Hong­kong lei­det dop­pelt

Die Me­tro­po­le spürt den Han­dels­krieg und ist we­gen der Wäh­rungs­an­bin­dung stei­gen­den US-Zin­sen aus­ge­setzt. Das birgt Ri­si­ken für den Im­mo­bi­li­en­markt.

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ERNST HERB, Hong­kong

Hong­kongs welt­of­fe­ne Volks­wirt­schaft bleibt ei­ne der wich­tigs­ten Brü­cken zwi­schen Chi­na und dem Rest der Welt. Ge­ra­de des­halb droht die wirt­schaft­lich au­to­no­me chi­ne­si­sche Son­der­ver­wal­tungs­re­gi­on zwi­schen die Fron­ten zu ge­ra­ten. So wird der Hong­kon­gDol­lar durch die stei­gen­den US-Zin­sen ei­nem Stress­test un­ter­zo­gen. Vor al­lem droht die ehe­ma­li­ge bri­ti­sche Ko­lo­nie im es­ka­lie­ren­den ame­ri­ka­nisch-chi­ne­si­schen Han­dels­krieg zer­rie­ben zu wer­den.

Die Öko­no­men von ING ge­hen da­von aus, dass ein Drit­tel der Hong­kon­ger Volks­wirt­schaft di­rekt und in­di­rekt von den von bei­den Streit­par­tei­en ver­häng­ten Sank­tio­nen ge­trof­fen wer­den könn­te. So zum Bei­spiel die Lo­gis­tik­in­dus­trie, die stark von den in die USA ge­hen­den chi­ne­si­schen Ex­por­ten und von Im­por­ten in die an­de­re Rich­tung ab­hän­gig ist. Das zeigt sich nicht nur dar­an, dass Hong­kong vor al­lem dank sei­ner Nä­he zu Chi­na den gröss­ten Fracht­flug­ha­fen der Welt hat.

Hong­kong ist vor al­lem aus zoll­tech­ni­schen Grün­den ein wich­ti­ger Um­schlag­platz für Ex­por­te, die für den chi­ne­si­schen oder den ame­ri­ka­ni­schen Markt be­stimmt sind. Das trägt mass­geb­lich da­zu bei, dass Hong­kong 2017 Gü­ter im Wert von mehr als 500 Mrd. $ oder über 150% des Brut­to­in­land­pro­dukts ex­por­tiert hat. Das ge­ra­de ein­mal 8 Mio. Ein­woh­ner zäh­len­de Ter­ri­to­ri­um ist denn auch die welt­weit siebt­gröss­te Ex­port­na­ti­on.

Nach An­ga­ben von Ed­ward Yau, Hong­kongs Mi­nis­ter für Han­del und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung, dro­hen die Aus­fuh­ren bis zu 7% zu­rück­zu­ge­hen. Wie ex­po­niert das 1997 von Grossbritannien an Chi­na ab­ge­tre­te­ne Ter­ri­to­ri­um ist, zeigt sich auch dar­an, dass Hong­kon­ger In­ves­to­ren al­lein im an­gren­zen­den süd­chi­ne­si­schen Um­land 32 000 Un­ter­neh­men be­sit­zen.

Vie­le In­di­ka­to­ren wei­sen dar­auf hin, dass das Wirt­schafts­wachs­tum Chi­nas im drit­ten Quar­tal deut­lich an Schwung ver­lo­ren hat. Das Nach­las­sen des Kon­su­men­ten­ver­trau­ens droht sich auf die Tou­ris­mus­in­dus­trie und den Ein­zel­han­del aus­zu­wir­ken, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ne­ben dem Fi­nanz- und dem Bau­sek­tor der wich­tigs­te Wachs­tums­mo­tor der Hong­kon­ger Wirt­schaft wa­ren.

