«Cham­pa­gner nur zu ge­schäft­li­chen An­läs­sen»

Die Sys­temin­ge­nieu­rin führt seit zehn Jah­ren das pres­ti­ge­rei­che Cham­pa­gner-Haus Krug. Sie hat dem Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men neu­es Le­ben ein­ge­haucht.

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - MAR­TIN GOLLMER

Mit zehn Jah­ren trank Mar­ga­reth Hen­ri­quez zum ers­ten Mal Cham­pa­gner. Da­mals, so er­in­nert sich die heu­te 62-Jäh­ri­ge, über­re­de­te sie ih­ren Va­ter an Weih­nach­ten, ihr ei­nen Schluck zum Pro­bie­ren zu ge­ben. Der Chef ei­nes Un­ter­neh­mens, das Wein und Spi­ri­tuo­sen her­stell­te und ver­trieb, rich­te­te je­weils bei die­ser fei­er­li­chen Ge­le­gen­heit ein paar Wor­te des Dan­kes an sei­ne Fa­mi­lie und öff­ne­te da­nach ei­ne Fla­sche Mo­ët & Chan­don.

Seit­her liebt Mag­gie, wie sie von Ver­wand­ten und Freun­den ge­nannt wird, Cham­pa­gner. Dass sie der­einst Kar­rie­re in der Cham­pa­gner-In­dus­trie ma­chen wür­de, dach­te sie da­mals nicht. Heu­te ist sie CEO des pres­ti­ge­rei­chen fran­zö­si­schen Cham­pa­gner-Hau­ses Krug und seit 2018 Prä­si­den­tin der Esta­tes & Wi­ne Di­vi­si­on von Mo­ët Hen­nes­sy.

Cham­pa­gner trinkt Hen­ri­quez heu­te nur noch zu ge­schäft­li­chen An­läs­sen. Sonst ver­zich­tet sie auf das ed­le Ge­tränk, um nicht zu viel Al­ko­hol zu sich zu neh­men. Wenn sie Cham­pa­gner trinkt, dann aus ei­nem Wein­glas und nicht zu kalt. «So kommt sein Cha­rak­ter am bes­ten zur Gel­tung», sagt sie im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Der Ge­nuss aus der weit ver­brei­te­ten Flö­te sei da­ge­gen, wie wenn man bei ei­nem Orches­ter nur ein Drit­tel der Mu­sik hö­ren wür­de.

Als Hen­ri­quez bei der Mai­son Krug an­fing, litt das Un­ter­neh­men un­ter dra­ma­ti­schen Um­satz­ver­lus­ten. Sie ver­such­te, den Trend mit ei­ner neu­en Mar­ke­ting­stra­te­gie zu keh­ren. Doch zu­nächst schei­ter­te sie. Ih­re Re­zep­te für die Ver­mark­tung von Kon­sum­gü­tern für den Mas­sen­markt, die sie bei ih­ren frü­he­ren Jobs an­ge­wen­det hat­te, zo­gen nicht. Nach dem Ge­spräch mit dem Ma­na­ger ei­ner Lu­xus­kos­me­tik­mar­ke kam Hen­ri­quez die ret­ten­de Idee. Sie be­gann sich mit der Ge­schich­te der Mai­son Krug aus­ein­an­der­zu­set­zen. Sie fand die No­tiz­bü­cher von Jo­hann Jo­seph Krug, der das Un­ter­neh­men 1843 ge­grün­det hat­te, mit der Vi­si­on ei­nes qua­li­ta­tiv be­son­ders hoch­ste­hen­den Cham­pa­gners.

Sie merk­te, dass an der Her­stel­lung des Cham­pa­gners, den Ken­ner zu den bes­ten der Welt zäh­len, nichts ge­än­dert wer­den muss­te. Neu muss­te da­ge­gen die Kom­mu­ni­ka­ti­on über die­sen Cham­pa­gner wer­den. «Wir be­gan­nen den Traum zu kom­mu­ni­zie­ren, den ein Mann hat­te, der et­was an­de­res, et­was Bes­se­res ma­chen woll­te», sagt sie.

Der Er­folg blieb nicht aus. «Nun läuft das Ge­schäft fan­tas­tisch», sagt Hen­ri­quez. «Un­ser Pro­blem ist jetzt, dass wir zu we­nig Cham­pa­gner ha­ben.» Die Mai­son Krug, die heu­te zum fran­zö­si­schen Lu­xus­gü­ter­kon­zern LVMH ge­hört, pro­du­ziert pro Jahr ge­ra­de mal 500 000 Fla­schen. Bei Mo­ët & Chan­don sind es 62 Mio.

In Ve­ne­zue­la ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen, liess sich Hen­ri­quez zur Sys­temin­ge­nieu­rin aus­bil­den und ab­sol­vier­te an der US-Eli­te­uni­ver­si­tät Har­vard ein Nach­di­plom­stu­di­um in Ma­nage­ment. Da­nach über­nahm sie Füh­rungs­po­si­tio­nen bei Kon­sum­gü­ter­kon­zer­nen wie Se­agram in Ve­ne­zue­la und Na­bis­co in Me­xi­ko, wo sie den Tur­naround be­werk­stel­lig­te, oh­ne ei­ne Per­son zu ent­las­sen. 2001 wur­de sie Che­fin der Wein­gü­ter von Mo­ët Hen­nes­sy in Ar­gen­ti­ni­en. 2008 folg­te der Ruf nach Frank­reich auf den CEO-Pos­ten der Mai­son Krug.

Hen­ri­quez, die flies­send Spa­nisch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch spricht, pen­delt heu­te zwi­schen Pa­ris, wo sie wohnt, und Reims, wo die Mai­son Krug ih­ren Sitz hat. Sie ist ver­hei­ra­tet und Mut­ter zwei­er er­wach­se­ner, in Me­xi­ko le­ben­der Kin­der, die selbst auch schon wie­der Nach­wuchs ha­ben. Hen­ri­quez ist ei­ne be­geis­ter­te Sport­le­rin, sie fährt Ski, spielt Ten­nis, ist mit dem Ve­lo un­ter­wegs und rei­tet. Sie liebt Wein, Es­sen, Rei­sen, Kunst, Le­sen, Mu­sik und Thea­ter.

Für ih­re Hob­bys hat die viel be­schäf­tig­te Top­ma­na­ge­rin al­ler­dings

«viel zu we­nig Zeit», wie sie sagt.

«Mei­ne Work Life Ba­lan­ce ist ein De­sas­ter», be­kennt sie frei­mü­tig. Kein Wun­der: Hen­ri­quez schreibt zur­zeit auch noch ei­ne Dok­tor­ar­beit, in der sie ein Mo­dell für die er­folg­rei­che Ent­wick­lung von Mar­ken ent­wirft.

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