Neu­er Ter­min für das IPO von Sau­di Aram­co

Kron­prinz Mo­ham­med bin Sal­man be­stä­tigt den Bör­sen­gang und will ihn spä­tes­tens 2021 durch­zie­hen.

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MAR­TIN GOLLMER

Nun soll er al­so doch noch kom­men. Die Re­de ist vom Bör­sen­gang (Initi­al Pu­blic Of­fe­ring, IPO) des sau­di­schen staat­li­chen Öl­kon­zerns Sau­di Aram­co. Kron­prinz Mo­ham­med bin Sal­man, der star­ke Mann in Sau­di-Ara­bi­en, hat­te das IPO vor zwei Jah­ren ur­sprüng­lich auf 2018 an­ge­kün­digt. Doch im Ver­lauf die­ses Jah­res ka­men im­mer mehr Zwei­fel auf, ob der Bör­sen­gang über­haupt noch statt­fin­den wür­de. Jetzt hat MBS, wie der drei­und­dreis­sig­jäh­ri­ge Kron­prinz kurz ge­nannt wird, in ei­nem In­ter­view mit der Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg das IPO be­stä­tigt und ei­nen neu­en Ter­min ge­nannt: spä­tes­tens 2021.

Sau­di Aram­co ist ein un­ver­zicht­ba­rer Be­stand­teil der Ver­sor­gung der Welt mit Öl. Das Un­ter­neh­men zeich­net für 10% der glo­ba­len Öl­pro­duk­ti­on ver­ant­wort­lich und ist mit ei­ner täg­li­chen För­de­rung von über 10 Mio. Fass deut­lich grös­ser als der US-Mul­ti Exxon Mo­bil, die glo­bal gröss­te ko­tier­te Öl­ge­sell­schaft (vgl. Ta­bel­le).

Er­eig­nis der Su­per­la­ti­ve

Der Bör­sen­gang von Sau­di Aram­co soll denn auch ei­ner von noch nie da­ge­we­se­nem Aus­mass wer­den. Die Plat­zie­rung von 5% der Ak­ti­en soll dem sau­di­schen Staat 100 Mrd. $ in die Kas­se spü­len. Das ist vier­mal so viel wie 2014 das IPO des chi­ne­si­schen In­ter­net­kon­zerns Ali­ba­ba, der bis­her gröss­te Bör­sen­gang, ein­brach­te. Re­sul­tie­ren soll nach MBS ei­ne Be­wer­tung von Sau­di Aram­co mit 2000 Mrd. $. Zum Ver­gleich: App­le, das zur­zeit wert­volls­te Un­ter­neh­men der Welt, weist ei­ne Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung von «nur» 1000 Mrd. $ auf. Ana­lys­ten sind al­ler­dings der Mei­nung, dass Sau­di Aram­co bes­ten­falls 1000 bis 1500 Mrd. $ wert ist.

Das IPO von Sau­di Aram­co ist der Grund­pfei­ler der Vi­si­on 2030 von MBS. Mit dem ein­ge­sam­mel­ten Geld soll die sau­di­sche Volks­wirt­schaft re­for­miert und vom Öl un­ab­hän­gi­ger ge­macht wer­den.