Häu­ser­prei­se ver­drei­facht

Die un­mit­tel­bar gröss­te Ge­fahr für die Sta­bi­li­tät der Hong­kon­ger Wirt­schaft geht nach Ein­schät­zung der Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) in­des vom Im­mo­bi­li­en­markt aus. Die Häu­ser­prei­se ha­ben sich in­ner­halb von zehn Jah­ren fast ver­drei­facht. Da­mit sind nach Mei­nung der UBS Hong­kon­ger Im­mo­bi­li­en die welt­weit am meis­ten über­be­wer­te­ten. Jetzt, wo in den USA die Zin­sen stei­gen, ist das zu ei­nem gros­sen Ri­si­ko­fak­tor ge­wor­den.

Denn der Wech­sel­kurs des Hong­kon­gDol­lars ist fest an den Gre­en­back ge­bun­den. Da­mit muss die Hong Kong Mo­ne­ta­ry Au­to­ri­ty (HKMA) – die Qua­siNo­ten­bank des Ter­ri­to­ri­ums – die geld­po­li­ti­schen Schrit­te der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank nach­bil­den. Die lo­ka­len Ban­ken ha­ben 2018 erst­mals seit Lan­gem die Hy­po­the­kar­zin­sen an­ge­ho­ben. Das war für hoch ver­schul­de­te Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer ein kla­res Ver­kaufs­si­gnal. Die Hong­kon­ger Häu­ser­prei­se sind im Au­gust denn auch erst­mals seit 26 Mo­na­ten ge­fal­len.

Gleich­zei­tig muss­te die HKMA in den ver­gan­ge­nen Wo­chen zur Ver­tei­di­gung des Wech­sel­kur­ses mas­siv auf dem De­vi­sen­markt in­ter­ve­nie­ren. Denn wäh­rend die Wirt­schaft in den USA an Fahrt ge­won­nen hat, zeich­net sich in Hong­kong ei­ne deut­li­che Ab­küh­lung der Kon­junk­tur ab. Nach­dem die Wirt­schaft im ers­ten Quar­tal noch 4,7% ex­pan­diert ist, dürf­te sie nach Pro­jek­tio­nen der Asia­ti­schen Ent­wick­lungs­bank über das gan­ze Jahr le­dig­lich noch 3% wach­sen.

Lo­ka­le Re­gie­rung ge­for­dert

Die­se An­nah­me geht aber da­von aus, dass sich der Han­dels­krieg nicht wei­ter ver­schärft und vor al­lem nicht di­rekt auf Hong­kong über­greift. Da­mit ist vor al­lem die lo­ka­le Re­gie­rung ge­for­dert, die ge­gen­über Wa­shing­ton klar­ma­chen muss, dass Hong­kong trotz der wach­sen­den In­te­gra­ti­on mit Chi­na nicht for­ma­ler Teil der Fest­land­wirt­schaft ist. Die Ver­tei­di­gung des exis­tie­ren­den Wech­sel­kurs­sys­tems ist da­bei wahr­schein­lich nicht ge­nug.

Dies ge­ra­de in den Au­gen der­je­ni­gen ame­ri­ka­ni­schen Po­li­ti­ker, die kri­ti­sie­ren, dass die bür­ger­li­chen Frei­hei­ten in Hong­kong un­ter dem wach­sen­den Ein­fluss von Peking un­ter Druck ge­kom­men sind. Die­ser Ein­druck hat sich die­ser Ta­ge ein wei­te­res Mal be­stä­tigt. Ei­nem Jour­na­lis­ten der bri­ti­schen Fi­nanz­zei­tung «Fi­nan­ci­al Ti­mes» wur­de das Vi­sum wohl ein­zig des­we­gen nicht ver­län­gert, weil er an ei­ner Ver­an­stal­tung im Aus­land­pres­se­club ei­nem Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ker das Wort er­teilt hat.

Hong­kong ex­por­tier­te 2017 Gü­ter im Wert von über 500 Mrd. $.

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