Über­ris­se­ne Kor­rek­tur bei den Uh­ren­ak­ti­en

Der mas­si­ve Kurs­rück­gang der Ak­ti­en Swatch Group und Ri­che­mont ist fun­da­men­tal nicht be­grün­det. An­le­gern bie­ten sich güns­ti­ge Ein­stiegs­chan­cen.

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - PAS­CAL MEISSER

Auf sol­chen Kurs­ni­veaus hat man die Schwei­zer Lu­xus­gü­ter­ak­ti­en schon seit län­ge­rem nicht mehr ge­se­hen. Die jüngs­te Kor­rek­tur an den Welt­bör­sen hat die Va­lo­ren von An­bie­tern teu­rer Gü­ter auf stei­le Tal­fahrt ge­schickt. Die In­ha­ber­ti­tel der Swatch Group fie­len die­se Wo­che bis ge­gen 330 Fr., Ri­che­mont nä­her­ten sich der Mar­ke von 70 Fr. Seit dem Jah­res­hoch Mit­te Mai ha­ben die bei­den Uh­ren- und Schmuck­spe­zia­lis­ten 20 bis 30% an Wert ver­lo­ren (vgl. Chart).

Für die­sen mas­si­ven Kurs­rutsch wa­ren zwei Grün­de mass­ge­bend. Ei­ner­seits ha­ben ver­schie­de­ne Ban­ken den Lu­xus­gü­ter­be­reich her­un­ter­ge­stuft. Nach­dem UBS En­de Au­gust ein­zel­nen Sek­tor­ver­tre­tern, dar­un­ter Swatch Group, die Kauf­emp­feh­lung ent­zo­gen hat­te, dop­pel­te Mor­gan St­an­ley An­fang die­ser Wo­che nach und stuf­te den ge­sam­ten Sek­tor her­un­ter. Gleich­zei­tig ge­rie­ten die Ti­tel in den Stru­del der jüngs­ten Sek­tor­ro­ta­ti­on, in der gros­se In­ves­to­ren Gel­der aus dem Kon­sum­gü­ter­be­reich ab­zo­gen und in de­fen­si­ve­re Be­rei­che an­leg­ten.

So­li­de Quar­tals­zah­len

Re­né We­ber, Lu­xus­gü­ter­ana­lyst bei der Bank Von­to­bel, kann die jüngs­te Kurs­ent­wick­lung nicht nach­voll­zie­hen. «Aus fun­da­men­ta­ler Sicht ist ein sol­cher Ab­sturz nicht ge­recht­fer­tigt», sagt er.

Tat­säch­lich sind die jüngs­ten Zah­len der Lu­xus­gü­ter­un­ter­neh­men so­li­de bis gut aus­ge­fal­len. Mit­te Sep­tem­ber wies Ri­che­mont beim Tra­ding Up­date nach fünf Mo­na­ten ein or­ga­ni­sches Um­satz­wachs­tum von 10% aus, An­fang die­ser Wo­che mel­de­te der fran­zö­si­sche Lu­xus­gi­gant LVMH, zu dem un­ter an­de­rem die Schwei­zer Uh­ren­mar­ken Tag Heu­er und Hu­blot ge­hö­ren, ein Um­satz­plus von eben­falls 10%. Auch Swatch Group steht vor ei­nem aus­ge­zeich­ne­ten Ge­schäfts­jahr mit wach­sen­den Mar­gen. Zum Halb­jahr hat­te der welt­gröss­te Uh­ren­her­stel­ler ei­nen Um­satz­re­kord ver­mel­det.