Dass die Trans­ak­ti­on nicht so schnell kommt wie ur­sprüng­lich an­ge­kün­digt, hat meh­re­re Grün­de. Ers­tens ist der Öl­preis seit der An­kün­di­gung 2016 von 30 auf 80 $ pro Fass ge­stie­gen. Sau­di-Ara­bi­en ver­dient da­mit wie­der ge­nug Geld, um sein Staats­bud­get mit sei­nen ho­hen So­zi­alund Mi­li­tär­aus­ga­ben so­wie den lu­xu­riö­sen Le­bens­stil im weit­ver­zweig­ten Kö­nigs­haus zu fi­nan­zie­ren. Zwei­tens soll Sau­di Aram­co vor dem IPO erst noch das staat­li­che Pe­tro­che­mie­un­ter­neh­men Sa­bic über­neh­men. Das, weil die Be­deu­tung der Pe­tro­che­mie als Ab­satz­ka­nal für Öl ten­den­zi­ell zu­nimmt. Denn der Öl­ver­brauch dürf­te mit­tel- bis lang­fris­tig we­gen der auf­kom­men­den Elek­tro­mo­bi­li­tät und den Be­mü­hun­gen zur Ein­däm­mung des Kli­ma­wan­dels sin­ken. Die für 2019 vor­ge­se­he­ne Übernahme von Sa­bic braucht da­bei Zeit. Nicht zu­letzt weil Re­gu­lie­rungs­be­hör­den den De­al welt­weit ab­seg­nen müs­sen. Be­son­ders die EU-Wett­be­werbs­be­hör­de wird ge­nau hin­schau­en, weil Sa­bic mitt­ler­wei­le Gross­ak­tio­när beim Spe­zi­al­che­mie­kon­zern Cla­ri­ant ist.

Drit­tens tun sich die Ver­ant­wort­li­chen schwer mit derWahl des Bör­sen­plat­zes, an dem Sau­di Aram­co ko­tiert wer­den soll. Fa- vorit von MBS ist New York. Doch gibt es bei Be­ra­tern Be­den­ken we­gen des gros­sen Pro­zess­ri­si­kos in den USA. Im Ren­nen sind auch noch Lon­don und Hong­kong.

Nur lau­war­mes In­ter­es­se

Vier­tens ha­ben Prä­sen­ta­tio­nen in den USA ge­zeigt, dass In­ves­to­ren nur lau­war­mes In­ter­es­se am IPO ha­ben. Sie wei­sen dar­auf hin, dass sich Sau­di Aram­co auch nach dem Bör­sen­gang noch gross­mehr­heit­lich in Staats­be­sitz be­fin­den wer­de, dass al­so Staats­rä­son in den Ent­schei­dun­gen nach wie vor ei­nen grös­se­ren Ein­fluss ha­ben könn­te als ge­schäft­lich-wirt­schaft­li­che Über­le­gun­gen.

Be­den­ken ha­ben die In­ves­to­ren auch, weil fos­si­le Brenn­stof­fe wie Öl in Zu­kunft we­gen den glo­ba­len An­stren­gun­gen zur Re­duk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen un­ter Druck kom­men könn­ten. Wei­ter be­ste­hen Zwei­fel, ob Sau­di Aram­co ei­ne ge­nug ho­he Di­vi­den­de zah­len kann, um mit der Kon­kur­renz mit­hal­ten zu kön­nen. Die Ak­ti­en von Roy­al Dutch Shell et­wa ren­tie­ren zur­zeit mit sat­ten 6%.

Schliess­lich und viel­leicht am wich­tigs­ten: Der Bör­sen­gang von Sau­di Aram­co wür­de für Sau­di-Ara­bi­en ei­ne Re­vo­lu­ti­on be­deu­ten. Das tra­di­tio­nell sehr kon­ser­va­ti­ve und ver­schlos­se­ne Kö­nig­reich müss­te sich öff­nen – we­nigs­tens teil­wei­se. Denn mit dem Bör­sen­gang muss Sau­di Aram­co Ein­blick in ih­re Bü­cher ge­wäh­ren. Da­mit aber er­hiel­te die Aus­sen­welt auch Ein­blick in das Funk­tio­nie­ren des sau­di­schen Kö­nigs­hau­ses und sei­ner Fi­nan­zen.

Es ist des­halb kein Wun­der, dass MBS auch mit sei­nem Bloom­berg-In­ter­view die Zwei­fel an der Durch­füh­rung des Bör­sen­gangs von Sau­di Aram­co noch nicht voll­stän­dig aus­räu­men konn­te.

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