Gold­preis pro­fi­tiert

Die Un­si­cher­heit an den glo­ba­len Märk­ten be­güns­tigt Ral­ly.

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - NITESH SHAH,

Gold hat sei­nen Sta­tus als si­che­ren Ha­fen nicht ver­lo­ren: Wäh­rend am Don­ners­tag der ame­ri­ka­ni­sche Leit­in­dex S&P 500 um 2% fiel, sein deut­sches Pen­dant Dax um 1,1%, der Swiss Mar­ket In­dex (SMI) um 2,9% und das Öl um 3,4%, klet­ter­te der Gold­preis um 2,5%. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die zy­kli­sche Markt­schwä­che der ver­gan­ge­nen Wo­che zu ei­ner kurz­fris­ti­gen Ral­ly bei Gold füh­ren wird. Er­war­tet wird zu­dem, dass sich das Edel­me­tall bis nächs­tes Jahr um die­se Zeit auf 1320 $ pro Un­ze er­holt.

Bis zur ver­gan­ge­nen Wo­che hat­te der Gold­preis ei­nen schwie­ri­gen Stand. Al­lein im drit­ten Quar­tal die­ses Jah­res fiel er um 5,3%. Man sprach da­von, dass ei­ni­ge An­le­ger wäh­rend des jüngs­ten Schwel­len­län­der-Ab­ver­kaufs da­sVer­trau­en ins Edel­me­tall als si­che­ren Ha­fen ver­lo­ren hät­ten.

Viel wahr­schein­li­cher ist je­doch, dass die An­le­ger gar nicht nach ei­nem si­che­ren Ha­fen ge­sucht hat­ten, weil die ent­wi­ckel­ten Märk­te zu die­sem Zeit­punkt brumm­ten und de­ren Ak­ti­en stark blie­ben. Jetzt aber, da die Ent­wick­lung die­ser Märk­te ins Sto­cken ge­ra­ten ist, er­füllt Gold wie­der sei­ne an­ge­stamm­te Auf­ga­be. Gold dürf­te sich wei­ter­hin mit der Markt­stim­mung be­we­gen.

Stei­gen­de Zins­sät­ze zie­hen in der Re­gel den Gold­preis in die Hö­he. Weil aber ein brei­ter Kon­sens dar­über be­steht, dass die USNo­ten­bank die Leit­zin­sen noch ein­mal im De­zem­ber und wei­te­re zwei Ma­le im kom­men­den Jahr an­he­ben wird, sind die­se Be­we­gun­gen be­reits weit­ge­hend im US-Dol­lar und den US-An­lei­hen ein­ge­preist.

Die In­fla­ti­on des US-Ver­brau­cher­preis­in­dex (Con­su­mer Pri­ce In­dex, CPI) er­reich­te im Ju­li 2018 2,9%. Meh­re­re Fak­to­ren spre­chen aber ge­gen ei­ne wei­te­re Preis­stei­ge­rung. Es ist zu er­war­ten, dass die US-In­fla­ti­on des drit­ten Quar­tals 2018 auf 2,4% zu­rück­geht. Ei­ne nied­ri­ge­re In­fla­ti­on könn­te auch den Gold­preis be­las­ten.

Stüt­zen wür­de den Gold­preis da­ge­gen ein fal­len­der US-Dol­lar. Drei Leit­zins­er­hö­hun­gen durch die US-No­ten­bank dürf­ten den Markt nicht über­ra­schen. Es ist aber gut denk­bar, dass an­de­re Zen­tral­ban­ken ih­re Fi­nanz­po­li­tik straf­fen. Nach der po­si­ti­ven Ent­wick­lung des Gold­prei­ses in der ver­gan­ge­nen Wo­che wer­den vie­le Short-Gold­po­si­tio­nen ab­ge­si­chert. Dies ver­schärft ten­den­zi­ell die Kurs­ge­win­ne und könn­te ei­ne Ral­ly in Gang set­zen.

Die Markt­stim­mung ist an den spe­ku­la­ti­ven Po­si­tio­nie­run­gen am Gold­ter­min­markt zu mes­sen. Die­ser hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che den nied­rigs­ten Stand seit 2001 er­reicht. Die­se ne­ga­ti­ve spe­ku­la­ti­ve Net­to­po­si­tio­nie­rung ist un­ge­wöhn­lich, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Ri­si­ken am Markt.

Es gibt meh­re­re Hin­wei­se dar­auf, dass die ge­sun­ke­ne Ri­si­ko­be­reit­schaft der letz­ten Wo­che Be­stand ha­ben wird: So ist zwar nicht zu er­war­ten, dass der zu­neh­men­de Pro­tek­tio­nis­mus in den USA die glo­ba­le Wirt­schafts­nach­fra­ge be­ein­träch­tigt. Wenn es al­ler­dings zu ei­ner Es­ka­la­ti­on der pro­tek­tio­nis­ti­schen Mass­nah­men kommt, könn­te der Markt in ei­ne ri­si­koär­me­re Hal­tung ge­trie­ben wer­den.

Wei­ter rückt der Ter­min für den Aus­tritt Gross­bri­tan­ni­ens (Br­ex­it) aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on im März des kom­men­den Jah­res nä­her – und es blei­ben bis da­hin noch vie­le De­tails zu klä­ren. Ein Schei­tern der Ver­hand­lun­gen über ein Han­dels­ab­kom­men könn­te so­wohl für Grossbritannien als auch für die EU schäd­lich sein. Und schliess­lich gibt es kei­ne Ga­ran­tie da­für, dass die Ak­ti­en in den In­dus­trie­län­dern auch beim nächs­ten Schock mehr oder we­ni­ger sta­bil blei­ben wer­den.

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