schen Ban­ken­sek­tors in die Ge­schich­te ein­ging.

Man schrieb Mon­tag, den 13. Ok­to­ber 2008, als der da­ma­li­ge Pre­mier­mi­nis­ter Gor­don Brown just bei Er­öff­nung des Lon­do­ner Bör­sen­han­dels be­kannt­gab, die drei gröss­ten Ban­ken des Lan­des mit ei­ner Geld­sprit­ze von 37 Mrd. £ (um­ge­rech­net rund 73 Mrd. Fr.) vor dem Kol­laps zu ret­ten. Den Lö­wen­an­teil von 20 Mrd. £ be­an­spruch­te die RBS, die be­reits wäh­rend der gan­zen Vor­wo­che mit Not­kre­di­ten am Le­ben er­hal­ten wer­den muss­te.

Die staat­li­che Mass­nah­me kam nicht über­ra­schend. Be­reits wäh­rend Ta­gen hat­te sich ein sol­cher Ret­tungs­plan ab­ge­zeich­net, auch wenn ge­mein­hin da­mit ge­rech­net wur­de, dass deut­lich we­ni­ger Steu­er­gel­der ein­ge­setzt wer­den müss­ten. Mit der Mass­nah­me be­sas­sen die bri­ti­schen Bür­ger auf ei­nen Schlag 60% der RBS und da­mit an ei­ner Bank, die im Vor­feld der Fi­nanz­kri­se zum Sinn­bild des Irr­sinns der Bran­che wur­de.

Lan­ger Weg bis zum Kol­laps

Der Grös­sen­wahn hat­te ei­nen Na­men. Fred Good­win hiess der da­ma­li­ge Ban­ken­chef, der ein Im­pe­ri­um auf­bau­te und zum Schluss jeg­li­che Bo­den­haf­tung ver­lor. Good­win war ein Schot­te mit un­ver­kenn­ba­rem nörd­li­chem Ak­zent, er ar­bei­te­te sich vom Be­ra­ter bei De­loit­te zum Chef der klei­nen schot­ti­schen Bank Cly­des­da­le hoch – und er­warb sich da­bei den we­nig schmei­chel­haf­ten Über­na­men «Fred the Sh­red», was sich sinn­ge­mäss über­set­zen lässt mit «Fred, der al­les zer­fled­dert.» In der Lon­do­ner Fi­nanz­bran­che galt Good­win als scho­nungs- und er­bar­mungs­los. Für ihn zähl­te al­lein der Er­folg – vor al­lem der per­sön­li­che.

2001 wur­de Good­win zum Chef der alt­ehr­wür­di­gen Roy­al Bank of Scot­land er­nannt. Die 1727 ge­grün­de­te Bank mit Sitz in Edin­burgh er­leb­te un­ter ih­rem neu­en Chef ei­ne nie da ge­we­se­ne Pha­se de­s­Wachs­tums. Good­win ak­qui­rier­te klei­ne­re Ban­ken in Mas­sen, un­ter ih­nen 2003 über die RBS-Toch­ter Coutts auch die Ber­ner Pri­vat­bank von Ernst. Mit dem auf­ge­bläh­ten Ge­bil­de er­wirt­schaf­te­te RBS kurz vor dem Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se den gröss­ten Teil der Ein­nah­men aus­ser­halb des Heim­markts, die Bank klet­ter­te ge­mes­sen an der Bi­lanz­sum­me in die Top fünf welt­weit.

2005 liess Good­win für über ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Fran­ken auf der grü­nen Wie­se aus­ser­halb von Edin­burgh ei­nen neu­en Prunk­bau er­stel­len, mit un­ver­stell­tem Blick auf die hü­ge­li­ge Land­schaft. Zur Er­öff­nung kam Queen Eliz­a­beth, so­gar die Roy­al Air Force, die sonst fast aus­schliess­lich bei Staats­an­läs­sen auf­tritt, war mit ei­ner Flug­show prä­sent. Good­wins Nar­ziss­mus gip­fel­te da­rin, dass das avia­ti­sche Kenn­zei­chen sei­nes Ge­schäfts­flie­gers die Buch­sta­ben RBS be­inhal­te­te.

Ak­ti­en­kurs im Kel­ler

Zum Ge­nick­bruch führ­te die mil­li­ar­den­teu­re Übernahme der ABN Am­ro 2007 zu­sam­men mit Santan­der und For­tis. Ei­nen Gross­teil des Kauf­prei­ses be­stritt RBS mit Bar­mit­teln. Das schwäch­te die ei­ge­ne Bi­lanz der­art, dass sie die Fi­nanz­kri­se nicht mehr stem­men konn­te. Die RBS droh­te in sich zu­sam­men­zu­fal­len. Nach dem Ein­stieg des Staa­tes muss­te Good­win sei­nen Platz räu­men.

Die Ret­tung der Bank nahm Jah­re in An­spruch, 2017 schrieb die RBS erst­mals seit der Ret­tung wie­der ei­nen Ge­winn. CEO Ross McEwan stellt zu­dem in Aus­sicht, be­reits 2019 ei­ne deut­lich at­trak­ti­ve­re Di­vi­den­de aus­zu­zah­len. Noch nicht er­holt hat sich ein­zig der Ak­ti­en­kurs. Der­zeit liegt das Ni­veau bei rund 250 Pence – im März 2007 wa­ren es noch fast 7000 Pence ge­we­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.