Ver­ein­zelt be­fürch­ten Ana­lys­ten, dass der Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na die chi­ne­si­sche Kon­su­men­ten­stim­mung be­ein­träch­ti­gen könn­te. Dies könn­te sich nach­tei­lig auf den Ab­satz von Lu­xus­gü­tern im Reich der Mit­te aus­wir­ken. Die Ana­lys­ten von Mor­gan St­an­ley ver­tre­ten in ih­rem Be­richt den Stand­punkt, dass die Kauf­lust der Chi­ne­sen den Hö­he­punkt er­reicht hat. Chi­na ist für Lu­xus­gü­ter­her­stel­ler der wich­tigs­te Markt. Der Um­satz­an­teil, der dort er­zielt wird, ist von 6% im Jahr 2005 auf 32% im letz­ten Jahr ge­klet­tert – Ten­denz stei­gend. Da­zu kommt, dass Swatch Group und Ri­che­mont im Sek­tor­ver­gleich be­son­ders stark in Chi­na ex­po­niert sind. Swatch Group er- zielt ge­mäss Schät­zung von Mor­gan St­an­ley je­den zwei­ten Um­satz­fran­ken mit Chi­ne­sen, bei Ri­che­mont sind es 42%, bei LVMH 31%. Das er­klärt, wes­halb Swatch Group und Ri­che­mont in­ner­halb der Lu­xus­gü­ter­bran­che zu den Ti­teln ge­hö­ren, die am hef­tigs­ten ge­beu­telt wur­den.

Mar­gen noch nicht aus­ge­reizt

Zu­letzt hat sich da­sWachs­tum der Ex­port­zah­len bei den Schwei­zer Uh­ren et­was ab­ge­flacht. Lag der Zu­wachs im ers­ten Halb­jahr noch bei 10%, wa­ren es im Ju­li 6,6 und im Au­gust 5,5%. Die­ser Rück­gang ist nicht auf ei­ne Ver­schlech­te­rung der Kon­su­men­ten­stim­mung zu­rück­zu­füh­ren, son­dern liegt an den hö­he­ren Ver­gleichs­wer­ten vom Vor­jahr. Die Er­ho­lung im Uh­ren­markt war vor al­lem ab dem zwei­ten Halb­jahr 2017 spür­bar. Die Ex­port­zah­len vom Mo­nat Sep­tem­ber wer­den nächs­ten Don­ners­tag pu­bli­ziert.

Ana­lyst Re­né We­ber sieht zu­min­dest im Fall von Ri­che­mont die der­zei­ti­gen No­tie­run­gen als Kauf­mög­lich­keit. Auch «Fi­nanz und Wirt­schaft» be­kräf­tigt die Kauf­emp­feh­lung – so­wohl für Ri­che­mont wie auch für Swatch Group. Als Spät­zy­kli­ker ha­ben bei­de Ti­tel ihr Mar­gen­po­ten­zi­al noch nicht aus­ge­reizt. Ri­che­mont (un­ter Aus­klam­me­rung der erst­mals kon­so­li­dier­ten Yoox Net-a-Por­ter) wie auch Swatch Group dürf­ten in die­sem Ge­schäfts­jahr die ope­ra­ti­ven Mar­gen im Uh­ren­be­reich deut­lich ver­bes­sern. Bei Swatch Group wird sich der wie­der er­stark­te Fran­ken et­was ne­ga­tiv be­merk­bar ma­chen.

Es könn­te sich aus­zah­len, nur etap­pen­wei­se zu kau­fen. Ana­lyst Ro­ge­rio Fu­ji­mo­ri von der Roy­al Bank of Ca­na­da sieht die Sek­tor­ro­ta­ti­on noch nicht als ab­ge­schlos­sen. Es ist des­halb nicht aus­zu­schlies­sen, dass der Ver­kaufs­druck bei den Uh­ren­ak­ti­en noch et­was an­dau­ert, be­vor es wie­der auf­wärts­geht.

Al­le Fi­nanz­da­ten zu Swatch Group und Ri­che­mont im Ak­ti­en­füh­rer:

www.fuw.ch/UHR, www.fuw.ch/CFR

Lu­xus­gü­ter­her­stel­ler er­zie­len durch­schnitt­lich je­den drit­ten Um­satz­fran­ken mit Chi­ne­sen.

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